Entdeckungen, die verunsichern

Vor ein paar Tagen erhielt ich eine E-Mail von einem Freund (nennen wir ihn John), der mir berichtete, dass sein Bruder (nennen wir ihn Bill) aus der Kirche austreten wolle. Warum? Bill hatte das Gefühl, dass die aktuellen und frühere Propheten ihn angelogen hätten. Bill hatte anscheinend etwas darüber herausgefunden, wie Joseph Smith das Buch Mormon übersetzt hatte, was ihn störte.

Durch dieses Detail änderte sich, wie Bill den Propheten sah – für ihn schien Joseph Smith entweder ein leichtgläubiger, durch Zauberei beeinflusster Hinterwäldler oder ein schlauer Hochstapler gewesen zu sein. Beides war für einen Propheten Gottes nicht gerade schmeichelhaft.

Zu allem Unglück fand Bill dann auch noch heraus, dass diejenigen, die die Kirche verteidigten, gar nicht bestritten, dass Joseph Smith das Buch Mormon auf diese Weise übersetzt hatte. Bill fragte sich, warum er in seinen mehr als 40 Jahren in der Kirche nie gehört hatte, dass Joseph einen Seherstein für die Übersetzung des Buches Mormon verwendet hatte.

In all den Jahren in PV, Sonntagsschule, Seminar, Institut und den Priestertumsversammlungen hatte er nie davon gehört. Ihm war immer beigebracht worden, dass die Platten mit Hilfe des Urim und Thummim übersetzt worden waren – sogar im Ensign war das so abgebildet gewesen. Aber so war es nicht gewesen. Und selbst die Kirche gab das inzwischen zu. Er fühlte sich betrogen.

Nachträgliche künstlerische Interpretationen verzerren oft die wahren Ereignisse.

Jesus Christus Joseph Smith und die Wiederherstellung

Eine Vertrauensfrage

Untreue in einer Beziehung löst Kummer und ein Gefühl von Verrat oder Treuebruch aus – und der Schmerz ist größer, je mehr wir uns zu einer Beziehung verpflichtet hatten. Wir Mitglieder der Kirche Jesu Christi – und jeder andere engagierte Gläubige – hat nicht nur zu Jesus Christus eine Vertrauensbeziehung, sondern auch zur Kirche selbst – zu den Kirchenführern vor Ort und den Generalautoritäten – zu lebenden wie auch früheren.

Wenn wir das Gefühl haben, dass Propheten uns betrogen haben – wenn sie uns belogen haben – fühlen wir uns selbstverständlich verletzt und sind wütend. Leider führen diese Gefühle dazu, dass eine erneute Versöhnung schwierig wird. Findet man beispielsweise erdrückende Beweise dafür, dass der Partner einen betrogen hat, ist es schwierig, Dementis, Erklärungen oder andere Beweise zu akzeptieren, die den Kummer vielleicht lindern würden. Jeder Erklärung des Partners wird mit Argwohn und Skepsis begegnet.

Wenn wir das Gefühl haben, dass wir von einem Partner belogen werden – vor allem in wichtigen Bereichen (Geld, Leistungen, alles, was mit den Kindern zu tun hat usw.) – wird das die Beziehung schwächen – vielleicht beenden. Wer möchte in einer Beziehung bleiben, in der man dem anderen nicht vertrauen kann?

Bills Geschichte kommt immer wieder vor. Manchmal hat es damit zu tun, dass jemand erfährt, dass Joseph einen Seherstein verwendete oder damit, dass er in Vielehe lebte; manchmal hat es damit zu tun, dass jemand herausfindet, dass die frühen Kirchenführer ganz menschliche Schwächen, Vorstellungen und Ideen hatten. Finden wir heraus, dass ein Prophet sich vielleicht nicht so verhalten hat, wie wir erwarten, dass sich ein Prophet verhält, verlieren wir vielleicht das Vertrauen in diesen Propheten oder haben möglicherweise das Gefühl, dass die Kirche uns belogen hat, da sie diese Fakten verborgen gehalten hat.

Was ist schwieriger, eine Quelle für neue Informationen zu finden oder mit dem Gefühl klarzukommen, dass Informationen versteckt gehalten wurden?

Homosexuell und Mormone?

Das Problem mit verletzten Gefühlen

Wie bereits erwähnt, hat das Gefühl, betrogen worden zu sein, großen Einfluss und kann sogar dazu führen, dass eine Versöhnung unmöglich oder zumindest sehr schwierig ist. Es ist schwierig, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. In den mittlerweile zwanzig Jahren, in denen ich versuche Menschen zu helfen, die ihr Zeugnis wegen „intellektueller” Hürden hinterfragen (in anderen Worten bedeutet das, dass sie ihr Zeugnis nicht dadurch verloren haben, dass ihnen die Lebensweise der Mormonen zu schwer gefallen ist, sondern dass sie aufgehört haben, an Gott zu glauben, weil der Sohn Krebs bekommen hat) bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass das Gefühl eines Betrugs dazu führte, dass sie die Kirche verließen und nicht die ursprüngliche Hürde, an der sie strauchelten.

