In einem Artikel im Guideposts-Magazin berichtet die Autorin Elizabeth Sherrill darüber, wie schwer es für sie war, aus ihrem Zuhause, das sie 50 Jahre lang sehr geliebt hatte, auszuziehen. Während sie die Dinge durchging, die sie in ihrem Leben angehäuft hatte, dachte sie über die vielen Veränderungen nach, die sie und ihr Mann in ihrem Leben erlebt hatten und über diese große Veränderung, die nun bevorstand. Ein Satz aus diesem Artikel ist das Thema dieses Beitrags: „Eine Bitte, die Gott uns nie gewährt, ist, dass die Dinge so bleiben mögen wie sie sind.”

Dinge verändern sich! Und oft zum Besseren. Ich rufe mir gerne in Erinnerung, dass es in den Schriften heißt: „Und es begab sich”. Nie heißt es dort: „Und es blieb so”. Und auf alles, von dem wir uns wünschen, dass es gleich bleibt, kommen wahrscheinlich zehn Dinge, von denen wir möchten, dass sie sich ändern. Etwas, was die meisten Selbsthilfebücher für sich beanspruchen, ist, dass sie unser Leben verändern werden. Und manchmal hängen wir trotzdem am Status Quo.

Umkehr setzt Veränderung voraus

Vielleicht ist einer der Gründe, weshalb Gott es uns nicht gewährt, dass Dinge gleich bleiben, dass wir nicht umkehren können, ohne dass sich etwas verändert. Umkehr erfordert einen Sinnes- und Herzenswandel, eine Verhaltensänderung, eine Veränderung unserer Beweggründe.

Wandel ist normalerweise nicht einfach, aber auf dem Weg zu bleiben führt oft nicht zu Fortschritt. Gewohnheiten, die uns am Fortschritt hindern, müssen wir ablegen – wir bitten den Herrn um Hilfe und tragen unseren Teil dazu bei, um weiter vorwärtszugehen.

Wie der Widersacher Wandel und Gleichförmigkeit stört

Ein Muster, das ich – denke ich über mein Leben nach – erkennen kann, ist der Wunsch nach Veränderung. Ich wollte schon immer besser werden, dazulernen, auf höherer geistiger Ebene leben. Der Widersacher bedient sich schlechter Gewohnheiten, um uns in dieser Gleichförmigkeit zu halten, und unseres Wunsches nach Verbesserung, um uns weg von einer gottgewollten „Unzufriedenheit” (mit uns selbst) zu einer allgemeinen Unzufriedenheit zu bewegen. Konzentriere ich mich auf meine Schwächen und Unzulänglichkeiten, verwende ich meine ganze Energie darauf, mich dafür beim Herrn zu entschuldigen, statt mich darauf zu verlassen, dass er mir Kraft gibt.

Satan möchte erreichen, dass wir uns selbst damit fertigmachen, dass wenn wir uns nur mehr anstrengen würden und besser wären, wir uns vollständig ändern könnten. Er zielt darauf ab, dass wir vergessen, dass nur Christus uns dabei helfen kann uns dauerhaft zu verändern und dass diese Veränderung nur durch das Sühnopfer überhaupt von ewiger Bedeutung ist. Außerdem möchte er, dass wir vergessen, dass wir das Leben ja auch genießen sollen.

Nichts ist so beständig wie der Wandel

In Anbetracht des Chaos in der Welt, der Höhen und Tiefen des Lebens und all der anderen Themen, die die Propheten ansprechen könnten, ermutigt mich die Ansprache, die Präsident Monson bei der Generalkonferenz im Oktober 2008 zum Thema „Freude an der Reise [des Lebens] finden” gab. Er begann mit folgenden Worten: „… Zu Beginn möchte ich eines der unausweichlichsten Merkmale unseres Lebens hier auf Erden ansprechen, nämlich den Wandel. Sicher hat jeder schon einmal den bekannten Spruch gehört: ‚Nichts ist so beständig wie der Wandel.’ Unser Leben lang müssen wir mit Veränderungen zurechtkommen. Manche sind uns willkommen, manche nicht. Manche Veränderungen im Leben treten unvermittelt ein, so wie der unerwartete Tod eines geliebten Menschen, eine unvorhergesehene Erkrankung, der Verlust von Besitz, an dem wir gehangen haben. Die meisten Veränderungen jedoch stellen sich unmerklich und ganz allmählich ein.” Er endet: „Brüder und Schwestern, ich bete aufrichtig darum, dass wir uns dem Wandel in unserem Leben anpassen mögen, dass wir erkennen mögen, was am wichtigsten ist, dass wir stets unseren Dank zum Ausdruck bringen und somit Freude an der Reise finden.”

Wie schön, daran erinnert zu werden, Freude an der Reise zu finden! Von dieser Ansprache ausgehend entschied ich, dass die größten Veränderungen, die ich in meinem Leben machen musste, drei Dinge wären:

  1. mich darauf zu konzentrieren, dankbar zu sein
  2. mit Hilfe des Heiligen Geistes zu entscheiden, was für mich in einem Moment das Wichtigste ist – und das dann voller Begeisterung zu tun!
  3. bewusst in der Gegenwart zu leben.  

In der Gegenwart leben

Durch die Prüfungen des Lebens hindurch, denken wir an das, was wirklich zählt.

Wir können die Reise nur dann genießen, wenn wir lernen, Gott genug Vertrauen zu schenken, dass wir die Vergangenheit loslassen, uns nicht zu viele Sorgen um die Zukunft machen und in der Gegenwart leben. Ich erinnere mich daran, wie mir eine Kommilitonin leid tat, der es nicht gelang, sich von ihrem guten Zuhause und ihren Eltern zu lösen und so die Zeit am College voll zu genießen. Sie weinte viel, ging so oft wie möglich nach Hause und war unglücklich.

