Angststörungen und andere psychische Krankheiten haben oft einen großen Einfluss auf alle Bereiche des täglichen Lebens. Viele Mitglieder mit diesen Problemen fühlen sich besonders schuldig, wenn die Symptome während einer eigentlich positiven und erbauenden Zeit auftreten, wie es die Kirchenversammlungen am Sonntag sein sollten.

Die Kirchenversammlungen sollen uns helfen mehr Frieden in unserem Leben zu spüren und uns näher zu Christus bringen. Der Erlöser versteht uns und möchte, dass wir unser Bestes geben, egal an welchen körperlichen, psychischen oder seelischen Herausforderungen wir leiden. Wir hoffen, dass ihr durch die folgenden Vorschläge die Kraft findet, trotz eurer Prüfungen den Sonntag zu einem Tag zu machen, an dem ihr erbaut werdet, und dass ihr dadurch mehr aus den Versammlungen herausholen könnt.

Komm vorbereitet

In Lehre und Bündnisse 38:30 heißt es: „aber wenn ihr bereit seid, werdet ihr euch nicht fürchten.” Dieses Prinzip können wir auch darauf übertragen, wie wir mit unserer Angst im religiösen Umfeld umgehen. Vorbereitung kann uns dabei helfen, die Symptome zu lindern und den Geist einzuladen, um aus der Erfahrung eine erbauende zu machen.

Nimm dir bereits vor dem Sonntag ein wenig Zeit, um im Kopf die Versammlungen Schritt für Schritt durchzugehen. Denke darüber nach, welche Situationen und Umstände panische Gefühle auslösen könnten. Schreib sie auf. Denke darüber nach, ob es jeweils Lösungen dafür gibt. Hier ein paar Ideen, um damit anzufangen:

Bereite dich auf den Unterricht vor, indem du dir bereits im Voraus Fragen überlegst. Dies kann dir dabei helfen, dich besser zu konzentrieren. Wenn es Ansprachen oder Themen gibt, die du problematisch findest, kann es dir dabei helfen Frieden zu fühlen.

Lernen uns Selbstbewusstsein

– Sich in einem überfüllten, warmen Raum aufzuhalten kann dazu führen, dass du dich körperlich unwohl fühlst, was zu psychischem Unbehagen führen kann. Wenn das Wetter oder das Gebäude warm oder feucht ist, trage mehrere Lagen Kleidung und bring dir eine Flasche Wasser mit.

– Überlege dir, welcher Sitzplatz für dich (und deine Familie) strategisch sinnvoll ist. Vielleicht hilft es, dort zu sitzen, wo mehr Platz ist (zum Beispiel in der ersten oder letzten Reihe). Probiere Verschiedenes aus und schaue, was für dich funktioniert.

– Sprich mit einem Kirchenführer deines Vertrauens – Bischof, Heimlehrer oder Besuchslehrerin, einem Mitglied der FHV-Leitung – darüber, was du brauchst.

– Manch einem, der unter Angstzuständen leidet, hilft es, etwas mit den Händen zu tun. Du könntest dir Notizen machen, häkeln oder stricken, ein Malbuch oder vielleicht einen Stressball mitbringen.

Der Boden der Tatsachen

Angstzustände können einen überwältigen. Was als einzelner Gedanke beginnt, kann zu einer regelrechten Panik und Paranoia werden.

Stören meine wilden Kinder die anderen? Sie denken bestimmt, dass wir schlechte Eltern sind. Niemand will neben mir sitzen. Ich möchte nicht, dass jemand neben mir sitzt. Mein Zeugnis ist nicht so gut wie das des Sprechers. Hier gehöre ich nicht hin.

Angststörungen in der Kirche

Versuche, dich auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen, um dich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Eine gute Art und Weise, wie man das tun kann, ist die einzelnen Erfahrungen reflektiert zu betrachten. Zähle fünf Dinge auf, die du hören kannst. Zähle fünf Dinge auf, die du siehst. Fünf Gefühle, die du hast. Sprich die Worte des Sprechers in deinem Kopf nach. Mache dir Notizen, wenn möglich. Indem du dich darauf konzentrierst, was gerade in einem Moment passiert, vertreibst du möglicherweise die negativen Gedanken.

