Die Heilige Schrift, die Bibel, ist natürlich wichtig. Und sie ist natürlich das Wort Gottes. Tatsache ist aber auch, dass es bei der Interpretation einiger Lehren großen Spielraum gibt. Manche Menschen nehmen alles Geschriebene sehr wörtlich, andere tun genau das Gegenteil. Das ist einer der Gründe dafür, weshalb es so viele christliche Kirchen – so viele christliche Abspaltungen, also Sekten – gibt; das kommt davon, wenn man die Schriften unterschiedlich auslegt.

In diesem Beitrag möchte ich auf vier Lehren eingehen, die in der Bibel nicht eindeutig sind.

1. Was ist die Dreifaltigkeit?

Gibt es einen Gott oder drei? Ist Gott, der Vater, jemand anderes als Jesus Christus und der Heilige Geist, oder sind es sozusagen nur unterschiedliche „Zustände” desselben Wesens? Sind sie das gleiche Wesen in drei Ausführungen? Oder handelt es sich einfach um drei verschiedene Wesen?

Die Aussagen der Bibel zu diesem Thema sind nicht ganz eindeutig. Die frühchristlichen Kirchenoberhäupter trafen sich mehrere Male, um den offiziellen Standpunkt des Christentums zu besprechen, aber das Ergebnis dieser Konzile zeigt, wie unübersichtlich das Thema war. Elder Holland hat zusammenfassend folgendes über diese Glaubensbekenntnisse gesagt: „Diese Glaubensbekenntnisse, die weiterentwickelt und immer wieder revidiert wurden – sowie weitere, die über die Jahrhunderte folgten –, erklären, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist seien abstrakt, absolut, transzendent, allgegenwärtig, eines Wesens, gleich ewig und unerkennbar, ohne Leib, Glieder und Regungen, jenseits von Raum und Zeit weilend. In solchen Glaubensbekenntnissen sind alle drei Mitglieder der Gottheit getrennte Personen, aber sie sind ein einziges Wesen, das oft zitierte „Mysterium der Dreieinigkeit“. Sie sind drei getrennte Personen, aber keine drei Götter, sondern ein Gott. Alle drei Personen sind unbegreiflich, und doch ist es ein Gott, der unbegreiflich ist.”

Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der Heilige Geist

Es ist verwirrend, verständlicherweise. Was schließlich hat es zu bedeuten, wenn Christus zum Vater betet aber dann sagt: „Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke!” (Johannes 14:11) Und dann gibt es da noch Stephanus, über den im Neuen Testament berichtet wird. Dort heißt es: „Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.” (Apostelgeschichte 7:55,56)

Sind sie also ein Wesen? Ich komme später darauf zurück.

2. Die Art der Taufe

Laut Bibel ist die Taufe eindeutig ein Gebot (Johannes 3:5). Nicht eindeutig für die Christen auf der ganzen Welt ist jedoch, wie diese Taufe genau durchgeführt werden muss und wann sie gültig ist. Im Wesentlichen heißt es in der Bibel, dass Christus speziell nach Johannes gesucht hatte, um sich taufen zu lassen: „Zu dieser Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen…. Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit (die Gott fordert) ganz erfüllen… Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.” (Matthäus 3:13-17)

Habt ihr den Zusammenhang zum Thema Gottheit erkannt? Manche christlichen Sekten sehen Christi Vorbild als Hinweis darauf, dass für eine gültige Taufe vollständiges Untertauchen unter Wasser notwendig ist. Für andere Sekten, wie auch für die katholische Kirche, ist das Untertauchen nicht notwendig.

Und wie sieht es mit der Vollmacht aus, taufen zu dürfen? Kann das jeder? Musste Christus dafür zu Johannes dem Täufer gehen? In der Bibel wird das nicht erklärt. Aber es gibt eine Antwort.

3. Wohin gehen wir, gleich nachdem wir gestorben sind?

Die meisten Sekten nehmen an, dass wir nach unserem Tod entweder in den Himmel oder in die Hölle kommen. Während Christus am Kreuz litt, sagte er zu dem Verbrecher neben ihm: „Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.” (Lukas 23: 43)

Toll, das bedeutet im Himmel, oder? Sie kehren zu Gott Vater zurück. Aber Moment mal. Als der auferstandene Christus drei Tage später mit Maria von Magdala spricht, sagt er: „Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.” (Johannes 20:17)

Jesus Ostern Maria Magdalena

Am Tag seines Todes ging Christus also an einen Ort, der sich Paradies nennt. Dieses Paradies war aber nicht der Ort, an dem Gott Vater ist. Wohin gehen wir also unmittelbar nach unserem Tod, wenn es weder Himmel noch Hölle ist? Viel mehr lernen wir aus der Bibel darüber nicht.

