Ich hatte vor Kurzem die Gelegenheit, an einem Treck teilzunehmen. Dabei übernahm ich die Rolle eines Vaters.

Für euch, die ihr nie an einem Treck teilgenommen habt – einer meist seeehr langen, mehrere Tage dauernden Wanderung mit Handkarren o. Ä., die einem das Gefühl dafür vermitteln soll, was die Pioniere in den USA geleistet haben, erkläre ich, wie er funktioniert. Es gibt eine Mutter und einen Vater (ein verheiratetes Paar), die für eine Familie verantwortlich sind. Diesen beiden „Eltern” werden „Kinder” aus dem Pfahl zugeteilt. Viele der Kinder kennen die „Mutter” und den „Vater” und/oder ihre „Geschwister” vorher nicht. Die „Familie” verbringt drei Tage zusammen, lernt, wie man ein Lager aufschlägt, wie Handkarren gezogen werden und nimmt an verschiedenen Aktivitäten zu bestimmten Themen teil.

Unserer Familie wurden 11 Kinder zugeteilt, von denen wir nur zwei kannten. Diese jungen Leute haben mich in den drei Tagen Vieles gelehrt. Die vielleicht wertvollste Lektion lernte ich nach einem wirklich anstrengenden Tag. Wir mussten an jenem Tag unseren Handkarren über 20 km weit ziehen. Der Handkarren und der Ersatzhandkarren gingen dabei kaputt und ein paar unserer Füße wurden von Handkarren überrollt (auch meine).

Pioniere Zug gen Westen

Nach einem körperlich anstrengenden Tag also kamen wir endlich im Lager an. Die Sonne ging schon unter und wir wollten alles für die Nacht vorbereiten. Als wir anfingen, alles Notwendige vom Handkarren abzuladen, sagte uns eine andere Familie, dass wir unser Lager an einer anderen Stelle, weit weg vom Rest der Gruppe, aufschlagen müssten. Das ärgerte uns und keiner wollte den Ort wechseln. Ich ging daher zum Teamleiter, um herauszufinden, was der Grund dafür war. Ich sprach mit ihm über die Situation und er antwortete zögernd, dass alle Familien unserer Kompanie an einem anderen Ort übernachten müssten, der etwa 400 m vom Hauptlager entfernt war. Dies bedeutete, dass wir 400 m von Toiletten entfernt waren, 400 m von Wasser, 400 m von allen anderen und dem, was sie am Abend tun würden. Nachdem mir der Teamleiter das gesagt hatte, ging ich zu meiner Familie zurück und erklärte ihnen alles mit etwa folgenden Worten:

Okay, Kinder, uns wird hier kein Fladenbrot sondern ein Kuhfladen serviert. Man bittet uns, unser Lager an einem anderen Ort aufzuschlagen. Bruder Baker (unser Anführer) meinte, dass ein paar andere Familien mehr Platz bräuchten und wir deswegen umziehen sollten. Natürlich können wir uns jetzt einfach weigern und unser Lager hier aufschlagen. Oder wir gehen. Was denkt ihr, was wir mit diesem … Kuhfladen … machen sollen?

Es kommt im Leben immer wieder vor, dass uns die Weisheit von Jugendlichen wirklich überrascht. Für mich war das ein solcher Moment. Als ich diese Kinder fragte, was sie mit unserem (bildlich gesprochen) „Teller voll Mist” nun anfangen wollten – wisst ihr, ich rechnete fest damit, dass sie sagen würden, dass wir einfach dort bleiben sollten, wo wir waren –  bekam ich stattdessen folgende fantastische Antwort:

Wenn Bruder Baker nur einen Kuhfladen, einen Haufen Mist, für uns hat und er sagt, dass es einfach keine bessere Lösung gibt, sollten wir uns für den Fladen bedanken und ihn bitten, uns doch Salz und Pfeffer zu reichen.

Es passte so wunderbar. Und genau so sollten wir mit all den Herausforderungen in unserem Leben umgehen. Den restlichen Treck über mussten wir immer wieder darüber lachen, wenn in der Familie jemand sagte: „Könnte ich etwas Salz und Pfeffer bekommen?”

Wofür auch immer dieser Teller mit einem Kuhfladen im Leben steht, ich bin darauf vorbereitet. Danke, Kinder!

Pioniere Mormonen


Bryuns Blog mit weiteren Erfahrungen vom Treck und weitere verrückte Momente im Leben eines Vaters findet ihr auf Englisch unter onecrazydad.com

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 29.3.18  auf ldsmag.com unter dem Titel „Of Good Cheer: When You’re Dealt a Proverbial Cow Pie” veröffentlicht. Der Autor ist  Bryun Lemon. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

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