„Versuchen Sie, mich hereinzulegen?” fragte Steve „Dusty” Smith, als die Frau am Telefon ihm sagte, dass Präsident Dieter F. Uchtdorf, ehemaliger Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft, mit ihm sprechen wolle. Aber er war es wirklich. Dusty sprach mit einem Apostel. Und Präsident Uchtdorf wollte, dass Dusty ihm seine Geschichte erzählte – die Geschichte davon, wie er die Kirche kennengelernt hatte, sein Zeugnis verlor, aktiv gegen die Kirche kämpfte und sich dann entschloss, sich wieder der Kirche anzuschließen.

Bekanntschaft mit dem Evangelium

Dusty wurde religiös erzogen. Sein Vater war katholisch, die Großmutter Baptistin und die Mutter Lutheranerin. Er besuchte alle drei Glaubensgemeinschaften. Die unterschiedlichen Glaubensansichten verwirrten ihn jedoch eher als dass sie ihm halfen, Gott für sich zu finden. Alles veränderte sich 1980 mit dem Anruf eines Freundes, der ihm erzählte, dass ein 13-jähriges Mädchen, das die beiden kannten, einen Unfall gehabt hatte. Sie hatte eine Glastüre übersehen. Eine der Scherben führte zu ihrem Tod.

„Ich kann gar nicht beschreiben, wie wütend ich auf Gott war”, sagt Smith. „Ich glaubte zwar noch an ihn, aber ich war enttäuscht. Das ist etwas, was mich auch heute noch zum Weinen bringt.”

Für Dusty ergab es einfach keinen Sinn, dass ein so hübsches, schlaues Mädchen, das sein ganzes Leben noch vor sich hatte, starb, dass aber Mörder weiterlebten. Smith hörte auf zu beten, in den Schriften zu lesen und in die Kirche zu gehen. Trotzdem hörte er nicht auf zu glauben.

Gott hilft uns gerne, wenn wir uns demütigen und durch das Gebet das Gespräch mit ihm suchen.

Als Smith nach seinem Abschluss an der Universität von Texas seine Eltern besuchte, suchte er sich einen Zeitvertreib. Plötzlich fiel ein Buch von seinem Bücherregal, das seine Mutter bei einer Reise nach Salt Lake City geschenkt bekommen hatte, das er aber noch nie zuvor gesehen hatte: das Buch Mormon.

„Zufällig schlug ich den 3. Nephi auf uns las [vom Erscheinen Christi auf dem amerikanischen Kontinent] und dachte: ‚Da war er also?! Das ergibt Sinn”, sagt Smith.

Weil das Gelesene ihn beeindruckte, nahm er das Telefonbuch, suchte die Nummer der Kirche heraus und kam mit den Missionaren in Kontakt. Was sie sagten, beantwortete Fragen, die er bereits seit seiner Kindheit gehabt hatte.

Taufe und Glaubenskrise

Dusty wurde im April 1983 getauft. „Ich musste so Vieles aufgeben, um mich der Kirche anzuschließen… meine Freundin verließ mich … meine Familie verstieß mich.” Aber er war überzeugt, die richtige Entscheidung zu treffen.

Und obwohl Dusty bereits Mitte 20 war, entschloss er sich dazu, auf Mission zu gehen. „Als ich im MTC war, war meine Familie dagegen, dass ich dort war. Meine Verlobte wollte es auch nicht. Ich fühlte mich allein. Ich ging zu einem Münztelefon und rief die Hauptverwaltung der Kirche an… Ich sagte der Frau am Telefon, dass wenn es sowieso allen egal sei, dass ich ein Missionar sei, ich auch wieder heimgehen könnte. Sie bat mich, in der Leitung zu bleiben. Nach ein paar Minuten hörte ich eine Stimme: ,Elder, ich heiße L. Tom Perry. Wenn sich niemand um Sie kümmert, werde ich mich um Sie kümmern. Schreiben Sie mir.‛”

Elder Perry und Dusty schrieben sich die ganze Zeit während seiner Mission in Honduras. Während seiner Mission heiratete seine Verlobte einen anderen Mann und Dustys Eltern ließen sich scheiden. Nach seiner Mission sah es schon etwas besser für ihn aus. Er heiratete eine Frau, die er auf Mission kennen gelernt hatte, ging wieder zur Universität, um Jura zu studieren, und arbeitete Vollzeit.

