Vor vielen Jahren erreichte mich die wütende Nachricht eines jungen zurückgekehrten Missionars, Ehemannes, Vaters und Studenten einer Hochschule in einem anderen Bundesstaat. Darin bezichtigte er die Kirche der Lüge über ihre Geschichte und prangerte mich als einen Verteidiger solcher Lügen an.

Es folgte ein Schriftwechsel, in welchem ich ihn davon zu überzeugen suchte, dass er sich irrte. Er blieb jedoch feindselig und es war deutlich zu erkennen, dass er höchst beunruhigt war.

Dann endete unser Schriftwechsel abrupt.

Nach einer Weile befiel mich eine seltsame Unruhe darüber, auch wegen der vielen nicht beantworteten Briefe, in denen ich nachgefragt hatte, ob alles in Ordnung sei. Ich rief den Direktor der Hochschule an, an der er studiert hatte.

Meine schlimmsten Befürchtungen bestätigten sich. Der junge Mann hatte sich, wie man mir sagte, vor einem oder zwei Monaten mit einem Gewehr umgebracht, etwa um die Zeit, als unsere Korrespondenz endete.

Natürlich war ich entsetzt. Ich fragte mich, wie ich ihm, wenn überhaupt, hätte helfen können. Wieder und wieder ging ich unsere Korrespondenz durch, auf der Suche nach Hinweisen, die mir hätten auffallen  müssen.

Nun weiß ich nicht genau, was diesen jungen Mann zu der Entscheidung bewog, seinem Leben ein Ende zu setzen, noch dazu auf so entsetzliche Weise. Es gab – möglicherweise – viele Faktoren, die dazu beitrugen. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass der Verlust seines Glaubens und die bittere Entfremdung von der Kirche dazu beitrugen.

Sucht Gebet Entscheidungsfreiheit

Offensichtlich nehmen sich die wenigsten, die sich vom Mormonismus lossagen, das Leben. Einige gleiten schmerzlos hinaus. Ich verstehe sie. Mehr Geld, ein zusätzlicher Tag pro Woche und keine Versammlungen – die Verlockungen sind offensichtlich.

Andere jedoch durchlaufen – kurz oder für den ganzen Rest ihres Lebens – Zeiten bitterer Wut. Wichtige Beziehungen zu Nachbarn, Kindern, Eltern, Ehepartnern und Großfamilie brechen manchmal auseinander als Folge des, wie wir es nennen, „Abfalls vom Glauben“. Oft geraten sie in eine Depression. An die Stelle einer Welt mit ewiger Bedeutung und von Beziehungen von ewiger Tragweite kann ein Abgrund reiner Sinnlosigkeit treten, der schließlich in Vergessenheit mündet.

Diese Dinge sind wichtig.

Kürzlich erhielt ich eine Nachricht von einem Psychologen aus Georgia, der meines Erachtens ein Opfer seines Glaubensverlustes ist, worin er mich bat, Kirchenführer dazu zu bringen, mit dem „Lügen“ aufzuhören. Er behauptet – und ich habe keinen Grund, daran zu zweifeln – dass er sich mit den Konsequenzen dieser mutmaßlichen Lügen in seiner eigenen Praxis beschäftigt, wenn seine unzufriedenen Glaubensgenossen, Heilige der Letzten Tage, ihn um Hilfe bitten.

Ich bin kein professioneller Berater. Durch meine jahrzehntelange Erfahrung erkenne ich immer deutlicher die Hilfe, die solche Berater bieten können. Aber ich bin auch der Meinung, dass es ein noch bedeutenderes Heilmittel für die emotionalen und psychologischen Turbulenzen gibt, die durch Verbitterung und Glaubensverlust verursacht werden.

Dieses Heilmittel ist die Rückkehr zu Glauben und Vertrauen.

„Unnachgiebige Verzweiflung“

Ich wundere mich nicht über das Chaos, das der vollständige Verlust des Glaubens in empfindsamen Seelen hervorrufen kann.

