(Anmerkung des Übersetzers: Der Beitrag stammt aus einem Blog, in dem Fragen zur Lehre der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage gestellt werden können, die dann von „Großvater” nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet werden.)

Frage

Lieber Großvater,

eigentlich ist es gar keine Frage, sondern eher ein Statement. Nach nunmehr 30 Jahren als Mormone, in denen ich in vielen Berufungen und selbst als Präsidentin und Leiterin diente, habe ich entschieden, dass es einfach zu viel ist und ich nicht mehr kann. Ich finde es so schwierig, alle Gebote zu halten und jeden Tag Gutes  zu tun. Es kommt mir so vor, als ob wir in der Kirche nie über Gnade sprächen und zur Zeit brauche ich einfach nur Gnade. Ich bin mir sicher, dass ich es nie ins celestiale Reich schaffen werde. Ich liebe es, anderen zu dienen, aber ich glaube nicht, dass wir allein dadurch (durch gute Werke) in den Himmel kommen werden. Ich glaube, dass unser Herz – unsere Einstellung – auch viel damit zu tun hat, und dass es für manche Menschen einfach zu viel ist. Es ist so anstrengend. Ich liebe den Herrn von ganzem Herzen, aber ich komme mit meinen Schuldgefühlen nicht zurecht, wenn ich nicht alles gebe.

Sue

Antwort

Liebe Sue,

du bist sicherlich nicht die einzige, der das so geht. Viele fühlen so wie du. Das ist natürlich sehr schade und es sollte nicht so sein. Ich selbst habe das auch schon erlebt und bekam davon schließlich ein Magengeschwür. Aber ich glaube, dass es mir letztendlich gelungen ist, alles unter Kontrolle zu bringen. Ich habe ein paar Vorschläge für dich, die dir helfen könnten. Erstens kann nicht jeder jederzeit alles tun. Uns wurde gesagt, dass wir nie eine Berufung ablehnen sollen. Das glaube ich auch. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten, wenn wir eine Berufung bekommen. Wenn ich beispielsweise das Gefühl habe, dass mir alles über den Kopf wächst, und der Bischof mich dann dazu beruft, noch mehr zu tun, würde ich vorschlagen, dem Bischof alles aufzuzählen, was ich bereits tue und ihm von diesem Gefühl des Überwältigtseins zu erzählen. Ich würde sagen: „Ich habe nur soundso viel Zeit, die ich für diese Berufung aufwenden kann. Wenn das genug ist, bin ich bereit, die Berufung anzunehmen”. Der weise Bischof wird die Schwierigkeiten erkennen, wenn es welche gibt. Es könnte aber auch sein, dass deine Bedingung die einfachste ist. Der Bischof würde dann also trotzdem dich zu etwas berufen, und es wäre völlig in Ordnung, wenn du nur so viel Zeit dafür verwendest, wie du angekündigt hast.

Du hast auch gesagt, dass du das Gefühl hast, dass du es niemals ins celestiale Reich schaffen wirst, sagst aber dann, dass du nicht daran glaubst, dass Werke allein dafür ausschlaggebend sind. Und du hast recht. Für unsere Erlösung sind eher unser Herz und unsere Einstellung ausschlaggebend, und nicht die vielen Stunden Arbeit, die wir vielleicht verrichten. Weil dir der Herr wirklich so wichtig ist, fühlst du dich wahrscheinlich schuldig dafür, dass du nicht alles tun kannst, worum du gebeten wirst. Elder Richard L. Evans sagte einmal: „Es ist nicht wichtig, dass wir schnell vorwärtskommen und Spektakuläres vollbringen, sondern dass wir sicher und gewiss Stunde um Stunde und Tag um Tag weitermachen und auf dem Weg bleiben; das ist für jeden wichtig, der seine großen Möglichkeiten kennt.”

Hinsichtlich seiner Übersetzung der Platten des Buches Mormon wurde Joseph Smith vom Herrn ermahnt: „Laufe nicht schneller und verrichte nicht mehr Arbeit, als du Kraft hast und Mittel vorgesehen sind, die dir das Übersetzen ermöglichen; doch sei eifrig bis ans Ende.” (LuB 10:4)

Als Antwort auf diesen Rat vom Herrn fuhr Joseph nicht sofort damit fort, die Platten zu übersetzen, sondern verbrachte erst einmal eine gewisse Zeit damit, auf einer kleinen Farm zu arbeiten, die er von seinem Schwiegervater gekauft hatte.

Ein Vorschlag, wie wir unsere Zeit richtig einteilen, wäre, dass wir die höchste Priorität darauf setzen, für das zeitliche und geistige Wohl unserer Familie zu sorgen (darunter zählt bspw. auch unsere Arbeit). Indem wir uns nach dieser Priorität richten, sollten wir dann Zeit für unsere Berufungen in der Kirche reservieren – und dabei nicht vergessen, nach den Evangeliumsprinzipien zu leben.

Dein Großvater

 


Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 10.3.18  auf askgramps.org unter dem Titel „All the assigned work and callings in the Mormon Church is getting me down. What do I do?” veröffentlicht. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

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