In Bills Fall beispielsweise ist es wahrscheinlich, dass Bill nicht bereit sein wird, sich ernsthaft mit den Argumenten zu befassen, die zeigen, dass Joseph Smith dennoch als Prophet geehrt werden kann, auch wenn er einen Seherstein dazu verwendete, das Buch Mormon zu übersetzen.

Das Mitglied, das das Gefühl hat, belogen worden zu sein, wenn es herausfindet, dass Joseph Smith in Vielehe lebte, wird wahrscheinlich nicht auf das Argument hören, dass eine Vielzahl von Josephs Ehen dynastisch (ohne sexuelle Intimität) waren und dass der Herr ein paar sehr gute Gründe dafür hatte, die Vielehe wie in altertümlichen Zeiten wieder einzuführen.

Es gibt Antworten

Es ist tatsächlich so, dass es für jede Behauptung der Kirchengegner auch logische, evidenzbasierte Gegenargumente gibt – Argumente, die sich mit dem eigentlichen Problem beschäftigen, die aber auch zeigen, dass schwierige Themen sich einordnen lassen, so dass die prophetische Berufung Joseph Smiths und die Kirche, an deren Wiederherstellung er beteiligt war, immer noch akzeptiert werden können. FairMormon.org beispielsweise – eine Organisation von Freiwilligen, der ich angehöre – veröffentlicht Artikel, eine Wiki, Podcasts, Videos und hält Konferenzen ab, die auf schwierige Themen Antworten geben. (Mein Buch zu dem Thema wurde von FairMormon auf Englisch veröffentlicht: Shaken Faith Syndrome: Strengthening One’s Testimony in the Face of Criticism and Doubt.) Nicht nur gibt es wichtige Argumente, die Antwort auf die Behauptungen von Kritikern sein können, sondern es gibt auch eine Vielzahl an Beweisen, die dafür sprechen, dass Joseph Smith ein Prophet war und dass die Grundlage des Buches Mormon authentische, historische Dokumente sind (ein paar dieser Argumente erläutere ich in meinem Buch Of Faith and Reason: 80 Evidences Supporting the Prophet Joseph Smith (engl.)).

Ein Problem jedoch besteht darin, dass diese Argumente und Beweise für den mormonischen Glauben von denen, die unter diesem „Vertrauensbruch” leiden, oft als irrelevanter Unsinn abgetan werden. Kann man ein Argument zunichte machen, finden sie einfach ein neues, das das alte ersetzt. Verwandelt sich das Gefühl des verletzten, „belogenen” Mitgliedes in das eines verletzten Ungläubigen, verringert sich die Fähigkeit, die schmerzlichen Gefühle wegzuschieben und auf die Argumente zu hören, gravierend.  

Jemand, der sich betrogen fühlt, wird den Antworten keinen Glauben schenken.

Das Sühnopfer kann uns heilen.

Wie schütze ich mich davor?

Wie bei einer Schutzimpfung, ist das ein Beispiel dafür, dass Vorbeugung besser als ein Berg an Heilmitteln ist:

Die Wahrscheinlichkeit, dass unser Zeugnis Schaden nimmt, ist geringer, wenn wir in einem gläubigen Rahmen mehr über die Anfänge der Kirche und die frühen Führer erfahren. In letzter Zeit haben wir gesehen, dass die Kirche – über lds.org – in proaktiver Herangehensweise Themen wie die Vielehe, den Seherstein Joseph Smiths, die Erste Vision und die Übersetzung des Buches Abraham zur Diskussion gestellt hat.

Diese vorsorglichen Maßnahmen sind wie eine Impfung. Indem die Mitglieder in einem Umfeld über möglicherweise kritische Themen erfahren, in welchem sie ihren Glauben bewahren können, führt das dazu, dass die meisten Mitglieder ihr Zeugnis stärken; dadurch können sie  feindseligen Darstellungen standhalten.

Manch einer mag sich fragen, weshalb solch eine „Schutzimpfung” heute, nach fast 200 Jahren seit der Wiederherstellung der Kirche, überhaupt notwendig ist. Warum erfahren wir erst jetzt von diesen „Stolpersteinen”? Warum nicht schon früher? Wurden wir wirklich belogen?

Die Antwort: Wir wurden nicht belogen.

