Bittet, und es wird euch gegeben werden; suchet, und ihr werdet finden; klopfet an, und es wird euch aufgetan werden. Denn ein jeder, der bittet, empfängt; und wer da sucht, der findet; und dem, der anklopft, wird aufgetan werden.

3 Nephi 14:7,8

„Suchet, und ihr werdet finden”

Ist Ihnen aufgefallen, dass die Art und Weise, wie der Herr mit uns über Antworten auf unsere Gebete spricht, nicht ungewiss ist? Zweifellos gibt es Voraussetzungen, die die Produktivität unserer Gebete beeinflussen, aber wenn der Herr über ihre Beantwortung spricht, lässt er keinen Zweifel darüber, was er tun wird. Kein einziger Vers über das Gebet, mit dem ich vertraut bin, enthält konditionale Sprache. Der Herr hat niemals gesagt: „Bitte, und dir wird vielleicht gegeben. Suche, und du kannst finden. Klopfe an, und vielleicht werde ich dir auftun.“

Das Verb der göttlichen Wahl in Bezug auf die Antworten auf unsere Gebete ist „werden”, und daran sollten wir uns erinnern.

Beten als Familie

Gott beantwortet jedes Gebet

Wenn wir bereit sind zuzulassen, dass „Nein” eine Antwort ist, dann müssen wir anerkennen, dass der Herr jedes Gebet beantwortet, und dass er entweder so antwortet, wie wir wollen, oder auf eine bessere Weise, „denn wer bittet, der empfängt.“ (Matthäus 7: 8) Die Art und Weise der Antwort ist bestimmt durch Gottes Wunsch, unsere Unsterblichkeit und unser ewiges Leben zustande zu bringen (Mose 1:39), und nicht allein dadurch, unsere Wünsche zu erfüllen. Unabhängig von seiner Antwort müssen wir sicher sein, dass er zuhören und uns die Antwort geben wird, die für uns am besten ist. Er gibt uns vielleicht nicht immer das, was wir wollen, aber er wird uns immer das geben, was wir brauchen. Die Gegenwart Gottes ist…

„wie ein Meer von Glas und Feuer, wo alles (…) offenbar ist – Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges – und sich beständig vor dem Herrn befindet.“ (LuB 130: 7) Auf der Grundlage dieser allwissenden Perspektive hört Gott uns zu und antwortet uns. Es muss für ihn interessant sein, unsere Anfragen zu bewerten, welche auf der Perspektive basieren, die wir gewinnen, wenn wir auf Ameisenhügeln stehen, während er uns von Bergeshöhen aus betrachtet.

Es scheint mindestens drei Antworten zu geben, die unser Vater uns geben kann:

1. Ja. Es wird dir guttun. Du hast im Namen meines Sohnes und mit wirklichem Vorsatz gefragt.
2. Nein. Es ist nicht gut für dich. Es ist nicht segensreich für dich. Ich möchte, dass du wächst.
3. Warte. Noch nicht. Du bist nicht bereit.

Diesen möglichen Antworten könnte eine vierte hinzugefügt werden:

4. Es spielt keine Rolle. Entscheide selbst, und ich unterstütze dich bei deiner Entscheidung.

Wenn wir für etwas beten, was wir gerne möchten, trachten wir nach der ersten Antwort. Wenn dann eine andere Antwort kommt, wir aber weder fügsam noch uns der Liebe Gottes bewusst sind, wenn wir kein Vertrauen in seine Perspektive haben, können sich Gefühle von Verrat oder Unwürdigkeit einstellen.

Mein Ehemann findet mich nicht attraktiv

„Es ist schwer, wenn unser aufrichtiges Beten um etwas, was wir uns sehr wünschen, nicht so beantwortet wird, wie wir es wollen. Es ist besonders schwer, wenn uns der Herr etwas abschlägt, was würdig ist und uns viel Freude und Glück bringen würde. Ob es darum geht, Krankheit oder Einsamkeit zu überwinden, ein rebellisches Kind zurückzugewinnen, mit einer Behinderung zurechtzukommen oder zu wünschen, daß ein geliebter Mensch, der dem Tod nahe ist, länger lebt – bei all dem scheint es nur vernünftig und für unser Glück richtig zu sein, eine bejahende Antwort zu erhalten. Es ist so schwer zu verstehen, warum unser tiefer und aufrichtiger Glaube, der einem gehorsamen Leben entspringt, nicht das gewünschte Ergebnis erzielt.” (Elder Richard G. Scott, Generalkonferenz, Herbst 1995)

Ich erinnere mich an eine Zeit, als ich solche Gefühle hatte.

