Kennen Sie das? Sie versuchen mit „aller Gewalt” ein Problem mit einem Kind zu lösen, aber je mehr Sie es versuchen, desto mehr eskaliert die Situation. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass wenn wir einem unserer Kinder immer und immer wieder sagen, dass es sich beeilen und fertig werden soll, es nur noch mehr trödelt? Dass, je mehr wir darauf bestehen, dass ein Kind etwas Bestimmtes isst, es sich nur noch mehr gegen dieses Essen sträubt? In beiden Fällen ist es oft so, dass wir als Eltern dann noch mehr meckern und das Gewünschte mit mehr Nachdruck fordern. Aber je mehr wir meckern und fordern, desto mehr wächst der Widerstand des Kindes. Und die Wahrscheinlichkeit, dass die Situation eskaliert, wächst ebenfalls.

Aber es gibt gute Neuigkeiten. Erziehungsprobleme lassen sich auf bessere Art und Weise angehen! Wenn Sie das Gefühl kennen, dass sich eine Situation mehr und mehr verhärtet, haben wir folgende Vorschläge für Sie:

1 Die eigenen Gefühle kontrollieren

Wenn wir uns ärgern oder wütend sind, ist es schwierig, klar zu sehen. Wut – und die damit oft einhergehende Frustration – schränkt unsere Denkfähigkeit und unser Mitgefühl ein.

Wenn Sie also vor einer erzieherischen Herausforderung stehen, wenn Sie sich wütend, betrogen, ungeduldig, angewidert, am Boden zerstört oder ähnlich fühlen, müssen Sie damit beginnen, diese Gefühle zu kontrollieren. In Ihrem eigenen Gefühlswirrwarr kann es schwer sein, Ihr Kind richtig zu sehen.

Vor Jahren habe ich die Notwendigkeit erkannt, niemanden zurechtzuweisen, solange ich für ihn keine liebevollen Gefühle aufbringen kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir normalerweise positive Gefühle für diese Person haben, es geht um unser Gefühl in der gegebenen Situation. Wenn ich in einer bestimmten Situation gerade keine Liebe für das Kind empfinden kann, muss ich erst einmal Abstand nehmen.

Dann ist es oft hilfreich, einen Ort aufzusuchen, an dem Sie sich entspannen und erst einmal tief durchatmen können. Vielleicht versuchen Sie zu beten oder mit jemandem zu sprechen, der das Kind mag. Wenn Sie wieder mehr Frieden spüren, können Sie weitermachen.

Die Ehe geht vor

2 Kontrollieren Sie, wie Sie Ihr Kind sehen

Wenn Sie denken, dass das Kind einfach nur problematisch ist, werden Sie keine gute Lösung finden. Wenn Sie aber anerkennen, dass das Kind nach dessen Maß sein Bestes gibt, wird es Ihnen leichter fallen, eine gute Lösung für eine Situation zu finden.

In schwierigen Situationen ist es hilfreich, sich daran zu erinnern, dass jedes Kind besonders ist und ein himmlisches Geschöpf. Wenn wir uns die besten Eigenschaften eines Kindes in Erinnerung rufen, wird es uns leichter fallen, aus einer Herausforderung etwas Positives zu machen.

Sehen Sie die besten Eigenschaften Ihres Kindes klar und deutlich? Was gefällt Ihnen an Ihrem Kind? Was lässt Ihr Kind strahlen?

Ehe wir ein Kind an- oder zurechtweisen können, müssen wir es schätzen lernen. Empfinden Sie Liebe für das Kind? Schätzen Sie es? Wenn Sie diese Fragen mit „Ja” beantworten können, können Sie mit dem nächsten Punkt weitermachen.

3 Versuchen Sie, sich in die Lage des Kindes zu versetzen

Menschen handeln so, wie es für sie in einer gegebenen Situation Sinn ergibt. Wenn das Vorgehen eines Kindes für uns keinen Sinn ergibt, liegt das vermutlich daran, dass wir die Bedürfnisse und Wünsche des Kindes nicht vollständig verstehen.

Selbst in irritierendem Verhalten findet sich eine gewisse Logik. Vielleicht ist das Kind müde oder es fühlt sich nicht wohl. Vielleicht weiß es nicht, wie es anders reagieren soll, oder  es fürchtet sich oder fühlt sich einsam. Vielleicht steht das Kind unter Stress oder möchte Aufmerksamkeit.

Es kommt oft vor, dass wir das Verhalten eines Kindes falsch interpretieren, weil etwas in unserem eigenen Leben uns ablenkt. Wir haben zu viel zu tun, sind selbst unglücklich, frustriert oder müde. Solche Gefühle können dazu führen, dass wir die Motive des Kindes falsch einschätzen.

Wenn wir unseren eigenen Ärger hinten anstellen und das Kind voller Liebe betrachten, erkennen wir möglicherweise, was das Kind durch sein Handeln erreichen möchte. Vielleicht möchte es uns gar nicht ärgern, sondern einfach eine Rolle in unserem Leben spielen.

Wenn wir ein Gefühl des Friedens oder der Liebe haben, wenn wir mitfühlend sind, gelingt es uns möglicherweise zu verstehen, was das Kind erreichen möchte. Dann können wir ihm helfen, einen Weg zu finden, seine Bedürfnisse erfüllt zu bekommen.