Der Grund, weshalb viele Mitglieder sich mancher dieser Themen nicht bewusst waren, ist kompliziert; aber ich hoffe, es gelingt mir, darüber Aufschluss zu geben. Meiner Meinung nach lassen sich mindestens drei Faktoren herausarbeiten, die dazu beigetragen haben:

1) Defokussierung

2) Konzentration auf Alternativen

3) Allgemeines Nichtwissen

Erfahren wir, während unser Glaube heranreift, aus zuverlässigen Quellen über beunruhigende Tatsachen, wird unser Glaube geschützt.

Verschiedene Editionen des Buch Mormons

In unserer Schwäche

Meiner Meinung nach lässt sich die beste Schriftstelle, die uns hilft zu verstehen, wie Gott mit seinen Kindern kommuniziert, in Lehre und Bündnisse 1:24 finden:

„Siehe, ich bin Gott und habe es gesagt; diese Gebote sind von mir und sind meinen Knechten in ihrer Schwachheit, nach der Weise ihrer Sprache gegeben worden, damit sie Verständnis erlangen können.”

Wir Sterbliche können nicht alles, was mit Gott zu tun hat, vollkommen begreifen. Teil unseres Menschseins ist zwangsläufig, dass ein jeder von uns körperlich, geistig, emotional und selbst mental schwach ist. Wie wir die Welt sehen, hat Schwächen und wird durch unsere Umstände und von unserer Umwelt geformt. Unser Urteil ist verzerrt, es gibt Missverständnisse und falsche Annahmen.

Keine menschliche Sprache ist dazu fähig, unsere Ideen mit vollständiger Klarheit zu vermitteln. Erinnert euch daran, wie oft euch nicht das richtige Wort einfällt, um eure Gedanken auszudrücken, oder wie oft ihr missverstanden werdet – vor allem in einer E-Mail oder einem Text.

Trotz unserer vielen Schwächen weiß der Herr, wie er mit uns kommunizieren muss – indem er unsere Sprache verwendet, unsere Wörter, unser Weltbild, so dass er in uns und durch uns wirken und uns helfen kann, mehr wie er zu werden. Ähnlich wie ein Elternteil mit einem Kleinkind kommuniziert, spricht der Herr in unserer Sprache mit uns und verwendet eine Terminologie und Metaphern, die wir verstehen. Werden wir reifer (als Individuen und als Kollektiv), entwickelt sich auch unsere Sprache weiter und wir geben unsere kindliche Sprache auf.

Gott kommuniziert mit uns gemäß unserer Reife.

Abraham betet zu Gott

Weniger Wichtiges wird weniger betont (Defokussierung)

Zwar möchte ich in diesem Beitrag nicht weiter auf den Prozess der Übersetzung des Buches Mormon eingehen, möchte aber darauf hinweisen, dass der Herr Josephs Verständnis von den Sehersteinen nutzte (seine „Sprache”), um Joseph dabei zu helfen, die Goldenen Platten zu übersetzen. Als Josephs Verständnis des Evangeliums reifte, legte er die Sehersteine zur Seite, da er erkannte, wie er Offenbarung auch ohne sein früheres kindlicheres Übersetzungswerkzeug empfangen konnte.

Die Verwendung eines Sehersteins wurde weniger wichtig. Er wurde nicht bestritten, nur weniger betont, da er ein Relikt aus der Vergangenheit war, das rückblickend einfach eine Rolle als Werkzeug gespielt hatte, um Joseph dabei zu helfen, sich während seiner offenbarenden Kommunikation zu konzentrieren. Dadurch begannen künftige Generationen (in deren Weltanschauung Sehersteine keine Rolle mehr spielten), die Begriffe „Urim und Thummim” (was zu Josephs Zeit sowohl als Begriff für den Seherstein als auch die nephitischen Übersetzer gebraucht wurde) und die Übersetzer, die in der Steintruhe mit den Goldenen Platten waren, zu vermischen. Die Führer der Kirche logen bezüglich seiner Übersetzungsmethoden nicht, sondern die tatsächlichen Details gerieten vielmehr aus dem Fokus, je mehr sich die Schilderung des Übersetzungsvorgangs an die Sprache der nachfolgenden Generationen von Mitgliedern anpasste. Die Details waren denjenigen, die sich für Geschichte interessierten, noch immer zugänglich, und wir finden von Zeit zu Zeit auch den Seherstein Josephs in verschiedenen offiziellen und gewissermaßen offiziellen Publikationen der Kirche erwähnt (bspw. in einem Artikel im Friend aus dem Jahr 1974).

