Mormonen trinken keinen Alkohol, rauchen weder Zigaretten noch Pot und halten sich auch von schwarzem Tee und Kaffee fern – und das schon seit dem Jahr 1833. Dabei erschien die Spiegel-Ausgabe zum Thema „Sind Zigaretten gefährlich?“ erst im April 1964, gut 131 Jahre später.

Wer schon einmal eine hübsche Mormonin geküsst hat, weiß, dass er damit in der Regel den Jackpot geknackt hat, denn Mormonen enthalten sich vorehelicher sexueller Aktivitäten. Diese Feststellung hat sicherlich schon dem ein oder anderen das WE versiebt. Möge er sich damit trösten, dass er das Wochenende der Eltern seines Schwarms für immer gerettet hat.

Auf die Frage, ob ein Mormone am Sonntag mit ins Stadion kommt, antwortet er wahrscheinlich mit „Nein“. Auch wenn er am darauffolgenden Montag mit drei Vereinsschals, Vereinstrikot, Vereinssocken und Vereinsarmbanduhr in die Uni oder zur Schule kommt – ins Gemeinschaftsbüro vielleicht nur mit Vereinswappen auf der linken Hemdbrusttasche oder Auswärtssiegkrawatte.

Fussball-verrückte Mormonen? Gibt's auch.

Am Donnerstagabend dann, auf dem Ascheplatz hinter dem Aldi-Markt, wenn er den Ball in den dunklen Industriestadthimmel jagt, statt unter die Querlatte, bewirkt der wutentbrannte „Scheibenkleister!“-Ruf eine unerwartete Ohrensymphonie. Bei einem der jährlichen mormonischen Pfahl-Sportturniere kann man sich dann von der Vielzahl an verfügbaren anderen Ersatzvokabeln beeindrucken lassen. Mormonen bemühen sich darum „das Übel derselben Zunge, mit der sie ihren Herrn und Gott preisen“ in Grenzen zu halten (frei nach Jakobus 3).

Wenn man schon einmal bei Mormonen zum Essen eingeladen war, dann ist die nachfolgende Szene vielleicht noch in Erinnerung: Der Tisch ist gedeckt, es dampft herrlich über den gefüllten Tellern und man langt ordentlich zu und erfreut sich an den gestopften Backen, als plötzlich die versammelte Mannschaft peinlich berührt im Kollektiv die Nase rümpft und der Herr des Hauses zum Gebet bittet. Gesegnete Speisen schmecken besonders unvergesslich.

Wer mit Mormonen der höheren Semester näher vertraut ist, weiß, dass es im Alter bei ihnen erst richtig losgeht. Wenn anderswo, nach Jahrzehnten ehrenhaften Beitrags zum Bruttosozialprodukt, die Füße hochgelegt werden und die Post ein örtliches Seniorenheim mit der Adressumleitung beglückt, lässt sich die Altenriege der Kirche Jesu Christi für viele Monate zum Freiwilligendienst verpflichten – meistens, ohne vorher zu wissen, ob sie sich gerade als 75-Jährige auf Vanuatu im Südpazifik für die Kokosnussernte einschreiben. Natürlich auf eigene Kosten. An dieser Stelle ist vielleicht eine Schweigeminute für diejenigen angebracht, die trotz Gicht und Gehstock bis zu ihrem letzten Atemzug eine weltweite 50-Milliarden-Organisation mit 16 Mio. Mitgliedern verwalten; und egal, ob sie 69 oder 96 Jahre alt sind, wird ihr subjektiver Erfolg meistens darin gemessen, ob sie vor einem Millionenpublikum lustige, aber zugleich tiefgründige Ansprachen geben können.

Als Beispiel sei hier Präsident Gordon B. Hinckley genannt, der seinen Gehstock für alles Mögliche nutzte, außer für seinen angestammten Zweck. Zwischen seinem 84. und 98. Lebensjahr reiste Präsident Hinckley über 2 Millionen Kilometer und gab über 2000 Ansprachen. Zum Vergleich: Wenn meine Urgroßmutter während ihren letzten Lebensjahren 130 Mal von Hamburg nach Shanghai und zurück geflogen wäre, käme sie auf diesen unglaublichen Wert. 2000 Ansprachen entsprechen 42 24-Stunden Tage Redezeit.

