Vom amerikanischen Bestsellerautor und Pulitzer-Preisträger Dave Barry stammt folgende ironische Aussage: „Amerikaner, die das erste Mal ins Ausland reisen, stehen oft fassungslos der Tatsache gegenüber, dass trotz der Fortschritte, die in den vergangenen 30 Jahren gemacht wurden, viele Nicht-Amerikaner immer noch eine fremde Sprache sprechen.” Es liegt in der Natur des Menschen zu erwarten, dass jemand unsere Sprache lernt, dass er Dinge so tut, wie wir sie tun, und unseren Bedürfnissen gerecht wird. Nirgends ist das offensichtlicher als in der Ehe, wo zwei Menschen es gut miteinander meinen, aber oftmals aneinander vorbei lieben.

Auch nach mehreren Jahrzehnten Ehe hat meine Frau Nancy ihr Leben, ihre Persönlichkeit und ihre Prioritäten nicht so angepasst, dass sie all meinen Bedürfnissen gerecht wird. Sie ist sehr rücksichtsvoll und entgegenkommend. Aber sie hat trotzdem ihre eigenen Vorlieben. Sie ist kein zweiter Wally oder ein Sklave von Wally. Sie ist eine eigene Persönlichkeit mit eigenen Stärken und Neigungen. Sie spricht immer noch ihre eigene Sprache.

Und genau darum geht es Gott in der Ehe! Wir mögen uns gegenseitig sehr gern haben, aber Gott möchte, dass wir mehr tun, als es uns jeweils möglichst bequem zu machen. Er möchte, dass wir über unsere egozentrischen Vorlieben hinausgehen. Er möchte, dass wir wirklich lernen, wie wir lieben. Und als Teil dieser Aufgabe möchte er, dass wir unser Leben lang die Sprache eines anderen lernen. Eines Tages sprechen wir sie vielleicht ganz selbstverständlich und fließend. Aber ohne uns anzustrengen, wird es kaum gelingen, miteinander zu kommunizieren.

Wundermittel in der Ehe

Wahrscheinlich kennt ihr die Sprachen der Liebe – die Vorstellung, dass wir alle auf eine unterschiedliche Art und Weise bevorzugen, wie uns ein anderer Liebe zeigt. In Gary Chapmans bekanntem Buch zählt er fünf Sprachen der Liebe auf:

– Lob und Anerkennung

– Zweisamkeit – die Zeit nur für euch

– Geschenke, die von Herzen kommen

– Hilfsbereitschaft

– Zärtlichkeit

Sein Buch ist wirklich gut. Und die Idee gefällt mir sehr gut. Aber das System scheint übertrieben komplex. Ich kann mich nie an alle fünf Sprachen erinnern. Daher halte ich mich an ein System mit drei Sprachen:

– Zeig es mir. „Worte überzeugen mich nicht, sondern Taten.”

– Sag es mir. „Ich brauche Worte und Liebesbotschaften.”

– Berühr mich. „Ich liebe Berührungen und zu kuscheln.”

Für mich ist es leicht, mich an diese drei Sprachen der Liebe zu erinnern und sie lassen sich einfach unterteilen. Selbstverständlich möchten die meisten von allem etwas. Wir möchten Taten sehen. Wir schätzen Worte. Wir möchten im Arm gehalten werden. Wahrscheinlich schätzen wir bis zu einem gewissen Grad auf die ein oder andere Weise alle drei, aber jeder legt auf etwas anderes größeren Wert.

Glückliche Ehe

Und dazu kommt dann auch noch, dass sich unsere Präferenz im Laufe der Zeit verändern kann. Beispielsweise schätzen wir manchmal besonders das, was wir am wenigsten bekommen. Der himmlische Vater möchte, dass wir unserem Partner und dessen Bedürfnissen fortlaufend Aufmerksamkeit schenken.

Zu diesen drei konkreten Sprachen kommen für mich manchmal noch zwei allgemeine Sprachen hinzu – Liebesbekundungen, die sich jeder wünscht:

– Verstehe mich. „Höre mir zu, meinen Gedanken und Gefühlen. Versuche sie zu schätzen und sie zu verstehen.”

– Verbringe Zeit mit mir. „Mache bei den Dingen mit, die mir Spaß machen.”

Ich wünschte, ich könnte von mir sagen, dass ich schnell lerne. Die Wahrheit sieht anders aus. Weil mir „Sachen” viel bedeuten (sehr viel!), neigte ich dazu, auch Nancy Materielles zu schenken. Wenn ich ihr zeigen wollte, dass ich sie liebe, kaufte ich ihr ein neues Kleid oder einen netten Mixer. Aber ich merkte, dass Nancy sich nicht so recht über diese Geschenke freute. Sie reagierte freundlich, aber ich merkte, dass ich nicht in ihrer Sprache sprach.

