Mit der Zeit fängt das, was uns einst zueinander hingezogen hat, an, uns verrückt zu machen.

 Zwei Ehewissenschaftler teilen eine so oder ähnlich immer wieder erlebte Geschichte:

„Franks Bedürfnis nach Zeit für sich allein stand im Widerspruch zu Debras Bedürfnis nach gemeinsamer Zeit. Je mehr er nach Unabhängigkeit strebte, desto mehr drängte sie auf Nähe. Je gefühlsbetonter sie wurde, desto mehr wandte er sich ab. Bald begann sie, seine Schüchternheit als Unzulänglichkeit, seinen sorgsamen, überlegten Stil als langweilig und seine Abneigung zur Kommunikation als Mangel an Liebe zu sehen. Er begann, ihre Emotionalität als Unreife, ihr energetisches Tempo als anstrengend und ihren Wunsch nach Nähe als Schwäche zu sehen.” (Christensen & Jacobson, Reconcilable Differences, 2000, S. 8)

 Qualitäten, die wir einst schätzten, werden zu Ärgernissen, die wir nicht ertragen können.

Ganz natürlich kommen wir zu dem Schluss, dass unsere Partner/in seine/ihre wahre Natur versteckte, als wir umworben wurden. Natürlich geht es unserem Partner genauso. „Er war nie so, als wir uns noch verabredet haben!”

Mit der Trennung von ihrem zweiten Ehemann äußerte Scarlett Johansson Zweifel an der Institution der Ehe: „Ich halte es nicht für natürlich, eine monogame Person zu sein. Es ist eine Menge Arbeit. Und die Tatsache, dass es eine solche Arbeit für so viele Menschen ist – für jeden – beweist, dass es keine natürliche Sache ist.” (The Week, 10. März 2017, S. 10) Hmmm. Dies ist die Ansicht des „gefallenen Menschen”: ‚Die Ehe sollte natürlich und einfach sein.‛ Gottes Absicht jedoch ist ganz anders. Die Ehe sollte uns helfen, über unsere eigenen selbstsüchtigen Vorlieben hinauszuwachsen.

Ehestreit Ehe

Unsere Beschwerden in der Ehe bedeuten: „Du hast mich schon einmal glücklich gemacht. Nun erwarte ich von dir, dass du dich weiterhin so verhältst, dass du mich glücklich machst.” Unsere gefallene Natur macht uns ichbezogen. Sie macht uns egozentrisch, selbstsüchtig, selbstgerecht. Nur allzu gerne machen wir denjenigen verantwortlich, der unsere Bedürfnisse nicht erfüllt. Der natürliche Partner ist ein Feind des Ehepartners.

Dennoch gibt es gewisse Entschädigungen für das Elend. „Wie wunderbar, jemanden zu haben, dem man die Schuld geben kann! Wie wunderbar, mit seiner eigenen Gegnerin zu leben! Du magst unglücklich sein, aber du fühlst dich für immer im Recht. Du magst zerbrochen sein, aber du fühlst dich von allen Schuldzuweisungen befreit.” (Erica Jong)

Die Lage hört sich so finster an, dass wir fast versucht sind, romantische Beziehungen ganz zu umgehen – es sei denn, wir betrachten die Dinge aus himmlischer Perspektive. 

Die Ehe ist von Gott bestimmt; sie ist ein Übungsraum, den er vorbereitet hat, um uns fortgeschrittene Lektionen in der Jüngerschaft zu lehren. Auf dem Weg dorthin ermöglicht sie uns Leid und wahre Freude zu erleben.

Zwei prominente Eheforscher und Therapeuten, die ihre Karriere der Unterstützung von Paaren gewidmet hatten, machten eine schockierende Entdeckung: Wir sollten uns weniger darum kümmern, unsere Partner zu verändern und härter daran arbeiten, sie zu akzeptieren. Veränderung ist der Bruder der Akzeptanz, aber sie ist der jüngere Bruder.” (Christensen & Jacobson, 2000, S. 11) Wenn wir außerhalb unserer eigenen Perspektive, unserer eigenen Ansprüche, unserer eigenen Darstellung treten, können wir neue Möglichkeiten entdecken.

Wie G. K. Chesteron bemerkte:

Wie viel größer wäre dein Leben, wenn du darin kleiner werden könntest. . . Du würdest anfangen, dich für andere zu interessieren. Du würdest aus diesem winzigen . . . Theater ausbrechen, in dem immer dein eigenes kleines Stückchen gespielt wird, und dich unter freiem Himmel, in einer Straße voller herrlicher Fremder befinden.”

Das steht im Einklang mit Gottes Absichten für die Ehe. Anstatt uns Leichtigkeit und Trost zu schenken, schenkt uns Gott Wachstum und Fortschritt. Er ist besonders an unserer Demut, an unserem Mitgefühl und unserer positiven Einstellung interessiert.

Demut: Gott möchte, dass wir offen für die Sichtweise anderer Menschen sind. Unsere Partner tun das, was sie tun, aus Gründen, die für sie sinnvoll sind. Verstehen und schätzen wir ihre Gründe?

Ein Ehepaar liest zusammen in den Schriften

Mitgefühl: Gott möchte, dass wir unsere Herzen für unsere Partner öffnen. Er möchte, dass wir liebevoll für ihre Schmerzen und Kämpfe empfinden. Berühren mich die Herausforderungen meines Ehepartners?

Positive Einstellung: Gott möchte, dass wir das Gute in unseren Partnern suchen und schätzen. Ein besseres Kennenlernen muss uns nicht zynisch machen, sondern kann uns wertschätzender machen. Feiere ich das Gute in meinem Ehepartner?

Jede Irritation, die wir gegenüber unseren Partnern empfinden, ist eine Einladung, die himmlische Sichtweise einzunehmen. „Wie kann ich meinen Partner verstehen, schätzen und für ihn dankbar sein?” Dabei wachsen wir. Wir werden göttlicher.

Ich möchte noch einen Vorbehalt hinzufügen, der vor allem für Frauen gilt. Frauen sind eher bereit, ihre Persönlichkeit anzupassen und sogar in der Ehe aufzugeben. Die Akzeptanz ist keine Unterwerfung. Es ist die Stärke, den himmlischen Weitblick zu haben und sich selbst zu respektieren. Eine Frau, die das Gefühl hat, dass sie ihre Identität in ihrer Ehe verloren hat, sollte Hilfe bei der Entdeckung ihres eigenen Wesens bekommen.

Verabredungen und Werben sind voller Spaß und Unterhaltung. Aber das ernsthafte Unterfangen der Ehe und der Jüngerschaft, das mit reichlich Freude erfüllt ist, ist auch eine Herausforderung. Wir sollten nicht erwarten, dass die Schule, die für die Ausbildung zum Göttlichen zuständig ist, anspruchslos ist. Anstatt zu erwarten, dass Veränderungen in unseren Ehepartnern der Schlüssel zu besseren Ehen sind, lautet die Antwort in der Regel, selbst bessere Jünger zu werden.

Eine Einladung

Das nächste Mal, wenn Sie sich durch Ihren Ehepartners irritiert fühlen, überlegen Sie, wie Sie mehr Demut, Mitgefühl und Zuversicht in Ihre Ehe bringen können. Sie werden sich selbst den größten Dienst erweisen.


Dieser Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich auf ldsmag.com unter dem Titel „Is Change The Key To A Good Marriage?” veröffentlicht. Der Autor ist Wallace Goddard. Übersetzt von Janine Windhausen.

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