„Während meines dritten Studienjahres besuchte ich das Hügel Cumorah Freilichttheater in Palmyra, New York. Ich begann, mit den Demonstranten gegen die Kirche zu diskutieren. Ich erinnere mich daran, wie ich mir vornahm, der schlauste Mormone aller Zeiten zu werden, um mit diesen Leuten zu diskutieren und ihnen zu zeigen, warum sie sich irrten. Aber je mehr ich mich mit den Themen befasste, desto mehr erfuhr ich von Dingen, über die ich bisher nichts gewusst hatte und an die ich nicht glaubte.” Smith verlor seinen Glauben nach und nach. Er fing an, auf seinen Glauben wütend zu sein, darauf, dass er seine Familie, seine Freundin und zwei Jahre seines Lebens geopfert hatte.

Der Kampf gegen die Kirche

Smith besuchte nicht nur nicht mehr die Versammlungen. Er ließ seinen Namen von der Mitgliederliste streichen und begann aktiv damit, die Kirche, die er einst so sehr geliebt hatte – und die ihn so sehr „getäuscht” hatte – zu bekämpfen. Seine Fähigkeiten als Anwalt halfen ihm dabei, sich online gegen die Kirche zu stellen. Er fing an, in anderen Kirchen Unterrichtsklassen zu geben, in denen es darum ging, darzustellen, weshalb die Kirche Jesu Christi falsch und betrügerisch sei.

Trotzdem hatte Dusty noch immer Kontakte zur Kirche Jesu Christi. In einem Diskussionsforum traf er einen Mormonen, Mike. Und mit der Zeit entwickelte sich eine Freundschaft zwischen den beiden. Mike war überzeugt, dass Dusty zur Kirche zurückkehren würde. „Seit 1999 trug Mike Woche für Woche meinen Namen auf der Gebetsliste im Tempel ein”, erinnert sich Smith.

2005 verflog der Hass, den Dusty auf die Kirche hatte, etwas, aber auch nachdem er die Versammlungen ein paarmal besucht hatte, hatte er das Gefühl, dass die Differenzen zwischen ihm und der Kirche zu groß seien.

Dusty Smith Familie Anti-Mormonen

Als Smith 2009 an Schweinegrippe erkrankt im Bett lag, brachte Smiths Sohn zwei Besucher in sein Zimmer: zwei Missionare der Kirche. Obwohl Smith den beiden sagte, dass sie nicht willkommen seien, boten sie ihm einen Krankensegen an. Smiths Arzt hatte sich geweigert, den Patienten zu besuchen – so groß war die Angst vor der Schweinegrippe. Die Liebe, die die beiden Missionare ihm zeigten, berührte ihn so, dass er zustimmte.

„Sie gaben mir den Segen und ich war sofort geheilt. Ich stieg aus dem Bett und brachte sie zur Tür.”