Hören Sie, was der ausgesprochen atheistische Philosoph Bertrand Russell in seinem Essay A Free Man’s Worship („Was der freie Mensch verehrt”) von 1903 sagt:

Bertrand Russell Glaube

„Der Mensch ist das Produkt von Ursachen, die keine Voraussicht auf das Ziel hatten, an das sie am Ende gelangen würden; dass sein Ursprung, sein Heranwachsen, seine Hoffnungen und Befürchtungen, seine Vorlieben und seine Überzeugungen nur das Ergebnis willkürlicher Anordnungen von Atomen sind, dass kein Feuer, kein Heldenmut, keine Intensität eines Gedankens oder Gefühls ein einzelnes Leben über das Grab hinaus bewahren können; dass alle endlosen Bemühungen, alle Hingabe, alle Erleuchtung, die Mittagshelle des menschlichen Genius zur Auslöschung verurteilt sind im gewaltigen Sterben des Sonnensystems und dass der ganze Tempel menschlicher Errungenschaft unvermeidlich begraben werden muss unter dem Schutt eines Universums in Ruinen, all dies ist – wenn auch nicht unumstritten – so gewiss, dass keine Philosophie, die das bestreitet, auf Fortbestand hoffen kann. Nur innerhalb des Gerüstes dieser Wahrheiten, nur auf dem festen Fundament der unnachgiebigen Verzweiflung, kann die Behausung der Seele fortan sicher gebaut werden.“

Irgendwie sieht „unnachgiebige Verzweiflung“ nicht nach einer vielversprechenden Basis für ein glückliches Leben aus.

1942 veröffentlichte der französische Philosoph und Autor Albert Camus eine Sammlung von Essays mit dem Titel „Der Mythos des Sisyphos”, in denen er sich mit der Ansicht herumschlug, dass wir lediglich eine nutzlose Verbindung von Chemikalien seien, mit der, wie er es nannte, „Absurdität“ der menschlichen Situation“:

„Es gibt nur ein wirklich ernsthaftes philosophisches Problem“, schrieb er, „und das ist der Selbstmord. Zu beurteilen, ob das Leben es wert ist, gelebt zu werden oder nicht, kommt der Beantwortung der fundamentalen Frage der Philosophie gleich.“

Ein robuster Glaube oder der Verlust eines solchen macht einen Unterschied.

Gesundheit

Zum einen macht der Glaube die Menschen offensichtlich gesünder.

„Weder im Privatleben noch in meinen Schriften“, schrieb Sigmund Freud 1938 in einem Brief an Charles Singer, „habe ich je ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich ein durch und durch Ungläubiger bin.“ Und in der Tat schrieb er Marie Bonaparte: „Ich betrachte mich als einen der gefährlichsten Feinde der Religion.“

Offensichtlich war er geradezu besessen von Religion, mit der er sich in Büchern wie „Totem und Tabu“ (1913), „Die Zukunft einer Illusion“ (1927), „Das Unbehagen in der Kultur“ (1930) und „Der Mann Moses und die monotheistische Religion“ (1939)  wiederholt befasste, worin er die „Wunschvorstellungen“ der Religion mit „glückseliger halluzinatorischer Verwirrung“ vergleicht, religiöse Lehrsätze mit „neurotischen Relikten“ und die Religion selbst mit einer „universellen Zwangsneurose“ und einer „Kindheitsneurose“.

Dieser Gegenstand des religiösen Glaubens als psychologischer Defekt, als eine Geisteskrankheit, ist auch unter den modernen Atheisten immer noch weit verbreitet.  „Der Glaube“, erklärt Richard Dawkins in „Das egoistische Gen“ (1976) „qualifiziert sich in meinen Augen als eine Art von Geisteskrankheit.“ „Man kann sich kaum eine Reihe von Überzeugungen vorstellen, die stärker auf eine Geisteskrankheit hindeuten könnten“, bekräftigt Sam Harris 2004 in seinem Bestseller „Das Ende des Glaubens“, als jene, die den Kern vieler unserer religiöser Traditionen ausmachen.“

Sind religiöse Menschen definitionsgemäß also „krank“? Geistig krank? Ist Atheismus gesünder als Glaube?