Als Beispiel sei hier Präsident Gordon B. Hinckley genannt, der seinen Gehstock für alles Mögliche nutzte, außer für seinen angestammten Zweck. Zwischen seinem 84. und 98. Lebensjahr reiste Präsident Hinckley über 2 Millionen Kilometer quer über den Globus und gab über 2000 Ansprachen. Zum Vergleich: Wenn meine Urgroßmutter in ihren letzten Lebensjahren 250 Mal von Hamburg nach Shanghai geflogen wäre, käme sie auf diesen unglaublichen Wert. 2000 Ansprachen entsprächen in etwa 42 Tagen Redezeit (24 Stunden pro Tag).

Doch auch die Generation in den Kinderschuhen wird sich früh ihrer Ausnahmestellung bewusst. Ich kann mich erinnern, dass meine 6-jährige Schwester in der Grundschule vor der ganzen Klasse von ihrem Schuldirektor gefragt wurde, wie viele Frauen ihr Papa denn habe. Sie wusste nichts mit der Frage anzufangen. Aber das Ereignis dient als weitere Anekdote, um zu verdeutlichen, dass die Alltagserlebnisse von Mormonen und derer, die welche kennen, nicht selten von der Norm abweichen.

Und doch stehen die Mormonen zu ihrer Religion. Sie sind daran gewöhnt „Nein zu sagen“, alleine zu stehen, gegen den Strom zu schwimmen oder, wie sie es sagen: „aufzustehen, wenn der Film schlecht ist“. Welches Synonym man auch immer benutzen will, es erfordert Rückgrat durchzuziehen, was 16 Millionen Mormonen weltweit veranstalten. Immer in der Ein-Mann-Mauer zu stehen und sich beschießen zu lassen, macht nicht prinzipiell Spaß – und doch erfolgt eine gewisse Genugtuung daraus, einem strengen Regelwerk folgen zu können, von dem man überzeugt ist, dass es nützlich ist. Die Disziplin, die man aufbringen muss, während man versucht, sich zu einem besseren Menschen zu entwickeln und den Versuchungen der Welt zu widerstehen, resultiert in einem höheren persönlichen Selbstwertgefühl.

Außerdem schmeckt der alkoholfreie Ipanema ziemlich gut und man kann sich am nächsten Tag immerhin noch daran erinnern, dass man nicht derjenige war, der gestern Abend bei der Abschlussfeier in Unterwäsche auf dem Tisch getanzt hat.

Immerhin, das monatliche Fasten, die Alkohol- und Tabakabstinenz, die Lehre vom Lieben und Vergeben usw. sorgen dafür, dass die Mormonen nach einer 25-jährigen Studie der Umweltmediziner Dr. James Enstrom und Dr. Lester Breslow im Durchschnitt 10 Jahre länger leben als Nicht-Mormonen (University of California in Los Angeles, 1980-2004).

Ein langes Leben für Mormonen. Warum die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage länger leben.

Zwar erscheinen viele der Lehren und Regeln der Mormonen den meisten Außenstehenden als eher seltsam und fremdartig, von mangelnden positiven Langzeitwirkungen kann jedoch nicht die Rede sein.  Wenn es im Supermarkt „10 Jahre Extra“ in Dosen geben würde, wäre aber was los!

Nun wird man wenige finden, die sich als Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage haben taufen lassen, nur um nach der Mormonen-Diät zu leben. Das reichhaltige Regelwerk der Kirche dient zu dem Zweck, die Kinder Gottes zu erhöhen und ihnen zu helfen Fortschritt zu machen, um einst einmal so zu werden wie Gott selbst. Darin besteht die Freude Gottes: den Fortschritt seiner Kinder zu beobachten. Familien besitzen dabei einen besonders hohen Stellenwert. Starke Familien geben dem Einzelnen die Unterstützung, die er oder sie braucht, um die Herausforderungen des Lebens erfolgreich zu bewältigen. Daher sind seit jeher viele der Gebote Gottes darauf ausgelegt, die Familie zu schützen.

Dass die Befolgung des Rates „Du sollst deinen Nächsten nicht um sein Weib oder seinen Esel beneiden“ zu einem längeren und zufriedeneren Leben gereichen sollte, konnte im Jahr 2000 v. Chr. ebenso wenig wissenschaftlich bewiesen werden, wie das Gebot, das aus dem Jahr 1833 stammt: „Tabak ist nicht für den Körper […] und nicht gut für den Menschen“. Doch ist es der Liebe Gottes zuzuschreiben, dass er seinen Kindern Gebote gibt, die sie glücklich machen, auch wenn sie sie manchmal (noch) nicht verstehen.

 


Dieser Artikel wurde von Jan Cziesla verfasst. Der Inhalt entspricht nicht notwendigerweise den offiziellen Standpunkten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) lernen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

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