In seinem Buch „Memorable Stories With a Message” (etwa: Einprägsame Geschichten mit Botschaft) erzählt Boyd K. Packer, ein Apostel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, eine Geschichte über das Zielesetzen. Als ranghoher Kirchenführer der Mormonen ermutigt er die Menschen dazu, sich Ziele zu setzen – und nicht nur zu Neujahr.

Bei einer Silvesterparty bat der Gastgeber seine Gäste, auf einem Stück Papier festzuhalten, was sie im folgenden Jahr erreichen wollten. Jeder Gast tat das und versiegelte und beschriftete den Umschlag anschließend. Der Gastgeber nahm die Umschläge an sich und bewahrte sie bis zum nächsten Jahr in einem Banktresor auf.

Elder Packer zitiert Heber C. Kimball, der sagte: „Ich habe es schon oft gesagt, ihr könnt für euch Segnungen aufschreiben, fügt alles Gute ein, das euch einfällt, und es wird eintreten, wenn ihr richtig handelt.” (Original: „I have said often, you may write blessings for yourselves, and insert every good thing you can think of, and it will all come to pass on your heads if you do right.”)

Elder Packer und seine Frau schrieben damals sechs Dinge auf, die sie sich erhofften; alle bezogen sich auf andere Menschen und alle schienen schier unmöglich. Weil sie diese Dinge jedoch aufgeschrieben hatten, beteten sie regelmäßig dafür, dass sie in Erfüllung gingen. Bei jedem Gebet erhielten sie persönliche Inspiration, die es ihnen ermöglichte, den Zielen näher zu kommen. Er merkt an, dass sie diese Eingebungen ignoriert oder gar nicht erst erhalten hätten, wenn sie sich nicht die entsprechenden Ziele gesetzt hätten. Fünf der Ziele waren das Jahr über Wirklichkeit geworden und am Silvesterabend erfuhren sie, dass auch der letzte Freund, für den sie gebetet hatten, sein Ziel erreicht hatte. Obwohl er nicht wusste, dass Elder Packer und seine Frau ein entsprechendes Ziel gehabt hatten, setzte er sie freudig davon in Kenntnis, dass die Herausforderung, die er erlebt hatte, gemeistert war (Packer, Boyd K.. „A Host of Goals.” Memorable Stories With a Message. Salt Lake City: Deseret Book Co, 2001. 7-8. Druckausgabe).

Elder Boyd K. Packer vom Kollegium der Zwölf Apostel (1924-2015)

Setzen wir keine Ziele, laufen wir Gefahr, dass wir durch das Leben gehen, ohne jemals etwas Bedeutsames zu erreichen. Es kann leicht passieren, dass wir uns im Alltag und in Dingen von unmittelbarer Dringlichkeit verlieren und so nie einen Plan für unser Leben erstellen. Uns Ziele zu setzen, sie aufzuschreiben und uns dafür eine Frist zu setzen, kann uns dabei helfen all das zu erreichen, weswegen uns Gott hierher gesandt hat, Probleme zu lösen und ein Segen für das Leben eines anderen zu sein. Beinhaltet unser Plan auch das Gebet, stellen wir sicher, dass Gottes Vision für unser Leben in Erfüllung gehen wird.

Machen wir Pläne für die kommende Zeit, sollte der erste Schritt das Gebet um Inspiration sein. Meistens haben wir eine Vorstellung davon, was wir selbst erwarten, aber es kann vorkommen, dass Gott einen anderen Plan für uns hat – und seiner ist immer besser. Wir sollten sichergehen, dass unser Plan mit seinem übereinstimmt.

Als nächstes sollten wir uns überlegen, was in unserem Leben geschehen soll. Ich beispielsweise stelle mir vor, wie mein Leben in einem Jahr aussehen soll und schreibe mir auf, was geschehen muss, damit diese Vorstellung Realität wird. Ich versuche, ein realistisches Bild vor Augen zu haben – es ist höchst unwahrscheinlich, dass ich im Laufe des nächsten Jahres ein Bestseller-Autor werde, wenn ich bisher kein einziges Buch geschrieben habe und gar nicht weiß, wie man ein Buch schreibt. Ich versuche auch, die Anzahl an Veränderungen, die ich vornehmen muss, unter Kontrolle zu halten. Niemand hält 100 gute Vorsätze ein – fünf machbare Vorsätze sind da schon wahrscheinlicher.

Tagebuch schreiben macht Spaß und man vergisst nie wieder ein besonderes Erlebnis.

Der nächste Schritt ist es, diese Dinge aufzuschreiben. Halten wir sie nicht fest, treffen sie wahrscheinlich auch nicht ein. Überlege dir auch, wo du deine Vorsätze am besten aufbewahrst.

Für viele ist das der letzte Schritt. Hören wir bei diesem Schritt jedoch auf, ist es meist so, dass die Vorsätze in den nächsten Wochen schnell verworfen oder vergessen werden. Jeder Vorsatz braucht seinen eigenen Plan.

Wir müssen unsere Ziele in kleine Schritte aufteilen. „Ein Buch schreiben” ist ein riesiges Ziel, das viele Etappenziele beinhaltet. Plane jeden einzelnen Schritt und überlege dir einen Zeitplan, um ihn jeweils zu erreichen. Wenn das Ziel ist, im nächsten Jahr ein Buch zu schreiben, fängt man vielleicht damit an zu lernen, wie man ein Buch schreibt. Halte das als ersten Schritt fest und finde dann heraus, wie man das lernt. Welche Bücher sollte man dafür lesen? Welchen Freund kann man um Rat bitten? Wie lange sollte man sich mit der Theorie beschäftigen?