Nach fast drei Jahrzehnten meiner Ehe (wie schnell ich lerne!) entschied ich mich, es anders zu versuchen. Ich fragte mich, auf welche Weise sie gerne geliebt werden möchte und selbst liebt. Was waren die Geschenke, die Nancy bekommen hatte, die sie am meisten schätzte? Wodurch fühlt sie sich geliebt? Sofort wurde mir klar, dass ich nicht ihre Sprache der Liebe sprach. Sie liebt aufrichtig gemeinte kleine Briefe. Ich entschloss mich, ihr einen kurzen Brief zu Weihnachten zu schreiben.

Sprachen der Liebe

Ich entschloss mich, rückblickend auf das vergangene Jahr einen Brief über das Schöne, mit dem wir gesegnet worden waren, zu schreiben. Es dauerte lange, meine Aufzeichnungen durchzugehen und einen Brief über den ganzen Zeitraum zu schreiben. Ich arbeitete viele Stunden daran. Kurz vor Weihnachten druckte ich den 4-seitigen Brief auf gutem Papier aus, steckte ihn in einen Umschlag und legte ihn, mit ihrem Namen beschriftet, unter den Weihnachtsbaum.

An Weihnachten verteilte unsere jüngste Tochter Sara die Geschenke, die unter dem Baum lagen. Nach einer Weile kam sie zu dem Brief und gab ihn ihrer Mutter. Nancy war verwirrt. Aber sie öffnete ihn und las: „Liebling, ich bin so dankbar für die freudigen Erfahrungen, die wir in diesem Jahr gemacht haben…” Nancy las nur ein paar Abschnitte des Briefes und fing an zu weinen. Sie drehte sich zu mir um und sagte: „Wally, das ist das, was ich wirklich zu Weihnachten möchte!”

Instinktiv antwortete ich: „Ja, Schatz. Aber nach Weihnachten wird es auch ein paar großartige Schlussverkäufe geben!” Trotz meiner natürlichen Veranlagung, Nancy etwas Materielles zu schenken, lerne ich, wie ich Nancy so lieben kann, wie sie es braucht und versteht – nach ihrer Sprache der Liebe.

Nancy mag es auch, wenn ich ihr im Garten helfe. Selbstverständlich ist das nicht das, was ich vorziehe. Jemandem zu zeigen, dass man ihn liebt, erfordert Opfer. Es hat einen Preis, unsere Liebe für jemanden auf effektive Weise zu zeigen. Aber wenn wir den Wunsch haben, zu lernen, was Gott uns über die Liebe lehrt, müssen wir bereit sein, einen Schritt weiter zu gehen.

Natürlich lässt sich dieses Prinzip des Lernes einander zu lieben, auch auf unsere Beziehung zu unseren Kindern, Verwandten, und jedem, dem wir das Gefühl vermitteln möchten, dass er uns wichtig ist, anwenden. Um dabei erfolgreich zu sein, müssen wir feststellen, was demjenigen wichtig ist.

Es gibt eine Ausnahme. In neuen und flüchtigen Beziehungen schätzen wir jeden Hinweis auf Interesse. Anfangs berührt auch eine angefangene Packung Chips unser Herz. Aber in einer reifen, festen Beziehung muss uns der andere wichtig genug sein, dass wir erkennen, was ihm wichtig ist und entsprechend handeln und lieben. Dadurch entwickeln wir uns. Wir nehmen die Herausforderung an, mehr wie Christus zu werden, uns auf die Bedürfnisse des anderen zu konzentrieren, statt darauf, was am einfachsten für uns ist und was wir bevorzugen.

Meine Einladung: Denkt über eure Lieben nach. Wie könnt ihr eure Liebe zum Ausdruck bringen – auf eine Art und Weise, die ihm/ihr am meisten bedeutet? Gibt es Möglichkeiten, wie ihr eure Liebesbotschaft auf sie/ihn zuschneidert?

Meine Empfehlung: Gary Chapmans Buch Die fünf Sprachen der Liebe eignet sich wunderbar, um zu verstehen, wie man seine Liebesbekundungen den Bedürfnissen des anderen anpasst.


Wally Goddard

Wally Goddard ist Professor and der Universität von Arkansas. Er arbeitet im Bereich Familienforschung und entwickelt Programme zum persönlichen Wohlergehen, zum Thema Ehe und Elternschaft. Er ist Autor und Koautor mehrerer Bücher. Neue Ideen stellt er auf seinem englischsprachigen Blog www.DrWally.org vor. Er hat bereits mehrere Auszeichnungen für seine Arbeiten erhalten. Wally und seine Frau Nancy sind Eltern dreier erwachsener Kinder. Sie haben neun Enkel und haben sich in ihrer 36-jährigen Ehe um mehr als 20 Pflegekinder gekümmert. Wally beschreibt Nancy als den besten Menschen, den er jemals gekannt hat.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 2.4.18  auf ldsmag.com unter dem Titel „The Secret to Showing Love Effectively” veröffentlicht. Der Autor ist Wallace Goddard. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.