Abraham betet zu Gott

Armand Nicholi, Professor für Psychiatrie an der Harvard Medical School und Herausgeber und Co-Autor des „Harvard Guide to Psychiatry“ unterrichtete jahrzehntelang einen Leistungskurs am Harvard-College und der Harvard Medical School, der Freud und den großen christlichen Autor C. S. Lewis zum Gegenstand hatte. Obwohl sich die beiden nie begegneten, stellt er sie in einen Dialog und Vergleich miteinander. (Das ist nicht so willkürlich, wie es aussieht, denn Lewis, der sein halbes Leben lang Atheist war, waren Freuds Werke sehr wohl bekannt.)

2002 veröffentlichte Nicholi The Question of God: C.S. Lewis and Sigmund Freud Debate God, Love, Sex and the Meaning of Life. Eine faszinierende Studie, die einen leicht davon überzeugen könnte, dass Lewis ein glücklicheres Leben führte als Freud.

Durch Veröffentlichungen wie Is Religion Good for Your Health: The Effects of Religion on Physical and Mental Health (1997), sein Handbook of Religion and Mental Health (1998) sowie seine Herausgeberschaft am Oxford Handbook of Religion and Health (2012) etablierte sich Harold Koenig, Psychiater an der Fakultät der Duke University, als führende Autorität auf diesem Gebiet. Er und seine Mitarbeiter behaupten, dass religiöse Betätigung  im Zusammenhang mit besserer Gesundheit in den Bereichen Depression, Drogenmissbrauch und Selbstmord stehe und möglicherweise auch mit besseren Ergebnissen bei der Behandlung stressbedingter Störungen und von Demenz.

Laut Tyler VanderWeele, Professor für Epidemiologie an der Harvard University, bestätigen darüber hinaus aktuelle Forschungsergebnisse, die er und seine Kollegen in anerkannten medizinischen Fachzeitschriften veröffentlichten, die Zusammenhänge, die vorige wissenschaftliche Untersuchungen ergeben hatten, zwischen der Teilnahme an Gottesdiensten und der Verbesserung der Gesundheit. Regelmäßige Teilnahme ist beispielsweise verbunden mit einer fünffachen Reduktion der Suizid-Wahrscheinlichkeit sowie einer 30-prozentigen Verringerung der Häufigkeit von Depressionen”, schreibt VanderWeele. (Quelle)

Doch die offensichtlichen Segnungen enden an dieser Stelle noch nicht. Die regelmäßige Teilnahme am gemeinsamen Gottesdienst scheint in Zusammenhang mit „größerer Wahrscheinlichkeit gesunder sozialer Beziehungen und stabiler Ehen“ zu stehen, einem besseren Sinn für das Leben, größerer Lebenszufriedenheit, einer Ausweitung des persönlichen sozialen Netzwerkes, höherer Spendenbereitschaft und Bereitschaft zu bürgerschaftlichem Dienst“, sagt VanderWeele.

Man könnte vielleicht zu dem Schluss kommen, diese Vorteile ergäben sich aufgrund der sozialen Unterstützung, welche die religiöse Teilhabe bietet. VanderWeele sagt jedoch, dass sich nur etwa 20-30 Prozent auf diese Unterstützung zurückführen ließen. Die Selbstdisziplin sowie die optimistische Weltanschauung, die der religiöse Glaube fördert, scheinen als  bedeutende Faktoren zu physischer Gesundheit und langem Leben beizutragen.

Natürlich beweist nichts von alldem, dass religiöse Behauptungen richtig sind. Aber es deutet stark darauf hin, dass Glaube keine Krankheit ist und dass zumindest in diesem Punkt Freud und seine Anhänger irren.