Der nächste Schritt wäre dann, ein Thema für das Buch festzulegen. Soll es ein Roman oder ein Sachbuch werden? Was soll darin stehen? Man muss noch keinen vollständigen Entwurf für das Buch anlegen, aber man sollte eine Idee davon bekommen, was für eine Art Buch es werden soll, um sich mit entsprechenden Hintergrundinformationen zu befassen.

Anschließend sollte der zukünftige Schriftsteller bestimmen, wie lang das Buch werden soll und dann ausrechnen, wie viele Seiten pro Tag geschrieben werden müssen, um wirklich innerhalb eines Jahres damit fertig zu werden. Während ein Schriftsteller vielleicht nur eine Seite pro Tag schreiben muss, um mit dem ersten Entwurf innerhalb eines Jahres fertig zu werden, sollte sich unser zukünftiger Bestseller-Autor hier vielleicht vornehmen, zwei Seiten pro Tag zu schreiben, um auch noch Zeit für den Sabbat, für Feiertage, für Tage, an denen er krank ist und für die Vorbereitungen zu haben.

Ziele erreichen. Schritt für Schritt.

Gehe so Schritt für Schritt vor, bis du all die Schritte zusammen hast, die nötig sind, um dein Ziel zu erreichen und du die zeitliche Abfolge für dich selbst festgehalten hast. Du bist nun auf gutem Wege, aber fertig bist du noch nicht.

Wann wirst du an diesem Ziel arbeiten? Wenn du vorhast, in einem Jahr alle Werke Shakespeares zu lesen, liest du morgens, vor dem Schlafengehen oder in deiner Mittagspause? Wenn du nicht eine bestimmte Zeit festsetzt und sicherstellst, dass zu dieser Zeit keine anderen Termine stattfinden, gelingt dein Plan dir nicht. Wir wissen alle, wie schnell man zu beschäftigt ist und abends todmüde ins Bett sinkt, ohne sich die Zeit genommen zu haben, eine Stunde zu lesen.

Überlege dir auch, was du tun wirst, wenn du deinen Vorsatz nicht einhältst oder hinter deinem Zeitplan zurückbleibst. Das ist der Zeitpunkt, an dem die meisten Leute aufgeben. Das kannst du verhindern, indem du dir schon von vornherein klar machst, was du in solch einem Fall tun wirst. Wenn du beschließt, dieses Jahr das Alte Testament zu lesen und hinter dem Zeitplan zurück fällst, liest du dann an einem anderen Tag mehr, um wieder auf dem Laufenden zu sein oder liest du einfach weiter und brauchst ein bisschen länger, um das ganze Buch zu lesen? Korrigierst du deinen ursprünglichen Zeitplan, wenn er nicht realistisch war, und passt ihn den Gegebenheiten an?

Glaube wie ein Senfkorn

“Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein.” – Matthäus 17:20

Manchmal ist es auch angemessen, ein Ziel zu verwerfen. Wenn du dir das Ziel gesetzt hast, wieder zu studieren und eines deiner Kinder ernsthaft krank wird, steht das Kind natürlich an erster Stelle. Du hast in diesem Fall nicht versagt. Du hast deine Priorität verlagert und die richtige Entscheidung getroffen.

Manchmal erfahren wir während eines Gebets, dass wir ein Ziel erst einmal aufschieben müssen oder sogar aufgeben.

Als meine Kinder kleiner waren, begann ich mit meiner Karriere als selbständige Autorin. Dinge veränderten sich als ich anfing, meine Kinder zu Hause zu unterrichten. In einem Gebet wurde ich gewarnt, dass mir nicht beides gelingen würde. Andere können das vielleicht, ich nicht. Das Ziel, das ich hatte, schob ich also erst einmal mit Erlaubnis des himmlischen Vaters acht Jahre lang auf, bis ich in einem Gebet die Antwort bekam, dass es wieder Zeit wurde, daran zu arbeiten. Ich konnte auf dem, was ich Jahre zuvor gelernt hatte, aufbauen – ich konnte mein Ziel also doch erreichen – nur den Zeitplan hatte ich, nach Rücksprache mit Gott, anpassen müssen.

Die Wahrscheinlichkeit, unsere Ziele zu erreichen, wächst, indem wir uns unseren Zielen gebeterfüllt widmen. Machen wir das Gebet zu einem festen Bestandteil unseres Jahresplans; es hilft uns zu erkennen, was Gott möchte, dass wir diesbezüglich tun. Gott möchte, dass wir unsere rechtschaffenen Träume erreichen; leben wir so, dass wir seiner Hilfe würdig sind und setzen wir unsere Ziele im Einklang mit ihm, dann erreichen wir alles, was er für uns im Sinn hat.


Über Terrie Lynn Bittner

Terrie Lynn Bittner ist Autorin zweier Büchern über das Unterrichten zu Hause, außerdem zahlreicher Artikel, von denen einige auch in HLT-Magazinen erschienen sind. Sie ist mit Lincoln Bittner verheiratet, Mutter von drei erwachsenen Kindern und Großmutter von zwei Mädchen. Terrie schloss sich im Alter von siebzehn Jahren der Kirche Jesu Christi an und schreibt seit 1992 online über ihren Glauben. Bei LatterdaySaintWomen.com schreibt sie über das Leben von Frauen der Kirche Jesu Christi.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 8.12.2009  auf ldsblogs.com unter dem Titel „Are New Year Resolutions Important?” veröffentlicht. Die Autorin ist Terrie Lynn Bittner. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.