Tatelyn Ferguson füllt die Regale mit koffeinhaltigen Getränken im Cougar Express auf dem Campus der Brigham-Young-Universität in Provo auf. (Donnerstag, 21.9. 2017). Damit bricht die BYU eine 60-jährige Tradition und bietet von nun an auch koffeinhaltige Getränke auf dem Campus an.

PROVO — Die BYU ist immer noch stocknüchtern, und trotzdem hat sich das Erscheinungsbild der Universität stark gewandelt.

Koffeinhaltige Cola wird verkauft.

BYU Koffein

Das erste Mal in 60 Jahren füllten die Angestellten koffeinhaltige Limonade in Getränkeautomaten und Regale in den Geschäften. Zur Mittagszeit standen die Studenten bei CougarEat im Wilkinson-Studierenden-Zentrum an den nagelneuen Getränkeautomaten mit koffeinhaltigen CocaCola-Getränken Schlange. Das Ereignis sorgte in den nationalen Medien und den sozialen Medien für Aufmerksamkeit. Es wurde darüber gewitzelt, dass ein bisschen Koffein vielleicht dem angeschlagenen Footballteam der BYU guttun würde. Eine ehemalige Studentin, Shannon Kenedy, schrieb auf Facebook: „Wieso passiert das ausgerechnet jetzt, wo ich aus Provo weg bin? Eeeeendlich!” Die offizielle Seite der BYU antwortete darauf mit einem Link zu ihrem Graduiertenprogramm.

Die Universität gab die Entscheidung auf Twitter und ihrer Homepage bekannt. Koffeinhaltige Erfrischungsgetränke sollen auch bei BYU-Wettkämpfen, darunter auch Football-Spiele im LaVell-Edwards-Stadion und Basketball-Spiele im Marriott-Center, verkauft werden, sagte die Sprecherin der BYU, Carri Jenkins.

Die Änderung beendet damit eine jahrelange Diskussion. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist Eigentümer und Betreiber der BYU. Im Glauben der Mitglieder der Kirche wird in einem Gesundheitsgesetz, dem „Wort der Weisheit”, der Genuss von „heißen Getränken” verboten, die die Kirche als Kaffee und koffeinhaltigen Tee definiert. In den 1950ern wurde der Verkauf von koffeinhaltigen Getränken auf dem Campus eingestellt, Studenten, dem Lehrkörper, Angestellten und  Besuchern war das Mitbringen der Getränke jedoch gestattet.

Einige Kirchenführer wiesen darauf hin, dass koffeinhaltige Getränke schädlich sein können. Die Getränke wurden jedoch in den Restaurants des Joseph Smith Memorial Building auf dem Tempelplatz weiterhin verkauft.

Koffein-Verkauf im Joseph Smith Memorial Building

2012 veröffentlichte die Kirche in einer Stellungnahme, dass die Offenbarung der Kirche über Gesundheitspraktiken nicht auf Koffein einginge.

Vor fast einem Jahr bezog sich Präsident Dieter F. Uchtdorf, zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft der Kirche Jesu Christi, während einer Ansprache bei der Generalkonferenz der Kirche auf ein koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk. Er beschrieb die vielen Stunden, die er nach seiner Berufung als Siebziger im Jahre 1994 benötigte, um sich in die Arbeit mit einem Computer für seine Arbeit in der Kirche einzuarbeiten. Er beschrieb: „Es erforderte enorm viel Zeit, Wiederholung und Geduld, nicht wenig Hoffnung und Glaube, eine Menge gutes Zureden von meiner Frau und viele Liter einer Diät-Limo, deren Namen ich nicht nennen möchte.”

Und dennoch ist es möglich, dass die Diät-Limo seiner Wahl noch immer nicht auf dem BYU-Campus erhältlich ist. Die Universität hat einen Vertrag mit Coca-Cola, was bedeutet, dass Pepsi oder Dr. Pepper-Snapple-Group-Produkte noch immer nicht erhältlich sind.

„Es wäre eine Vertragsverletzung, anderen zu erlauben, auf dem Campus Konkurrenzprodukte zu verkaufen”, sagte Wright.

Universitäten, Restaurants und professionelle Sportmannschaften unterzeichnen exklusive Verträge mit Getränkefirmen. Die BYU ist ein Coca-Cola-Campus. Auf Twitter schrieb eine Frau: „Eine Dose Dr. Pepper in ein Spiel zu schmuggeln, wird von nun an weniger lustig sein.” „Tut uns leid. Oder eigentlich nicht”, antwortete daraufhin das Twitter-Team der BYU.

Koffein im BYU American Football Stadion

Dr. Pepper ist kein Produkt von Coca-Cola und kann damit allgemein nicht auf dem Campus verkauft werden. Es gibt nur eine Ausnahme für zwei Geschäfte auf dem Campus.

Die BYU ist nicht die erste Schule, die unter Leitung der Kirche Jesu Christi steht, die nun koffeinhaltige Limonaden verkauft. Bereits im März begann schon das LDS Business College damit, sie im BC-Café zu verkaufen.

„Wir haben uns wegen der Nachfrage dazu entschieden, die wir in anderen von der Kirche geführten Institutionen beobachten konnten”, sagte Bruce C. Kusch.

Die BYU Idaho wird laut eines Sprechers auch weiterhin keine koffeinhaltigen Limonaden verkaufen. „Wir sehen keinen Grund dafür, unsere Grundsätze zu überdenken, da die BYU-Idaho nicht die gleiche Rolle wie die BYU beim Bewirten von Besuchern spielt. 95 Prozent unserer Studenten leben nicht auf dem Campus und haben bequemen Zugang zu den Getränken.”

Auch BYU Hawaii hat laut ihrer Sprecherin, Laura Tevaga, keine Pläne, ihr Vorgehen zu überdenken. Im Trainingszentrum für Missionare, in der Nachbarschaft der BYU, wird laut Sprecher der Kirche, Doug Andersen, auch weiterhin keine koffeinhaltige Limonade angeboten.

„Die Vorlieben der Konsumenten haben sich verändert… Wir sind uns bewusst, dass viele Entscheidungen getroffen werden und dass manche nahrhafter als andere sind”, sagte Wright, der Direktor und Verantwortliche für die Nahrungsmittel. „Wir bieten eine Vielzahl von Wahlmöglichkeiten an und ermutigen unsere Kunden dazu, eine Wahl zu treffen und dabei auch an die Gesundheit zu denken.” Laut Wright werden keine Energy-Drinks verkauft werden.  


Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde teilweise gekürzt. Er wurde ursprünglich am 21.9.17 auf deseretnews.com unter dem Titel „BYU selling caffeinated soft drinks on campus” veröffentlicht. Der Autor ist Ted Walch. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.    

German ©2017 LDS Living, A Division of Deseret Book Company | English ©2017 LDS Living, A Division of Deseret Book Company

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