Mein Vater starb, als ich siebzehn war, und meine Mutter lebte neunzehn Jahre lang als Witwe. Dann heiratete sie wieder. Sie und ihr neuer Ehemann lebten in Logan, Utah, ein paar Stunden von meinem Zuhause in Orem entfernt. Ein paar Jahre, nachdem sie erneut geheiratet hatte, starb ihr neuer Ehemann. Sie war zu dieser Zeit fast völlig erblindet, aber sie war sehr selbstständig und weigerte sich, zu einem ihrer Kinder zu ziehen, aus Angst, sie könnte eine Last werden. Stattdessen entschied sie sich, allein in Logan in dem Haus zu leben, das ihr zweiter Ehemann ihr hinterlassen hatte.

Obwohl ich eine Schwester in Logan hatte, verspürte ich sowohl den Wunsch als auch das Bedürfnis, bei der Fürsorge für meine Mutter mitzuhelfen. Ich machte meine Vorgesetzten beim Bildungswesen der Kirche auf meine Wünsche aufmerksam und wartete auf ihre Entscheidung. Meine Frau und ich fasteten und beteten und baten den Herrn, uns zu helfen, dieses aufrichtige Ziel zu erreichen. Aber als die Aufträge für das nächste Jahr angekündigt wurden, wurden wir nicht aufgefordert umzuziehen. Ich war enttäuscht. Als ich nach einer Erklärung fragte, wurde mir gesagt, dass in diesem Jahr kein Umzug möglich wäre.

In diesem Sommer traf ich während eines geschäftlichen Treffens an der BYU auf den Direktor des Logan-Seminars, einen lieben Freund, mit dem ich über meinen Wunsch gesprochen hatte. „Ted”, fragte er, „warum hast du dich entschieden, nicht nach Logan zu kommen?”

Die Hand Gottes ist da.

„Ich habe das nicht entschieden”, sagte ich ihm. „Die Abteilung hat es getan. Ich dachte, es sei passiert, weil du keine freien Stellen hattest.”

„Natürlich hatten wir freie Stellen!”, verkündete er. „Wir haben dieses Jahr drei brandneue Lehrer beim Seminar in Logan eingestellt. Diese hätten überall hingehen können.”

Ich war in diesem Moment so nah daran, wie ich es noch niemals war, meine Faust himmelwärts zu recken. Ich wusste, was für meine Mutter das Beste war. Oder nicht? Warum hatte der Herr mir nicht das gegeben, was ich so sehr wünschte?

Ein paar Monate später gab meine liebe Mutter ihre Unabhängigkeit auf. Sie zog nach Orem ins Haus meiner Schwester, die nur eine Straße weiter wohnte als wir, weniger als eine halbe Meile entfernt. Hätte ich nicht eine wundervolle Zeit in Logan gehabt?

Im folgenden Sommer nahm der Ehemann meiner Schwester den Auftrag an, drei Jahre als Missionspräsident zu dienen. Ein paar Minuten waren genug, um meiner Mama zu helfen in unser Haus, ihr neues Zuhause, umzuziehen. Wie dankbar war ich, dass der Herr mir das gegeben hat, was ich gebraucht habe und nicht das, was ich wollte!

Es macht mir nichts aus”

Bei einigen Gelegenheiten hat der Herr angedeutet, dass er nicht beabsichtigt, in allen möglichen Umständen Anweisungen zu geben. Als die Ältesten, die durch göttliche Anweisung nach Missouri gereist waren, sich darauf vorbereiteten, in das Gebiet von Kirtland zurückzukehren, sagte ihnen der Herr:

„Aber wahrlich, ich will zu euch über eure Reise in das Land sprechen, von wo ihr gekommen seid. Laßt da ein Wasserfahrzeug bauen oder kauft eines, wie es euch gut scheint, es macht mir nichts aus, und tretet schnell eure Reise nach dem Ort an, der St. Louis genannt wird.”