Ein Zeugnis

2014 war Dusty katholisch, lebte in Dallas, Texas, und hatte ein zweites Mal geheiratet. Dusty war glücklich. Doch das Leben sollte sich noch einmal verändern, nämlich als Dustys Frau Susan im Auswahlverfahren die Aussicht auf eine Führungsposition in Baltimore bekam. Smith war ein wenig enttäuscht darüber, dass seine Frau so weit weggehen sollte. Er rief seinen Freund Mike an und bat diesen, für ihn zu beten. Dusty scherzte, dass wenn Gott wirklich wollte, dass er wieder ein Mitglied der Kirche sein sollte, sie eine Stelle in Salt Lake bekommen würde. „Es gab keine offene Stelle in Salt Lake, daher konnte ich so eine Aussage treffen. Aber bereits am nächsten Tag ging in Salt Lake jemand in Rente und meine Frau bekommt ohne Auswahlverfahren eine Stelle in Salt Lake. Unglaublich.” Als ich Mike davon erzählte, sagte er mir, dass ich meine Aussage vielleicht nicht ernst genommen hätte, aber Gott schon.

„Ich ging auf die Knie und betete und fragte Gott: ,Du willst also, dass ich wieder Mormone werde? In Ordnung. Aber ich habe kein Zeugnis und es gibt da diese Themen, die mir Sorge bereiten.” In den darauffolgenden Tagen wachte Dusty Nacht für Nacht auf und bekam auf jede einzelne seiner Fragen Antwort.

„Etwas, das schwer für mich war, waren die fehlenden archäologischen Beweise für das Buch Mormon. Aber eines nachts sagte Gott zu mir: ,Du kannst zwar in den Straßen Jerusalems umhergehen, aber macht das die Bibel wahr?… Und wenn jemand morgen ein Straßenschild ausgräbt, auf dem Steht ,Herzlich willkommen in Zarahemla. 450 Einwohner’ – welchen Unterschied würde das für das Buch Mormon machen?’ Ich sagte: ,Dann wäre es wahr.’ Aber Gott sagte zu mir: ,Hättest du dann Glauben?’” Weitere Themen, die schwierig für Dusty waren, waren Joseph Smiths Schatzsuche, die Vielehe und andere problematische Themen der Kirchengeschichte. „Und Gott sagte zu mir: ,Gut, Herr Anwalt, wer wäre deiner Meinung nach ein guter Prophet? Du, der du nichts glauben kannst?… Ich habe nun einmal einen Jungen gewählt mit Fantasie… Jemanden, der glauben kann … Du kämpfst bereits seit 26 Jahren gegen mich.’”

Smith erkannte, dass der einzige, der ihm Antworten geben konnte, sein himmlischer Vater war. Schließlich bat Smith darum, wieder getauft zu werden.

Noch vor seiner Taufe hatte er das Gefühl, er solle nach Salt Lake City ziehen. Als er seine Frau darauf ansprach, überraschte diese ihn damit, dass auch sie ihm sagte, sie wolle nicht mehr nach Texas zurück. Das einzige Hindernis war das Haus, in dem die Smiths lebten, das schier unverkäuflich war. Susans Antwort darauf war nur: „Wenn Gott dich hier haben möchte, wird er es möglich machen.” Kurze Zeit später klopfte es an der Tür. Ein Fremder bot Smith an, das Haus über Wert zu kaufen.

Nach einer Einladung Präsident Uchtdorfs entschloss sich Dustys Frau Susan dazu, sich mit den Missionaren zu treffen. Am 23. September 2017 ließ sie sich taufen.

Inspiration durch Dustys Geschichte

Präsident Uchtdorf erzählte Dustys Geschichte in der Priestertumsversammlung der Generalkonferenz 2016. Am darauffolgenden Tag hörte Dusty zufällig, wie eine Familie lebhaft über die Ansprache diskutierte. Er hörte zu, als der Vater zu seinem Sohn sagte: „Du hast Präsident Uchtdorf gehört. Jeder kann zur Kirche zurück kommen, auch wenn es lange dauert.” Und der junge Mann antwortete: „Woher weißt du, dass er sich das nicht nur ausgedacht hat?” Dusty hielt an, stellte sich vor und sagte: „Er hat es sich nicht ausgedacht. Ich bin der Mann aus der Geschichte.”