Ich erinnere mich auch an ein paar Ehefrauen von Soldaten in meiner Gemeinde, als ich in Spanien lebte, die einfach nicht dazu fähig schienen, in ihrer aktuellen Situation ihre Augen für die zahlreichen Wunder der Kultur und Geschichte zu öffnen. Das einzige, was sie taten, war, darüber zu klagen, wie sehr sie die Annehmlichkeiten, die Produkte und Verbindungen ihres früheren Lebens in den USA vermissten. Wie viel weiser es doch wäre, die Veränderungen freudig anzunehmen und sich auf das zu konzentrieren, was man genießen kann.

Eine vor Lebenskraft sprühende Frau, die für ihre Fähigkeit, in der Gegenwart zu leben, bekannt ist, sagt, dass sie nach folgendem Motto lebt: „Das Leben ist unsicher … zerbrechlich, vergänglich. Warte nicht auf morgen. Sei jetzt hier!” (John und Stacy Eldredge, Captivating: Unveiling the Mystery of a Woman’s Soul, 2005, Nelson Books, 215)

Das Aufziehen von Kindern bedeutet ständige Veränderung. Jeder Monat, jedes Jahr, eine wachsende Chronik, die unsere Beziehung zu jedem Kind verändert. Eltern von Teenagern klagen oft über den Verlust des anhänglichen, folgsamen Kindes, das sie einst kannten. Die glücklichsten Eltern sind aber die, denen es gelingt, die Gegenwart zu schätzen mit all den Herausforderungen, die sie bringt, und sich auf die kommenden, noch größeren Veränderungen zu freuen.

Diejenigen unter uns, die die Erfahrung des „leeren Nests” machen, können ihre Zeit damit verbringen, wegen der Veränderungen, die dadurch kommen, dass die Kinder flügge werden und nicht mehr bei ihnen wohnen, traurig zu sein oder wir können die Vorteile dieser neuen Situation genießen. Dinge verändern sich. Nichts bleibt, wie es ist. Die Frage ist und bleibt: Wie reagieren wir darauf?

Ewiger Fortschritt

Die Vorstellung, dass wir ewig Fortschritt machen können, hat mir schon immer gut gefallen. Fortschritt bedeutet Wandel. In dieser telestialen Welt steht „Fortschritt” oft in Zusammenhang mit fraglichen oder negativen Konsequenzen. (Beispielsweise eine neue Arbeit, wodurch ein Elternteil von seiner Familie fort muss, oder Grundstückserschließungen, die dazu führen, dass viele Hektar mit Bäumen in Betonfläche umgewandelt werden und den Lebensraum von Tieren zerstören.) In der Ewigkeit jedoch wird aller Fortschritt positiv sein. Wir steigern uns von Ebene zu Ebene. Wir werden nicht zurückschauen und uns wünschen, an einem anderen Platz, zurück in einer anderen Zeit zu sein, denn die Gegenwart wird uns begeistern. Wir nehmen die Veränderungen, die die nächste Ebene erfordert, freudig an.

Etwas Unveränderliches

„Durch dies alles wissen wir, daß es einen Gott im Himmel gibt, der unbegrenzt und ewig ist, vom Immerwährenden zum Immerwährenden derselbe unveränderliche Gott, der Gestalter des Himmels und der Erde und all dessen, was darinnen ist.” (LuB 20:17)

In einer Welt, in der sich alles verändert, ist es gut zu wissen, dass Gott unveränderlich ist. „Denn ich weiß, daß Gott kein parteiischer Gott ist, auch kein veränderliches Wesen; sondern er ist unveränderlich von aller Ewigkeit bis in alle Ewigkeit.” (Moroni 8:18)

In einer E-Mail fand ich kürzlich folgende Weisheit: „Alles kann sich während eines Augenblinzelns verändern. Aber mach dir keine Sorgen, Gott blinzelt nie.” Diese Betrachtungsweise kann uns bei all den Veränderungen helfen. Gott gewährt Gebete nicht, in denen wir darum bitten, dass einfach alles gleich bleibt – aber er wird uns dabei helfen, uns an die Veränderungen zu gewöhnen und die Reise zu genießen. Er versichert uns:  „Und wo euch jemand empfängt, da werde ich auch sein, denn ich werde vor eurem Angesicht hergehen. Ich werde zu eurer rechten Hand sein und zu eurer linken, und mein Geist wird in eurem Herzen sein und meine Engel rings um euch, um euch zu stützen.” (LuB 84:88)


Darla Isackson

Darla Isackson sieht das Schreiben als Teil ihrer „himmlischen Mission”. Sie arbeitet bereits seit 40 Jahren als Autorin. Sie diente als Missionarin in der Kalifornien-Mission, wo sie ein Schulungshandbuch für Missionarinnen schrieb. Nach ihrer Mission heiratete sie und machte ihren Abschluss an der Utah State University. Sie hat bereits für die Kirchenmagazine geschrieben, war Koautorin eines Buches, Redaktionsleiterin des Latter-day-Woman-Magazins, Covenant Communications und Aspen Books. Sie hat fünf Söhne und momentan 17 Enkelkinder. Sie schreibt seit 2001 regelmäßig für Meridian Magazine. 2004 beging ihr ältester Sohn Selbstmord, was Darlas Leben für immer veränderte. Darla lebt mit ihrem Mann Doug in West Jordan, Utah.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 24.1.18  auf ldsmag.com unter dem Titel „One Prayer That God Never Answers” veröffentlicht. Die Autorin ist Darla Isackson. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.