(LuB 60: 5, Hervorhebung hinzugefügt.)

Als der Prophet und seine Mitarbeiter eine Gruppe von Ältesten trafen, die nach Zion reisten, gab der Herr ihnen eine Offenbarung, die lautete:

„Und nun setzt eure Reise fort. Sammelt euch im Land Zion, und haltet eine Versammlung und freut euch miteinander; und bringt dem Allerhöchsten eine heilige Handlung dar. Und dann mögt ihr zurückkehren, um Zeugnis zu geben, ja, nämlich alle zusammen oder zwei und zwei, wie es euch gut scheint, mir macht es nichts aus; seid nur treu, und verkündet den Bewohnern der Erde, oder in den Zusammenkünften der Schlechten, frohe Nachricht.” (LuB 62: 4,5), Hervorhebung hinzugefügt.

Heilige der Letzten Tage: Kult, Sekte oder Religion?

In einer Offenbarung, die Stephen Burnett 1832 zu einer Mission aufforderte, wies der Herr ihn an:

„… geh hin und predige mein Evangelium, ob im Norden oder im Süden, im Osten oder im Westen, darauf kommt es nicht an, denn ihr könnt nicht fehlgehen.” (LuB 80: 3, Hervorhebung hinzugefügt.)

Das Privileg, Offenbarung zu empfangen, ist so wertvoll und die Verheißungen sind so kraftvoll, dass die scheinbar göttliche Gleichgültigkeit oder Stille uns quälen kann, wenn wir um Führung bitten. Wenn die Antworten nicht so kommen, wie wir es uns erhofft haben, tun wir gut daran, unsere eigene Würdigkeit zu überprüfen. Wenn wir bereit sind, eine Antwort zu erhalten, dann sollten wir uns an den Rat des Herrn aus Abschnitt 58 in LuB erinnern:

„Denn siehe, es ist nicht recht, daß ich in allem gebieten muß; denn wer in allem genötigt werden muß, der ist ein träger und nicht ein weiser Knecht, darum empfängt er keinen Lohn.

Wahrlich, ich sage: Die Menschen sollen sich voll Eifer einer guten Sache widmen und vieles aus ihrem eigenen, freien Willen tun und viel Rechtschaffenheit zustande bringen;

denn die Macht ist in ihnen, wodurch sie für sich selbst handeln können. Und insofern die Menschen Gutes tun, werden sie keineswegs ihres Lohnes verlustig gehen.

Wer aber gar nichts tut, bis es ihm geboten wird, und ein Gebot mit zweifelndem Herzen empfängt und es auf träge Weise hält, der ist verdammt.” (LuB 58: 26-29)

Brigham Young gab hervorragende Ratschläge über die richtige Vorgehensweise, wenn wir nicht in der Lage sind, den Willen Gottes zu erkennen:

„Wenn ich den Willen des Vaters nicht kenne und nicht weiß, was er von mir in einer bestimmten Angelegenheit erwartet, wenn ich ihn um Weisheit für die Bedürfnisse meines Lebens bitte oder bezüglich meiner persönlichen Laufbahn, der meiner Freunde, Familie, Kinder oder derjenigen, über die ich präsidiere, und von ihm keine Antwort erhalte, dann aber nach bestem Urteilsvermögen handle, ist er verpflichtet, diese Angelegenheit anzuerkennen und zu akzeptieren. Das wird er praktisch immer tun.” (Brigham Young, Journal of Discourses, Bd. 3, S. 205.)