Dusty Smith und seine Frau

Aber Dustys Geschichte hatte nicht nur Einfluss auf diesen jungen Mann. Am 1. April 2016 bekam er einen Anruf einer Missionarin, die behauptete, dass er über mormon.org Informationen über die Kirche angefordert hatte. Smith war zu diesem Zeitpunkt Hunderte Kilometer von seinem Laptop entfernt und sicher nicht eingeloggt, um über die Kirche zu sprechen.

Irritiert und nervös fragte die Missionarin ihn schließlich, ob Dusty die Kirche kenne, woraufhin dieser ihr seine Geschichte erzählte. „Sie fing an zu weinen und sagte, dass sie im MTC sei und ihre Mission abbrechen wollte, weil sie Probleme mit ihrem Zeugnis hatte. Sie entschloss sich, ihre Mission nun doch noch zu erfüllen.”

Ein weiteres Wunder für Dusty war eine Begegnung mit einem Texaner. Die beiden unterhielten sich und kamen auf die Kirche zu sprechen. Smith sagte zu dem Mann: „Ich bin ein Mitglied der Kirche. Wenn Sie bei Präsident Uchtdorfs Ansprache zugehört haben, haben Sie von mir gehört.” Der Mann erzählte Smith, dass er nahe daran gewesen war, die Kirche zu verlassen, dann Präsident Uchtdorfs Ansprache gehört und sich entschlossen hatte, besser nach dem Evangelium zu leben. Dusty und der Mann fanden schließlich heraus, dass das nicht ihre erste Begegnung war, sondern dass sie sich bereits 2009 kennengelernt hatten, als der junge Mann an Dustys Tür geklopft und ihn mit einem Segen geheilt hatte.

Wenn Menschen sich mit Dusty unterhalten, sagen sie ihm oft, dass sie sich wünschten, nur ein Wunder wie er zu erleben. Dusty sagt dazu: „Das tun sie vermutlich. Sie sehen sie nur nicht. Manchmal … lässt der Herr die Erde beben, manchmal heilt er die Kranken … manchmal flüstert er.”

Seit seiner Wiederbekehrung erzählt Smith seine Geschichte mit großer Begeisterung. „Ich möchte, dass die Leute wissen, dass Gott sie liebt und dass es für jeden Hoffnung gibt… Mike hat mich niemals aufgegeben. Von 1999 bis 2015 hat er meinen Namen jede Woche auf die Gebetsliste setzen lassen.”

Wenn wir Zweifel haben

„Präsident Uchtdorf”, so Dusty, „hat es am besten ausgedrückt: ,Zweifeln Sie daher bitte zuerst an Ihren Zweifeln, ehe Sie an Ihrem Glauben zweifeln!’”

„Wenn wir zu zweifeln beginnen, müssen wir uns auf die Grundlagen besinnen.”

„Ich habe seit meiner Taufe nicht mehr gezweifelt. Ich habe diese Zweifel nicht zugelassen. Wir wählen selbst, was wir fühlen, was wir tun, wie wir handeln und ob wir glauben … ich bin jeden Morgen dankbar dafür, dass ich am Leben bin, dass ich ein Mitglied der Kirche bin und bin dem Herrn gegenüber dankbar, dass er mich aus irgendeinem Grund so sehr gesegnet hat.”


Dusty Smith erzählt seine Geschichte leidenschaftlich gern. Sie können Dusty (auf Englisch) persönlich unter [email protected] kontaktieren.

Anmerkung: Die Ansprache von Elder Dieter F. Uchtdorf vom Oktober 2016, in der er die Geschichte erzählt, ist hier zu finden.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und gekürzt. Er wurde ursprünglich am 3.10.17  auf ldsliving.com unter dem Titel „How an Anti-Mormon Attorney Became a Member of the Church He Hated” veröffentlicht. Die Autorin ist Danielle B. Wagner. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

German ©2018 LDS Living, A Division of Deseret Book Company | English ©2018 LDS Living, A Division of Deseret Book Company

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