Wünschen wir uns nicht alle jemanden, den wir umsorgen können, den wir lieben können, jemanden, der uns braucht, den wir bewundern können und der uns bewundert und der uns bedingungslos liebt? Möchten nicht die meisten von uns jemanden haben, dem wir etwas beibringen können, jemanden, dem wir dabei zusehen können, wie er Fortschritt macht, jemanden, an dem wir uns erfreuen?

Wer fällt euch beim Lesen dieser Beschreibung ein? Ein Ehepartner? Ein guter Freund? Eine Schwester? Ein Schüler oder jemand, den ihr betreut? Vielleicht. Die meisten werden jedoch wohl an ein Kind denken.

Aber das ist nicht überall so. Immer mehr Menschen überall auf der Welt denken dabei an einen HUND.

Wir waren neulich erst in einem Supermarkt, wo es eine ganze Abteilung mit Tierfutter gab. Babynahrung und Windeln waren irgendwo in einer Ecke untergebracht. Diesen Beitrag schreibe ich gerade am Strand. Dabei fällt mir Folgendes auf: 1. Eine überraschend große Anzahl an Menschen denkt, dass ein Hund die Antwort ist auf all die Bedürfnisse und Wünsche, die ich oben aufgezählt habe. 2. Viele dieser Leute investieren genauso viel Zeit, Geld und Fürsorge in einen Hund, wie es für ein Kind notwendig wäre.

Manche Paare denken sich vielleicht, dass ein Hund eine gute Vorbereitung auf das Kind ist, das sie eines Tages haben werden. Manche Menschen denken, dass ein Hund den emotionalen Bedürfnissen gerecht wird, aber eine geringere Verpflichtung und Opfer darstellt und weniger einschränkt als eine Ehe oder ein Kind. Wieder andere, die sich aufgrund ihres Bedürfnisses nach Unabhängigkeit dafür entschieden haben, alleine zu leben, scheinen das Gefühl zu haben, dass ein Hund ein guter Ersatz für menschliche Gesellschaft ist. Und natürlich, seien wir fair, gibt es auch diejenigen, die sich wünschen, dass sie verheiratet wären oder ein Kind hätten; da sie das nicht bekommen, kaufen sie sich einen Hund.

Immer weniger Menschen bekommen Kinder

Aber zurück zum ersten Absatz: Möchten wir nicht auch jemandem Werte beibringen, ein Vorbild sein? Möchten wir nicht auch jemanden, der uns selbst durch seine Unschuld und seine Wahrnehmung etwas beibringt? Der sich eines Tages um uns kümmern wird und der unsere Arbeit und unsere Glaubensvorstellungen weiterführen wird? Der unser Vermächtnis sein wird, durch den wir eines Tages Enkelkinder haben werden?

Suchen wir Antworten auf diese tiefgründigen Fragen, erkennen wir schnell, dass ein Hund nicht die Lösung ist. Die Frage, ob man sich eher einen Hund oder ein Baby „anschafft”, stellt sich gar nicht, wenn wir mit mehr Ernsthaftigkeit und Weitsicht darüber nachdenken. Und die Vorstellung, dass die Hundehaltung gleichermaßen Verantwortung verlangt und mit ähnlichen Opfern verbunden ist, ist lachhaft: Man muss einem Hund nicht dabei helfen, seine Ausbildung abzuschließen oder sich Gedanken darüber machen, dass er nicht zu viel vor dem Computer/Fernseher sitzt, und man muss ihm auch nicht bei den Hausaufgaben helfen.

Versteht uns nicht falsch. Hunde sind etwas Tolles. Wir hatten selbst Hunde und sie haben unser Leben bereichert und uns erfüllt. Sie waren Teil unserer Familie. Aber sie haben nicht unsere Kinder ersetzt – ja, wir hatten sie sogar unserer Kinder wegen. Sie haben unseren Kindern geholfen zu lernen, Verantwortung zu übernehmen (meistens zumindest), sie haben die Grundlage dafür bereitet zu lernen, wie man für jemanden sorgt, der sich nicht selber um sich kümmern kann. Und Hunde sind manchmal großartige Gefährten für ältere Menschen, deren Kinder aus dem Haus sind.

Wir sind also definitiv für Hunde! Aber an einem Samstag wie heute, an dem wir Dutzende Menschen mit Hunden sehen und überhaupt niemanden mit Kind, machen wir uns schon ein wenig Sorgen.

Jemand hat mich einmal darauf aufmerksam gemacht, dass das erste Gebot, das Gott den Menschen gab, „Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde” (Genesis 1:28) lautete. Gott hat nicht gesagt, dass das einfach sein würde. Und er hat auch nicht gesagt: „Entzieht euch jeglicher Verantwortung und haltet euch immer alle Optionen offen.” Auch hat er nicht behauptet, dass das Gebot im Jahr 2018 nicht mehr gültig wäre.