Aber auch darauf gibt es eine Antwort.

4. Gibt es neben der Bibel noch weitere Heilige Schrift?

Allem Anschein nach hat die Bibel darauf eine konkrete Antwort. In Offenbarung 22, in den Versen 18 und 19, heißt es: „Ich bezeuge jedem, der die prophetischen Worte dieses Buches hört: Wer etwas hinzufügt, dem wird Gott die Plagen zufügen, von denen in diesem Buch geschrieben steht. Und wer etwas wegnimmt von den prophetischen Worten dieses Buches, dem wird Gott seinen Anteil am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt wegnehmen, von denen in diesem Buch geschrieben steht.”

Ziemlich eindeutig, oder? Beschäftigt man sich aber ausführlicher mit dieser Schriftstelle, stößt man auf Komplikationen. Gleich mehr dazu.

Warum mich die Widersprüche und das Durcheinander nicht stören

Als Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage haben wir zum Glück auch noch das Buch Mormon. In dieser Heiligen Schrift, die der Bibel ähnelt, finden wir weitere Details, die die Lehren der Bibel bestätigen und Klarheit schaffen.  

Wie hilft uns das Buch Mormon bei den bereits genannten Themen? Hier mehr dazu. Fangen wir hinten an.

Antwort: Gibt es neben der Bibel weitere Heilige Schrift?

Offenbarung 22 spricht deutlich gegen das Buch Mormon, oder? Nun, beschäftigen wir uns ausführlicher mit der Bibel, stellen wir fest, dass die Bibel selbst nicht chronologisch aufgebaut ist. Das Buch Offenbarung beispielsweise stammt aus den 90er Jahren nach Christus. Chronologisch gibt es noch 12 Bücher, die später als das Buch Offenbarung geschrieben wurden. 2. Petrus ist dabei das letzte und stammt von etwa 150 n. Chr. Die Worte in Offenbarung scheinen sich also auf das Buch selbst und nicht auf die ganze Bibel zu beziehen. Ansonsten könnte man einen Großteil der Bibel als Irrlehre abtun.

Zusätzlich dazu erfahren wir aus dem Buch Mormon: „Wißt ihr nicht, daß es mehr Nationen als eine gibt? Wißt ihr nicht, daß ich, der Herr, euer Gott, alle Menschen erschaffen habe und daß ich derer gedenke, die auf den Inseln des Meeres sind, und daß ich in den Himmeln oben und auf der Erde unten herrsche; und ich bringe mein Wort für die Menschenkinder hervor, ja, selbst für alle Nationen der Erde? Warum murrt ihr, weil ihr noch mehr von meinem Wort empfangen sollt? Wißt ihr nicht, daß das Zeugnis zweier Nationen für euch ein Beweis ist, daß ich Gott bin, daß ich der einen Nation ebenso gedenke wie der anderen? Darum rede ich zu der einen Nation dieselben Worte wie zu der anderen. Und wenn die zwei Nationen zusammenkommen werden, wird auch das Zeugnis der zwei Nationen zusammenkommen. Und ich tue das, um vielen zu beweisen, daß ich derselbe bin gestern, heute und immerdar und daß ich meine Worte ausspreche, wie es mir selbst gefällt. Und weil ich ein Wort gesprochen habe, braucht ihr nicht zu meinen, daß ich nicht noch ein anderes sprechen könne; denn mein Werk ist noch nicht beendet und wird es auch nicht sein bis zum Ende des Menschen, auch nicht von der Zeit an und für immer. Darum, weil ihr eine Bibel habt, braucht ihr nicht zu meinen, sie enthalte alle meine Worte; ihr braucht auch nicht zu meinen, ich hätte nicht noch mehr schreiben lassen.” (2. Nephi 29:7-10)

Antwort: Wohin gehen wir zuerst nach unserem Tod?

Im Buch Mormon finden wir wunderbar ausgeführt, wo Jesus Christus die drei Tage vor seiner Auferstehung verbrachte: „… Der Geist derjenigen, die rechtschaffen sind, wird in einen Zustand des Glücklichseins aufgenommen, den man Paradies nennt, einen Zustand der Ruhe, einen Zustand des Friedens, wo er von all seinen Beunruhigungen und von allem Kummer und aller Sorge ausruhen wird.