Vertrauen in die Liebe Gottes

In jedem Fall müssen wir, wenn wir uns dem Thron der Gnade mit unseren Bitten und unserer Dankbarkeit nähern, an die Liebe Gottes für seine Kinder denken. Betrachten Sie Ijob. Er hatte zehn Kinder und „an Ansehen übertraf dieser Mann alle Bewohner des Ostens.” (Ijob 1: 3) Vier Boten kamen eines Tages zu ihm. Jeder kam, als sein Vorgänger noch am Reden war. Was hatten sie mitzuteilen? Alles, was Ijob hatte – seine Schafe, seine Kamele, seine Ochsen und seine Esel – waren fort, seine Kinder tot. (Siehe Ijob 1: 13-19.) Vielleicht ist echte Empathie angesichts solcher Tragödien unmöglich.

Obwohl Ijob von Trauer verzehrt wurde (Hiob 1:20), sagte er:

„Nackt kam ich hervor aus dem Schoß meiner Mutter, nackt kehre ich dahin zurück. Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen; gelobt sei der Name des Herrn.” (Ijob 1:21)

Unseren Willen dem Willen Gottes unterordnen

Dann kam die Krankheit. Ijob war so entstellt, dass seine Freunde ihn nicht wiedererkannten. (Ijob 19: 13-15) Schwärende Wunden, in denen Würmer und Maden sich vermehrten, bedeckten seinen Körper. (Ijob 7: 5) Sein Atem roch so übel und seinem Körper entströmte solch ein Geruch, dass seine Freunde ihn verabscheuten. (Ijob 10:17) Er war mit Furunkeln übersät und lebte zusammen mit den Ausgestoßenen außerhalb der Stadtgrenzen. Sie verspotteten ihn. (Ijob 30: 1, 5, 8-13) Der Schmerz war sein ständiger Begleiter. (Ijob 30: 17, 30) Die Dinge wurden so schlecht, dass seine Frau schrie: „Hältst du immer noch fest an deiner Frömmigkeit? Segne Gott und stirb!” (Ijob 2: 9)

In einer der großartigsten Aussagen des Alten Testaments antwortet Ijob: „Nehmen wir das Gute an von Gott, sollen wir dann nicht auch das Böse annehmen?” (Ijob 2:10)

Wenn wir glauben, dass Gott weise genug ist zu wissen, wann er uns die Antwort „Ja” geben muss, dann müssen wir glauben, dass er weise genug ist zu wissen, wann er „Nein” sagen muss. Wir müssen ihm vertrauen, egal wie er mit uns umgeht. Ijob sagte zu seinen Freunden: „Er mag mich töten, ich harre auf ihn.” (Ijob 13:15) Oder, mit anderen Worten: „Wenn Gott mir nicht gegeben hat, was ich will, dann ist das, was er mir gegeben hat, besser.”

Ein einfaches Zeugnis von Nephi bietet Trost, wenn Gott weit weg, seine Absichten schwer zu erkennen und alle seine Antworten negativ zu sein scheinen. Nephi sagte: „Ich weiß, daß er seine Kinder liebt; aber die Bedeutung von allem weiß ich nicht.” (1 Nephi 11:17) Wir verstehen vielleicht nicht immer, was Gott tut oder warum er etwas tut, aber wir können ihm immer vertrauen. Er ist Liebe. (1. Johannes 4: 8)

Ein kleines blindes Mädchen zeigte dieses Vertrauen, als es seinen Vater zu seinem Freund begleitete. Während sie sprachen, setzte der Freund das kleine Mädchen auf seinen Schoß und hielt es fest. Einen Moment später kam dem Vater der Gedanke, dass sie in den Armen eines Fremden vielleicht ängstlich sein könnte. „Schatz”, sagte er, „weißt du, wer dich hält?”

„Nein”, antwortete sie, „aber du weißt es.”

In einer Zeit der Prüfung könnte eines Tages jemand zu uns sagen: „Weißt du, warum dir das passiert?” Und wir sollten antworten: „Nein, aber mein himmlischer Vater weiß es.”

Unsere Verantwortung besteht darin, zu lernen, die Antworten zu hören, die Gott uns gibt, und uns dann zu unterwerfen, in dem Bewusstsein, dass wir in den ewigen Armen seiner Liebe sicher sind.


Dieser Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 12. November 2017 auf ldsmag.com unter dem Titel „God Answers Every Prayer” veröffentlicht. Der Autor ist Ted Gibbons. Übersetzt von Janine Windhausen.

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