Geh in den Gang hinaus

Es ist kein Problem, auch einfach aufzustehen und aus der Kapelle zu gehen, wenn du das Gefühl hast, dass alles zu viel ist. In den Gemeindehäusern ist es in vielen Räumen möglich, die Ansprachen der Sprecher zu übertragen. Diejenigen, die das Abendmahl austeilen, sollten immer schauen, ob jemand im Foyer sitzt. Wenn es dir lieber ist herumzulaufen, singe ein PV- oder Kirchenlied in deinem Kopf oder sage eine Schriftstelle auf, die du auswendig lernen möchtest. Kleinigkeiten wie diese laden trotzdem den Geist ein, auch wenn es dir unmöglich scheint, einem kompletten Unterricht oder einer Ansprache zu folgen.

Wenn du Kinder hast, die bei dir bleiben müssen (oder die vielleicht der Grund sind, weshalb du draußen sitzt), kannst du dir trotzdem eine Beschäftigung überlegen, wodurch ihr alle etwas von der Zeit in der Kirche habt. Werde kreativ und bitte den himmlischen Vater konkret darum dir zu helfen, etwas für diese Zeit zu finden, um trotzdem seelisch und geistig gestärkt zu werden.

Unglücklich in der Kirche - Schmerzhafte Erfahrungen

Stehe zu dir

Psychische Krankheiten werden oft stigmatisiert. In unserer Kultur tendieren wir dazu, eher so zu tun als ob alles perfekt wäre, anstatt uns auf Gnade zu verlassen. Du kannst dabei helfen ein Beispiel zu sein, indem du für deine eigenen Bedürfnisse und die Bedürfnisse deiner Familie einstehst. Riskiere nichts, wenn es keinen Grund dafür gibt, sei aber bereit dazu, über deine Krankheit zu sprechen, um Hilfe zu bitten und anderen verstehen zu helfen was du durchmachst. Es kann einen großen Unterschied machen, wenn du einfach nur sagst: „Durch meine Krankheit ist das gerade schwierig für mich.” Aller Wahrscheinlichkeit nach bist du nicht der einzige im Raum, dem es so geht. Indem du offen damit umgehst, kann es auch anderen leichter fallen, sich die Hilfe zu suchen, die sie brauchen.

Konzentriere dich auf den ganzen Sabbattag, nicht nur auf die Versammlungen

Erinnere dich immer daran, dass Christus jeden Schritt, den wir auf ihn zugehen, zu würdigen weiß. Er möchte, dass wir die Versammlungen genießen. Wenn wir ihn in den Mittelpunkt stellen, wird die ganze Erfahrung sicher besser. Sei mit dir selbst geduldig und tu dein Bestes, um Christus am Sabbat in den Mittelpunkt zu stellen. Und auch wenn der Kirchenbesuch und vor allem das Nehmen vom Abendmahl ein wesentlicher Bestandteil unseres spirituellen Lebens darstellen, finden wir größeren Frieden, wenn wir den ganzen Tag Christus widmen. Vielleicht ist es schwer in der Kirche. Unsere psychischen Krankheiten können dazu führen, dass die Versammlungen für uns zur Herausforderung werden. Aber wir haben den ganzen Tag, um uns damit zu beschäftigen Gott zu verehren. Beschäftige dich mit Dingen, die du vor und nach den Versammlungen tun kannst, die dir nicht schwerfallen. Dadurch wirst du die Macht des Sühnopfers in deinem Leben spüren können.

Wenn wir den Wunsch haben, Gott in unser Leben zu lassen, werden wir Hilfe aus dem Himmel bekommen – unabhängig davon, was am Sonntag geschieht. Was hat dir, der du an Angstzuständen oder anderen psychischen Krankheiten leidest, bisher am meisten geholfen, etwas aus den Kirchenversammlungen für dich zu machen?


Aleah Ingram

Aleah hat an der Southern-Virginia-Universität Englisch, Kreatives Schreiben und Tanz studiert. Sie arbeitet nun als Social-Media-Manager, Schriftstellerin und Editorin. Aleah war als Missionarin in Kalifornien. Sie ist süchtig nach Biomilch, Lang-Leav-Gedichten, Gaynor-Minden-Schuhen und Bollywood-Filmen.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 25.2.17  auf ldsdaily.com unter dem Titel „How to Enjoy Church If You Have Anxiety” veröffentlicht. Die Autorin ist Aleah Ingram. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.   

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