… Der Geist der Schlechten, ja, derer, die böse sind—denn siehe, sie haben kein Teil und kein Maß des Geistes des Herrn; denn siehe, sie haben sich lieber böse Werke als gute erwählt; …der wird in die äußere Finsternis hinausgestoßen…

… und so verbleiben sie in diesem Zustand, wie auch die Rechtschaffenen im Paradies, bis zur Zeit ihrer Auferstehung.” (Alma 40:12-14)

Nach unserem Tod lebt unser Geist, wie der von Christus, in dieser „Geisterwelt” – sozusagen einem Wartezimmer für die Geister vor der Auferstehung und dem letzten Gericht (wobei dort niemand herumsitzt und die Geist-Däumchen dreht)

Antwort: Die korrekte Art zu taufen

Der Höhepunkt des Buches Mormon ist das Erscheinen Jesu Christi nach seiner Auferstehung. Jesus spricht selbst über die korrekte Art und Weise der Taufe: „Und es begab sich: Er sprach zu Nephi … und er gebot ihm hervorzutreten … Und der Herr sprach zu ihm: Ich gebe dir Macht, daß du dieses Volk taufst, wenn ich abermals in den Himmel aufgefahren bin. Und weiter rief der Herr andere und sprach gleichermaßen zu ihnen; und er gab ihnen Macht, zu taufen. Und er sprach zu ihnen: Auf diese Weise sollt ihr taufen, und es soll keine Auseinandersetzungen unter euch geben. Wahrlich, ich sage euch, wer auf eure Worte hin von seinen Sünden umkehrt und in meinem Namen getauft zu werden wünscht, den sollt ihr auf diese Weise taufen—siehe, ihr sollt in das Wasser hinabsteigen und darin stehen, und in meinem Namen sollt ihr ihn taufen. Und nun siehe, dies sind die Worte, die ihr sprechen sollt, indem ihr ihn beim Namen nennt, nämlich: Mit der Vollmacht, die mir von Jesus Christus gegeben ist, taufe ich dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Und dann sollt ihr ihn im Wasser untertauchen und wieder aus dem Wasser hervorkommen. Und auf diese Weise sollt ihr in meinem Namen taufen …” (3. Nephi 11: 18-27)

Antwort: Dreifaltigkeit?

Während seines Besuches erläuterte Jesus auch die Beziehung, in der er zum Vater steht und wie auch unsere Beziehung zu Gott aussehen sollte: „Vater, du hast ihnen den Heiligen Geist gegeben, weil sie an mich glauben; und du siehst, daß sie an mich glauben, weil du sie hörst und sie zu mir beten; und sie beten zu mir, weil ich bei ihnen bin.  Und nun, Vater, bete ich zu dir für sie und auch für all jene, die an ihre Worte glauben werden, damit sie an mich glauben, damit ich in ihnen sei, wie du, Vater, in mir bist, damit wir eins seien….Vater, ich bete nicht für die Welt, sondern für jene, die du mir aus der Welt gegeben hast, wegen ihres Glaubens, damit sie in mir rein gemacht werden, damit ich in ihnen sei, wie du, Vater, in mir bist, damit wir eins seien, damit ich in ihnen verherrlicht werde.” (3. Nephi 19: 22,23,29)

Das Buch Mormon hilft uns dabei zu verstehen, dass Gott Vater, sein Sohn Jesus Christus und der Heilige Geist tatsächlich drei verschiedene Wesen sind, die aber den gleichen Zweck verfolgen.

Die Bibel ist wichtig

Die Bibel ist großartig. Ihre Autoren waren inspiriert und gaben ohne Zweifel ihr Bestes. Wir, die wir heute das Geschriebene versuchen zu verstehen, geben auch unser Bestes, auch wenn wir oft unterschiedlicher Meinung sind. Ich bin dankbar dafür, dass wir unterschiedlicher Meinung sein können und uns trotzdem gut verstehen.

Wenn ihr es noch nicht kennt, solltet ihr euch unbedingt einmal mit dem Buch Mormon auseinandersetzen, um für euch selbst zu entdecken, wie es dabei hilft, die Bibel zu verstehen. Das Buch Mormon findet ihr online, oder ihr könnt euch ein kostenloses Exemplar bestellen.


David Snell

David Snell ist stolz darauf, Mitglied der Kirche Jesu Christi zu sein. Er hat einen Abschluss von der BYU, ist Gründer von „The Sunday Pews” und hat unter anderem Erfahrungen als Autor für Mormon Newsroom Pacific, KBYU11, Classical 89 Radio und FamilyShare.com gesammelt. Er nimmt sich selbst nicht zu ernst und möchte den Tag für uns ein bisschen schöner machen.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 17.12.17 auf mormonhub.com unter dem Titel „4 Doctrines the Bible Doesn’t Explain Very Well, and Why That’s Totally OK” veröffentlicht. Der Autor ist David Snell. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.