In einem Standardwerk der britischen Psychiatrie aus der Mitte des 20. Jahrhunderts heißt es jedoch, dass Religion für die „Unentschlossenen, von Schuld Geplagten, Überängstlichen“ sei, für jene, denen es an „klaren Überzeugungen mangelt, mit denen sie dem Leben begegnen könnten.“

Fast- und Zeugnisversammlung bei den Mormonen

In seinem Buch aus dem Jahr 2009 Is Faith Delusion? Why Religion is Good for Your Health, behauptet Dr. Andrew Sims, ehemaliger Präsident des United Kingdom’s Royal College of Psychiatrists und Psychiatrie-Professor an der University of Leeds, basierend auf eigenen Erfahrungen in seiner psychiatrischen Tätigkeit sowie auf einer großen Anzahl wissenschaftlicher Studien, dass „religiös gläubige Menschen einen besseren Orientierungssinn und ein stärkeres Gefühl der Unabhängigkeit von Kontrolle aufweisen, statt ängstlich und ohne klare Überzeugungen“ zu sein. Und in der Tat ist ein Hauptthema seines Buches, dass „religiöser Glaube mit besserer sowohl physischer als auch mentaler Gesundheit in Zusammenhang zu stehen scheint.“

„Die vorteilhafte Auswirkung von religiösem Glauben und Spiritualität auf mentale und physische Gesundheit ist eins der bestgehüteten Geheimnisse in der Psychiatrie und der Medizin allgemein.“ Er schreibt: „Hätten die umfangreichen Forschungen zu diesem Thema Erkenntnisse in gegenläufiger Richtung zutage gefördert, hätte sich herausgestellt, dass Religion die geistige Gesundheit zugrunde richtet, hätte man diese Nachricht auf der ersten Seite jeder Zeitung im Land gefunden!“

Ferner behauptet Sims, dass „Kirchen zu den seltenen Bestandteilen einer Gesellschaft“ gehörten, die „geistig Kranken rücksichts- und liebevolle, beständige und aufopfernde Unterstützung“ böten, was einer der Gründe dafür sei, dass „religiöse Mitwirkung bei der Behandlung einer ganzen Reihe sowohl geistiger als auch physischer Krankheiten zu besseren Ergebnissen“ führe.

In der Mehrheit wissenschaftlicher Studien, fasst Sims zusammen, stehe religiöse Mitwirkung mit erhöhtem Wohlbefinden, Glück, Lebenszufriedenheit, größerer Hoffnung und Optimismus, selbst angesichts ernstlicher Erkrankungen wie Brustkrebs, einem größeren Sinn für den Zweck des Daseins, höherem Selbstwertgefühl, besserer Trauerarbeit, mehr sozialer Unterstützung, weniger Einsamkeit, niedrigeren Depressionsraten und schnellerer Erholung von einer Depression, geringeren Selbstmordraten, weniger Angststörungen, besserem Umgang mit Stress, weniger Psychosen und weniger psychotischen Neigungen, weniger Alkohol- und Drogenmissbrauch, geringerer Straffälligkeit und Kriminalität, größerer ehelicher Stabilität und Zufriedenheit in Zusammenhang. Ein starker Glaube, die positiven Beziehungen und das positive Denken, die mit der Kirchenmitgliedschaft einhergehen, stärken das Immunsystem und „reduzieren so das Krebsrisiko, verbessern allgemein die Gesundheit und schützen das Herz-Kreislauf-System.“

„Wenn man die Gesamtwirkungen religiösen Glaubens und religiöser Aktivität auf ganze Völker betrachtet“, schreibt er, „finden sich handfeste Beweise dafür, dass Religion gesundheitlich in jeder Hinsicht vorteilhaft ist, vor allem für die geistige Gesundheit.“

