Erinnert ihr euch noch an die Feuerübungen in der Schule? Uns wurde damals beigebracht, dass wenn ein Kleidungsstück anfangen würde zu brennen, wir innehalten, uns auf den Boden legen und uns herumrollen sollten. Das zu üben machte ziemlich viel Spaß.

Zum Glück habe ich nie ein Feuer bei mir zu Hause erlebt. Aber es gibt auch geistige Feuer – Feuer, die mehr als Häuser verzehren, mehr als eine Nachbarschaft zerstören. Die Welt brennt. Wir müssen innehalten, auf die Knie gehen – und beten.

Die Welt brennt

Die heutige Welt steht in Flammen. Vielleicht siehst du es nur in den Nachrichten, aber es trifft auch mich. Wir wissen, dass es in den letzten Tagen Kriege und Kriegsgerüchte geben wird, aber Dinge scheinen, ähnlich einem Feuer, außer Kontrolle zu geraten. Im Nahen Osten „brennt” es heftiger als seit vielen Jahren. ISIS, Irak, Syrien, Jemen. Es wird berichtet, dass Christen in diesen Ländern zu Tausenden getötet werden, auch wenn oft nicht detailliert darüber berichtet wird.

Meine Wurzeln reichen bis nach Ägypten. Mein Vater ist ein koptischer Christ, die altorientalische Kirche Ägyptens. Ich habe etwa zwanzig Verwandte in Ägypten, die alle koptische Christen sind. Als ISIS die 21 koptischen Christen an der Küste Libyens köpfte, war es für mich wie ein Tritt in die Magengrube – das hätten auch meine Familienmitglieder sein können.  

Nicht viele wissen über die Wurzeln des Christentums in Ägypten Bescheid. Der neutestamentliche Apostel Markus brachte das Evangelium Christi nach Ägypten. Ägypten war christlich, bis im 7. Jahrhundert arabische Muslime eindrangen. Den Kopten wurde die Wahl gelassen – zum Islam zu konvertieren, das restliche Leben lang eine hohe Steuer zu zahlen oder zu sterben. Jahrhundertelang lebten die Kopten so in Ägypten und auch heute noch gilt dieses Gesetz.

Die Welt steht in Flammen. Religionsfreiheit wird angegriffen. Manchmal fühle ich mich hilflos, dagegen etwas zu unternehmen. Das Böse ist allgegenwärtig. Wir kämpfen dagegen – im Ausland und bei uns zu Hause – und beziehen Stellung, wann und wo wir können. Aber das scheint nicht genug zu sein. Würdet ihr, wenn es eine wirkungsvollere Möglichkeit gäbe, darüber nachdenken, sie anzuwenden?

Innehalten, auf die Knie gehen, beten

Innehalten, auf die Knie, beten. Das ist in etwa, was uns die Feuerwehr damals sagte. Ich bringe das den Kindern in der Kirche bei. Hört damit auf, was ihr tut, kniet euch hin, baut durch das Gebet eine Verbindung zum himmlischen Vater auf. Die Idee dahinter ist, dass wir innerhalb weniger Sekunden, nachdem wir das Gefühl haben, auch direkt mit dem Himmlischen Vater kommunizieren. Wartet nicht darauf, bis ihr sowieso nächstes Mal euer Gebet sprecht. Wenn euer Herz wegen der Nachrichten, die ihr gerade gehört habt, schmerzt, wenn ihr das Gefühl habt, dass ihr eure Hände ausstrecken und etwas tun möchtet, ihr euch aber hilflos fühlt, und das Gefühl habt, zu weit weg von all den Unruhen zu sein: innehalten, auf die Knie, beten.

Wenn ihr seht, wie Christen im eigenen Land angegriffen werden, gezwungen werden, gegen ihre tiefsten religiösen Überzeugungen zu handeln – gegen die Heiligkeit des Lebens oder die göttliche Natur der Ehe zu handeln – innehalten, auf die Knie, beten.

Wenn ihr mitkriegt, dass unschuldige Frauen und Kinder entführt werden und in die Sklaverei verkauft werden – innehalten, auf die Knie, beten.

innehalten, auf die Knie, beten

Wenn Christen und gemäßigte Muslime herausgegriffen und in Kenia und anderen Teilen Afrikas und des Nahen Ostens abgeschlachtet werden – innehalten, auf die Knie, beten.
Indem wir beten, rufen wir nach der Autorität Gottes auf Erden, dass er seinen Willen tut, hier und jetzt.

Das Gefühl, dass wir beten sollen, ist kein Zufall. Es ist eine Botschaft vom Heiligen Geist, der uns auffordert, die Verbindung zu suchen. Ich verstehe nicht, wie das funktioniert, aber es ist ähnlich wie Strom. Alles, was wir tun müssen, ist einfach die Stromquelle anzuschließen, und das Licht geht an und verscheucht Gefahr, Ängste und Unsicherheit. Wenn dir wegen der neuesten Nachrichten flau im Magen wird, fühle dich deswegen nicht nur schlecht – innehalten, auf die Knie, beten.