Entscheiden zwischen gut und böse

Vielleicht hätte Gott sagen können: „Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde und erfreut euch an euren Kindern.” Und um genau zu sein hat er das auch. In 3. Johannes 1:4 beispielsweise: „Ich habe keine größere Freude, als zu hören, dass meine Kinder in der Wahrheit leben.” Und darum geht es. Mit großer Verantwortung gehen auch großes Glücklichsein und Freude einher. Wie David Brooks, ein Kolumnist der New York Times, sagte: „Menschen geht es nicht besser, wenn sie die größtmögliche Freiheit der Person haben und tun können, was sie möchten. Es geht ihnen besser, wenn sie zusätzlich zur freien Wahl auch viele Verpflichtungen haben – Familie, Gott, Arbeit und Land.” Brooks hat übrigens selbst auch festgestellt, dass es inzwischen in Amerika mehr Haushalte mit Hunden als mit Kindern gibt.

Zurückgehende Geburtenraten führen dazu, dass es immer mehr ältere Leute gibt und weniger junge, die sich um sie kümmern und Steuern und Sozialabgaben zahlen. Das tatsächliche Problem ist aber, dass immer mehr Erwachsene keine Kinder und auch keinen Kontakt zu Kindern haben; sie versäumen dadurch die größte Freude und Lernerfahrung des Lebens – mal davon abgesehen, dass sie auch nicht ihren Teil dazu beitragen, der nächsten Generation bei der Entwicklung zu helfen und die Welt lebendig zu erhalten.

Hunde eignen sich dafür nicht.

Vor nicht allzu langer Zeit waren wir in Singapur und wollten wissen, warum die Regierung jeder Frau, die ein Kind bekommt, 10.000 USD gibt. Sie tut dies, da die Geburtenrate niedriger als 1 Kind pro Frau ist. Um die Gesellschaft zu erhalten, sollten es 2,1 sein. Die Einwohnerzahl sinkt und sie müssen sich auf Zuzüge verlassen, um genügend Arbeitskräfte zu haben.

Und das ist nicht nur in Singapur so. Von 224 Ländern auf der ganzen Welt haben 116 eine negative Geburtenrate (eine Rate unter 2,1).

In den meisten Teilen der Welt macht man sich keine Sorgen mehr über Überbevölkerung. Ganz im Gegenteil.

Und in der Kirche geht der Trend in die gleiche Richtung. Ein wenig langsamer zwar, doch auch hier zeigt die Entwicklungskurve nach unten und entspricht in etwa der der restlichen Gesellschaft.

Man könnte argumentieren, dass wir mit unserem Verständnis des vorirdischen Lebens und aufgrund des Wissens, dass alle Kinder Gottes die Sterblichkeit erleben müssen, mehr Grund hätten, Kinder zu bekommen. Wir glauben an einen Himmel, in dem die Familie im Mittelpunkt steht, und wir verstehen besser als die meisten anderen, dass wir Verantwortung für Kinder tragen und dass das Familienleben der Schlüssel zu ewigem Fortschritt ist. Und trotzdem sehen wir in unseren Reihen einen ähnlichen Trend.

der Beschluss der Entscheidungsfreiheit

Warum sind es „zwei oder drei” statt „fünf oder sechs”? Warum wollen so viele Kirchenmitglieder, die aus großen Familien stammen, nun nur kleine Familien?

Natürlich machen sich viele der jungen Paare gründlich Gedanken und beten. Und natürlich ist die Antwort für jeden ganz persönlich. Selbstverständlich gibt es die Paare, die mehr Kinder möchten, aber keine oder keine weiteren bekommen. Und natürlich muss man auch die Gesundheit – körperlich und psychisch – berücksichtigen.

Sorgen machen wir uns über die bewusste Entscheidung, überhaupt keine Kinder bzw. aus Bequemlichkeit keine weiteren Kinder zu bekommen.

Der Trend in der Kirche sollte in die andere Richtung gehen – mehr Kinder, wenn die Welt weniger hat. Wir sollten unseren Fokus auf die Familie verstärken, während er in der Welt abnimmt.

Wenn wir Ehepaare in der Kirche, die gerade erst geheiratet haben, fragen, wie viele Kinder sie haben möchten, hören wir oft „zwei”, „drei”, manchmal „eins” und gelegentlich auch „keins”. Wir hören seltener „vier”, „fünf” und noch seltener „so viele, wie Gott von uns erwartet.”

Und wenn ein Paar sich entscheidet, dass es nun genug Kinder sind, sind die Begründungen dafür oft interessant:

– Wir haben nicht genug Sicherheitsgurte.

– Wir können uns kein zusätzliches Kind leisten.