Und in der Tat „gleicht die Wechselbeziehung zwischen religiösem Glauben und höherem Wohlbefinden bezeichnenderweise der Wechselbeziehung zwischen Wohlbefinden und anderen psychosozialen Variablen wie zum Beispiel sozialer Unterstützung“ oder übertrifft sie. „Und“, fügt er hinzu, „diese grundlegende Behauptung wird umfassend gestützt durch eine beträchtliche Anzahl von Beweisen.“

„Eine gut geführte Studie“, berichtet Sims, „untersuchte rund 3000 Frauen, die regelmäßig Gottesdienste besuchten, auf Gesundheitszustand, ihre soziale Unterstützung und ihre Gewohnheiten. 28 Jahre später wurde festgestellt, dass ihre Sterblichkeitsrate mehr als ein Drittel unter der der Allgemeinbevölkerung lag.“

„Ferner zeigte sich ein umgekehrtes Verhältnis zwischen religiösem Eingebundensein und Suizidverhalten in 57 von 68 Studien. Das heißt, dass ein Selbstmord bei Menschen mit religiöser Überzeugung weniger wahrscheinlich ist. Dieser Zusammenhang besteht auch bei Selbstmordversuchen: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Gläubiger eine Überdosis zu sich nimmt oder zu anderen Methoden der Selbstverletzung greift, ist weniger wahrscheinlich.“

Gesund leben orangen

Die bohrende Frage, die sich aufdrängt, lautet: Warum ist diese wichtige Information – das bestgehütete Geheimnis der Epidemiologie, wie er es nennt – nicht besser bekannt?”

Wenn es sich um etwas anderes als den religiösen Glauben oder Spiritualität handelte, was so segensreich für die Gesundheit wäre, würden es die Medien hinausposaunen und Regierungen und Gesundheitsorganisationen würden es schleunigst in die Praxis umsetzen.

Arthur Brooks, einer der interessantesten und streitbarsten Sozialanalytiker Amerikas und derzeitiger Präsident des American Enterprise Instituts, schreibt in seinem 2004 veröffentlichten Buch Who Really Cares, dass zahllose Studien gezeigt haben, dass Gläubige länger und gesünder leben. Wer nie einen Gottesdienst besucht, hat das höchste Risiko eines frühen Todes, während jene, die mehr als einmal pro Woche einen Gottesdienst besuchen, das geringste Risiko dafür aufweisen. Im Alter von 20 Jahren bedeutet dies einen Unterschied der durchschnittlichen Lebenserwartung von sieben Jahren. Religiöse Menschen erholen sich rascher von schweren Erkrankungen und Operationen. Ebenfalls bemerkenswert ist, dass HIV-Betroffene, die religiös wurden, vier Jahre nach Diagnosestellung ein deutlich geringeres Fortschreiten der Krankheit aufweisen als ihre ungläubigen Leidensgenossen.

Ferner neigen religiöse Menschen, wie viele Studien zeigen, dazu, viel glücklicher und zufriedener zu sein als nichtreligiöse. Sie können besser mit Krisen umgehen, erholen sich schneller von einer Scheidung und schmerzlichen Verlusten sowie von einer Entlassung. Ihre Ehen sind stabiler und erfüllter. Depressionen treten seltener auf, ebenso Alkohol- und Drogenabhängigkeit. Das Risiko für Selbstmord und straffälliges Verhalten sinkt.

Ältere, religiös gesinnte Menschen neigen seltener zu Depressionen, und wenn, so sind sie in geringerem Maße depressiv als ungläubige.

2008 veröffentlichte Brooks ein Buch mit dem Titel Gross National Happiness. Darin präsentiert er unter Bezugnahme auf bedeutende soziologische Literatur seine Ansicht darüber, was uns glücklich macht und was nicht.

Religiöse Menschen aller Glaubensrichtungen sind durchschnittlich deutlich glücklicher als Säkularisten. Dies gilt auch, wenn man Reichtum, Alter und Bildung in Betracht zieht. In einer Hauptstudie berichteten 23% Säkularisten, sie seien „sehr glücklich“ mit ihrem Leben, gegenüber 43% der religiös gesinnten Befragten. Die Wahrscheinlichkeit, optimistisch in die Zukunft zu blicken, ist bei Gläubigen um ein Drittel größer. Die Neigung, sich als Versager zu sehen, ist bei Ungläubigen fast doppelt so wahrscheinlich wie bei Gläubigen.