Höre immer auf die Eingebungen des Heiligen Geistes

Mein Bischof erinnert die Gemeinde immer wieder gerne daran, „auf die Eingebungen des Heiligen Geistes zu hören”. Er spricht darüber, wie wichtig es ist, in geistiger Hinsicht bereit zu sein, auf die Eingebungen des Heiligen Geistes zu hören, der vielleicht Dinge sagt wie „rufe deine betagte Mutter an” oder „nimm einen anderen Weg nach Hause”, und handle entsprechend. Je öfter du entsprechend handelst, desto öfter wird es auch passieren, dass du diese Eingebungen empfängst – ein positiver Nebeneffekt, wenn du bereit bist, dem Geist Folge zu leisten. Und je mehr du diese kleinen Dinge tust, desto größer wird auch das Vertrauen in dich, größere Aufgaben zu erfüllen. Der himmlische Vater handelt in dieser Hinsicht wie ein Lehrer – er gibt dir die Aufgaben, für die du bereit bist.

Diese Regel – innehalten, auf die Knie, beten – ist ein guter Ausgangspunkt, wenn du einen Unterschied machen möchtest.

Entscheidungen Gebet

Vielleicht glaubst du das nicht; das kommt aber daher, dass du langfristige Vorteile oft nicht im Voraus erkennen kannst. Das Gebet spendet Bedürftigen Trost und lindert den Schmerz derer, für die du betest. Wir können keine Schwierigkeiten wegbeten, die als Lernerfahrungen dienen sollen – vielleicht müssen wir die seelischen Qualen, die dadurch kommen, dass wir wissen, dass Menschen überall auf der Welt gnadenlos wegen Extremistengruppen, skrupellosen Diktatoren und anderen Anfeindungen leiden, ertragen. Aber wir können innehalten, auf dem Boden niederknien und beten, damit die Opfer den Geist spüren können, Trost und das Wissen, dass sie nicht umsonst gelitten haben.

„Wenn wir und unsere Familie dem Druck der Welt standhalten wollen, müssen wir von Licht und Evangeliumswahrheit erfüllt sein.” (Cheryl A. Esplin)

Wenn wir innehalten, knien und beten, geschieht etwas anderes: unsere geistige Stärke wächst.

Wenn wir vom Geist Gottes erfüllt sind, ist unser Zeugnis von ihm unerschütterlich. Sister Cheryl A. Esplin, die zweite Ratgeberin in der Präsidentschaft der Primarvereinigung,  gab im März 2015 bei der Allgemeinen Schwesternversammlung der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage eine wunderbare Ansprache. Sie verglich unsere geistige Stärke mit einer leeren Getränkedose bzw. einer ungeöffneten Dose. Die ungeöffnete Dose war voll und noch versiegelt. Wenn man versucht, diese Dose zusammenzudrücken, wird sie dem Druck nicht nachgeben. Sie hält sehr viel aus. Aber sie kann sehr leicht zusammengedrückt werden, sobald die Dose geöffnet wurde, und besonders, wenn sie leer ist. Genauso ist es mit uns, wenn wir nicht vom Geist des Herrn erfüllt sind. Wir sind wie die leere Dose und können dem Druck der Welt nicht standhalten. Unsere Hülle ist beschädigt, und wir haben dem Druck nichts entgegenzuhalten. Aber wenn wir vom Geist des Herrn erfüllt und von diesem Geist gesiegelt sind – was bedeutet, dass wir uns verpflichtet haben und mit Leib und Seele bei der Sache sind und unser Bestes tun, uns von den Versuchungen der Welt fernzuhalten – dann können wir dem Druck widerstehen und stark für den Herrn sein, um seinen Willen zu tun, auch wenn das vielleicht nur bedeutet innezuhalten, uns auf den Boden zu knien und zu beten.

Die Welt steht wahrlich in Flammen und die Flammen kommen immer näher, aber wir brauchen uns nicht zu fürchten. Das Feuer kann uns nichts antun, wenn wir, sobald wir die Eingebungen des Heiligen Geistes fühlen, uns in Einklang mit Gott bringen, innehalten, uns auf den Boden knien und beten.

Beten


Nanette ONeal

Nanette liebt das Evangelium und teilt es mit Begeisterung auf LDS-Blogs. Sie hat sich erst später im Leben der Kirche angeschlossen. Sie fühlt immer noch das Brennen im Herzen durch den Geist. Sie hat einen Abschluss von der Mason-Gross-School für Künste in Musikpädagogik und unterrichtet seit mehr als 20 Jahren privat und öffentlich Kinder und Erwachsene. Nanette bildet sich weiterhin im Evangelium fort und schreibt gerne. Auf ihrem Blog schreibt sie wöchentliche Beiträge, die inspirieren sollen, und arbeitet derzeit an einer Reihe Fantasy-Romanen: A Doorway Back to Forever. Ihren Blog findet man unter NanetteONeal.blogspot.com. Nanette hat einen wundervollen Ehemann, einen sehr talentierten Sohn und drei wunderschöne Hunde.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Der Beitrag wurde ursprünglich am 12.4.15  auf ldsblogs.com unter dem Titel „The world is on fire! Stop, drop—and pray” veröffentlicht. Die Autorin ist Nanette ONeal. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) lernen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.