– Es ist zu schwierig, so viele Kinder zu lieben.

Sind das Gründe oder Ausreden? Schließlich kann man sich ja ein größeres Auto kaufen. Oft kostet ein weiteres Kind in Wirklichkeit gar nicht so viel mehr. Und Liebe hat man immer genug.

Interessant ist, dass die Grundeinstellung vieler junger Ehepaare in der Kirche „keine Kinder” ist und sie darauf warten, dass Gott ihnen sagt, dass sie Kinder bekommen sollen.

Aber sollte unsere Grundeinstellung wegen des Gebotes, fruchtbar zu sein und uns zu vermehren, und weil wir die ewigen Konsequenzen kennen, nicht eher sein, dass wir Kinder bekommen, bis Gott uns sagt, dass es genug ist bzw. dass wir warten sollen?

Natürlich ist das etwas ganz Persönliches zwischen dem Ehepaar und dem Herrn, und niemand sollte über einen anderen deswegen urteilen. Uns geht es um die Gesamtheit, nicht um den Einzelnen, und darum, dass wir uns als Kirche von der Welt abheben sollten.

Es gibt einen vierten Grund, der in der Kirche vorgebracht wird, nicht noch ein Kind zu haben. Und dieser Grund ist durchdachter als die ersten. Es geht darum, dass viele Väter mehr im Haushalt und zur Kindererziehung beitragen müssen und wollen als vorangehende Generationen; und sie haben einfach nicht das Gefühl, dass sie sich genauso gut um ein weiteres Kind kümmern können und das Geld verdienen, das für die Familie benötigt wird. Viele Paare glauben, dass es damals, als Väter sich vor allem um das Geldverdienen und Frauen vor allem um die Kinder kümmerten, einfacher war, eine große Familie zu haben.

Zwar können wir diesen Gedanken verstehen, aber ist er logisch und legitim? Ist es nicht einfacher, wenn die Ehepartner stärker zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen?

Schriftenstudium mit der Familie

Und noch etwas ist uns vor Kurzem aufgefallen. In Gesprächen mit Hebammen und älteren Ehepaaren treffen wir auf viele, die uns sagen, dass sie sich wünschen, sie hätten mehr bzw. ein weiteres Kind gehabt – und wir haben noch nie jemanden getroffen, der gesagt hat, er hätte lieber weniger Kinder gehabt.

Natürlich ist die Antwort, zu beten und eine persönliche Antwort zu bekommen. Kein Bischof oder Kirchenführer kann uns die Entscheidung abnehmen. Jeder muss die Verantwortung selbst übernehmen und bekommt daher persönlich eine Antwort.

Was wir empfehlen möchten ist, dass wir, statt uns einzuschränken, von vornherein offen für Kinder sind.

Kinder geben uns so vieles. Durch sie lernen wir, sie fordern uns heraus, manchmal müssen wir uns sorgen, manchmal bereiten sie uns die größten Freuden. Durch sie lernen wir, auf eine Art und Weise zu lieben, wie wir es uns nie hätten vorstellen können. Sie läutern uns.

Die Freude, die wir durch sie erfahren und bis in alle Ewigkeit erfahren können, ist die Freude, von der Nephi spricht – der Grund, weshalb wir auf der Erde sind (vgl. 2. Nephi 2:25).

Diese Freude besteht in Verantwortung und Opfer, in der Erfahrung irrationaler, bedingungsloser Liebe, darin, alles für jemanden zu tun, der zu klein ist, etwas für uns zu tun. Sie besteht darin, eine neue, verbesserte Version von uns selbst zu erkennen und kleine Erfolge und Herzschmerz zu teilen, darin, sie aufzuziehen, bis sie eines Tages das Haus verlassen und darin, sie auch dann weiterhin zu lieben und sich um sie zu kümmern, bis zu dem Tag, an dem sie sich um uns kümmern.


Richard und Linda Eyre

Richard und Linda Eyre treten weltweit als Redner vor Schulen, Organisationen, Kirchen, Kommunen u.v.m. zum Thema Elternschaft und Familie auf. Sie freuen sich darüber, dass die Eltern in jedem der 45 Länder, das sie bereist haben, ähnliche Hoffnungen, Träume und Sorgen haben. Mit ihrem Buch „Teaching Your Children Values” landeten sie auf der Bestseller-Liste der New York Times. Sie treten regelmäßig im Fernsehen auf. Im Internet findet man ihre Homepage mit Tipps, Anleitungen und Anregungen für Familien auf der ganzen Welt unter valuesparenting.com

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und teilweise gekürzt. Er wurde ursprünglich am 5.4.18  auf ldsmag.com unter dem Titel „Why the First Commandment Ever Given is so Relevant Today” veröffentlicht. Die Autoren sind Richard und Linda Eyre. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

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