2004 sagten 36% derjenigen, die täglich beteten, sie seien „sehr glücklich“, wohingegen nur 21% derer, die nie beteten, das sagten.

Gebet für den Dienst am Nächsten

Auswertungen aus dem Jahr 1998 ergeben, dass es bei von der Existenz Gottes sehr überzeugten Menschen um ein Drittel wahrscheinlicher ist, sich als „sehr glücklich“ zu beschreiben, als bei solchen, die seine Existenz bestreiten. Interessanterweise waren Agnostiker düsterer als Atheisten: Nur 12% der Befragten gaben an, sehr glücklich zu sein. Bei Menschen, die behaupteten, jede Religion hätte nur wenig Wahrheit, war die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich als sehr glücklich einstuften, nur etwa halb so groß wie bei jenen, die glaubten, dass Religion bedeutende Wahrheit enthalte.

Etwa ein Drittel derer, die an ein Leben nach dem Tod glauben, sagen, sie seien „sehr glücklich“. Im Gegensatz dazu ist es bei drei Vierteln der anderen wahrscheinlicher, dass sie sich als nicht sehr glücklich betrachten.

Wenn man andere kulturelle Faktoren korrigiert und Äpfel mit Äpfeln vergleicht, kommen Menschen, die in religiösen Gemeinschaften leben, auch finanziell besser zurecht als diejenigen, die in relativ säkularen Gemeinschaften leben. Brooks zitiert einen Ökonomen, der die Auswirkungen auf das eigene Einkommen untersuchte, wenn andere in der Gemeinschaft religiös aktiv sind. Zum Beispiel hat er gemessen, wie die Kirchenbesuche von italienisch-amerikanischen Katholiken das Einkommen afroamerikanischer Protestanten in der gleichen Gegend beeinflussten. Seine Schlussfolgerung? Je mehr deine Nachbarn in die Kirche gehen, desto mehr wirst du gedeihen. Dies ist wahrscheinlich auf den kulturellen Nutzen zurückzuführen, der einer Gemeinschaft als Ganzes zukommt, wenn ein bedeutender Teil der Gemeinschaft den typischen religiösen Standards folgt: Es gibt zum Beispiel wahrscheinlich weniger Scheidungen und Drogenmissbrauch – beides verursacht wirtschaftliche Probleme. Und solcher Einfluss in einer Gemeinschaft zieht Gleichgesinnte in eine Nachbarschaft und verbessert sie so weiter.

Ein Befürworter von mehr Weltlichkeit könnte einräumen, religiöse Phantasien seien für dumme, ungebildete und/oder unvernünftige Menschen eine hilfreiche Krücke, wohingegen gebildetere und ehrlichere Ungläubige sich der Realität ohne solchen Komfort stellten.

Eine Studie aus dem Jahr 2004 ergab jedoch, dass ein Drittel der religiösen Erwachsenen eher ein Hochschuldiplom oder zumindest einen Hochschulabschluss erwarb als nichtreligiöse Erwachsene. Nimmt man zwei Personen, von denen eine einen Hochschulabschluss hat, die andere nicht, mit gleichem Verdienst, Alter, Geschlecht, gleicher Hautfarbe und identischen politischen Ansichten, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Hochschulabsolvent ein Kirchgänger ist, um 7% höher.

Säkularisierende Schreiber stellen sich gerne vor, um wie viel besser die Welt wäre ohne Religion. Sie sollten beten, dass ihr Wunsch nicht wahr wird.


Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 18.10.17  auf ldsmag.com unter dem Titel „What Difference Does Faith Really Make in the Life of a Believer?” veröffentlicht. Der Autor ist Daniel C. Peterson. Übersetzt von Romie Zieger.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.    

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