Familienheimabend Mormonen Familienritual

4 Gibt es einen besseren Weg?

Als Eltern versuchen wir, Kindern das zu geben, was sie wollen – auf eine sinnvolle Art und Weise. Zum Beispiel sollte ein Kind, das alles unternimmt, um unsere Aufmerksamkeit zu wecken, auch unsere Aufmerksamkeit bekommen – aber natürlich auf eine Art und Weise, die uns nicht verrückt macht. Sie könnten einem Kind, das sich nach Aufmerksamkeit sehnt und deswegen quengelt, sagen, dass Sie sich liebend gerne mit ihm unterhalten oder mit ihm spielen würden, aber dass das Kind Sie auf eine Art und Weise darum bitten muss, die sie hören können.

Oder wenn ein Kind Schwierigkeiten dabei hat, sich rechtzeitig für die Schule fertig zu machen, können Sie damit anfangen, herauszufinden, warum das so ist. Braucht das Kind mehr Zeit, um wach zu werden? Dann müssen Sie das Kind evtl. früher wecken und sanft mit ihm sprechen, es vielleicht streicheln, um ihm beim Aufwachen zu helfen. Fällt es dem Kind schwer sich zu entscheiden, was es anziehen soll? Wenn das der Fall ist, könnten Sie dem Kind evtl. am Vorabend dabei helfen, die Kleider für den nächsten Tag auszusuchen und bereitzulegen.

Wir können unseren Kindern helfen, erfolgreich zu sein. Vielleicht müssen wir ihnen dafür etwas Neues beibringen. Manchmal ist der Schlüssel vielleicht einfach die eigene Laune und Einstellung – und wir müssen uns entscheiden, geduldig, positiv und verständnisvoll zu sein.

5 Versuchen Sie etwas Neues

Die Dinge, die Ihnen etwas ausgemacht haben, werden sich mit Sicherheit wiederholen.

Versuchen Sie, vorzubeugen

Vorzubeugen ist sinnvoller als zu bestrafen. Was können Sie dazu beitragen, dass ein Problem seltener auftaucht? Wie können Sie anders an eine Situation herangehen? Können Sie etwas am Tagesablauf der Familie ändern, um besser auf das Kind einzugehen, und trotzdem realistische Erwartungen haben? Müssen Sie vielleicht dem Kind helfen, einen anderen Weg zu finden, seinen Bedürfnissen gerecht zu werden?

Ändern Sie Ihre Reaktionsweise

Sobald Sie bemerken, dass Sie in einen Streit hineingezogen werden, von dem Sie genau wissen, wie er ablaufen wird, halten Sie inne. Entscheiden Sie sich dafür, etwas Neues zu tun. Versuchen Sie, entspannt zu bleiben. Versuchen Sie, das Kind als wertvolles Wesen zu sehen. Versuchen Sie, statt so zu reagieren, wie Sie immer reagieren, besser hinzuhören. Versuchen Sie, Ihr Kind zu verstehen. Wenn Ihnen nicht sofort einfällt, wie Sie gut reagieren können, verschieben Sie die Entscheidung auf einen späteren Zeitpunkt, wenn Sie Zeit gehabt haben, nachzudenken. Da es bisher nicht funktioniert hat, wie wir versucht haben, ein Problem zu lösen, liegt die Lösung womöglich darin, Neues zu versuchen.

Lernen Sie aus Schwierigkeiten

Wenn Sie diese neue Vorgehensweise ausprobiert haben, reflektieren Sie das Ergebnis. Hat es dem Kind geholfen, auf eine Art und Weise zu reagieren, die für es besser war und besser für Ihre Familie? Erfolgreiche Eltern sind Eltern, die so lange neue Ideen ausprobieren, bis sie Strategien entwickelt haben, die in ihrer Familie funktionieren. Wann ist eine Idee eine gute Idee? Dann, wenn sie funktioniert und wenn alle Betroffenen mit Respekt behandelt wurden.

Suchen Sie sich Hilfe

In jeder Familie gibt es Probleme. Versuchen Sie, wenn Sie das Gefühl haben, nicht weiterzukommen, sich mit den weisesten und liebevollsten Eltern zu unterhalten, die Sie kennen. Versuchen Sie es damit, ein gutes Buch zu lesen. Bitten Sie Ihren himmlischen Vater um Hilfe.

Wenn Sie lernen, wie Sie Ihrem Kind helfen können, auf angemessene Art und Weise zu reagieren, entwickeln sich Ihre Kinder zu besseren Menschen und Sie gewinnen an Weisheit, entwickeln Mitgefühl und werden automatisch glücklicher.

Einladung

Denken Sie an eine herausfordernde Situation mit einem Ihrer Kinder. Wenden Sie die einzelnen Schritte an, um in Zukunft besser reagieren zu können.


Wally Goddard

Wally Goddard ist Professor and der Universität von Arkansas. Er arbeitet im Bereich Familienforschung und entwickelt Programme zum persönlichen Wohlergehen, zum Thema Ehe und Elternschaft. Er ist Autor und Koautor mehrerer Bücher. Neue Ideen stellt er auf seinem englischsprachigen Blog www.DrWally.org vor. Er hat bereits mehrere Auszeichnungen für seine Arbeiten erhalten. Wally und seine Frau Nancy sind Eltern dreier erwachsener Kinder. Sie haben neun Enkel und haben sich in ihrer 36-jährigen Ehe um mehr als 20 Pflegekinder gekümmert. Wally beschreibt Nancy als den besten Menschen, den er je gekannt hat.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 11.6.18  auf ldsmag.com unter dem Titel „Simple Steps for Solving Parenting Problems” veröffentlicht. Der Autor ist Wallace Goddard. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

Warum Gott mir einen Schwerverbrecher statt eines RM als Ehemann gab

Wissen wir, wann die Seele in den Körper kommt?

Wie wir erfolgreich lieben