Die meisten Mitglieder der Kirche Jesu Christi sind, wie auch die meisten anderen Menschen, keine Historiker. Vor dem Internet und bevor es Scans historischer Dokumente gab, hatten selbst professionelle Historiker Probleme damit, manche Details der Vergangenheit zu finden. Das gewöhnliche Mitglied der Kirche (wie das gewöhnliche Mitglied einer jeden Gesellschaft) ist typischerweise historischen Kuriositäten gegenüber ignorant, außer die Nachrichten oder andere Kanäle berichten und es wird großer Wind darum gemacht.

Verschiedene Studien zeigen, dass die meisten Amerikaner z.B. mit vielen historischen, wissenschaftlichen und akademischen Themen nicht vertraut sind – Themen, die im Bereich von Allgemeinwissen liegen. In Anbetracht der Tatsache, dass viele Erwachsene traurigerweise wichtige geschichtliche Details ihres eigenen Landes nicht kennen, ist es verständlich, dass viele Mormonen manche weniger wichtigen (aber nach heutigem Ermessen sonderbaren) Aspekte ihrer Religionsgeschichte nicht kennen.

Auch dass die Kirche einen größeren Wert auf geistige als geschichtliche Themen legt, spielt dabei eine große Rolle. Was beispielsweise ist Sinn und Zweck der Sonntagsschule?

Institut Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Jeder, der schon einmal in der Sonntagsschule unterrichtet hat, weiß, dass das Hauptaugenmerk jedes Unterrichts darauf gerichtet ist, dass die Schüler den Geist spüren können, sich Gott stärker widmen, bessere Ehemänner, Ehefrauen, Kinder, Nachbarn, Geschwister usw. werden.

Die Leitfäden für den Unterricht konzentrieren sich darauf, dem Unterrichtenden zu helfen, dass der Heilige Geist in der Klasse anwesend ist. Themen müssen so präsentiert werden, dass auch ein Ungelehrter, das gewöhnliche Mitglied – ein Mitglied, das vielleicht gar kein Interesse an oder Verständnis von der Geschichte oder Wissenschaft hat oder sogar nur auf Grundschulniveau liest – es versteht.

Sonntagsschullehrer sind – wie auch Bischöfe, Kindergartenlehrer und Heimlehrer – Freiwillige. Und auch wenn einige überaus gebildet sind, kann die Kirche nicht annehmen, dass jeder, der zum Unterrichten berufen wird, plötzlich zum Geschichtsprofessor wird oder so anspruchsvoll denken kann, dass er sich nicht nur mit kritischen Themen beschäftigen, sondern diese auch frei diskutieren kann.

Die Unterrichtsmaterialien werden so geschrieben, dass jeder unterrichten und sie verstehen kann. Der Fokus dabei liegt auf der geistigen Belehrung.

Vor unseren Augen – und trotzdem verborgen

Ich sollte dennoch erwähnen, dass zwar vielen Themen von historischer Bedeutung weniger Beachtung geschenkt wurde, dass diese aber nicht aus Kirchenveröffentlichungen ausgeblendet wurden – auch nicht in den Unterrichtsmaterialien.

Beispielsweise haben sich das Magazin Ensign und dessen Vorgänger, Improvement Era, sowie verschiedene Leitfäden für die Sonntagsschule oder Publikationen der Universität der Kirche mit den meisten historischen Themen befasst.

Nur weil sie nicht immer im Fokus stehen, heißt das nicht, dass gelogen wird.

In meinem Buch Shaken Faith Syndrome zitiere ich jemanden, der behauptet, dass die Kirche „verzweifelt” zu vertuschen versucht, dass Joseph die Vielehe praktizierte. In Wahrheit wurden diese Ehen in zahlreichen Ensign-Artikeln und selbst in der 2007-Ausgabe von „Lehren der Präsidenten der Kirche” erwähnt.

Bill behauptet, dass er nie davon gehört hätte, dass während der Übersetzung des Buches Mormon Joseph einen Seherstein verwendete (etwas, was ich auch von einigen anderen gehört habe, die mit ihrem Glaube zu kämpfen hatten), doch Elder Dallin H. Oaks sprach 1987 in einem Ensign-Artikel darüber. In einem Beitrag von FairMormon (auf Englisch) finden wir eine beeindruckende Liste mit schwierigen Themen und wo sie in Veröffentlichungen der Kirche erwähnt wurden.

Viele weniger bekannte Tatsachen aus der Kirchengeschichte wurden in Medien der Kirche erwähnt.

Kommt zu Christus

Warum werden diese Dinge in der Kirche nicht mehr behandelt? Was soll aus einem Sonntagsschulunterricht über die (teilweise lückenhafte) Geschichte der Vielehe in der Kirche Gutes geschehen? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Unterrichtende das Thema so versteht und darstellt, dass die Fragen aller Teilnehmer beantwortet und Bedenken ausgeräumt werden und der Geist, der durch das sühnende Opfer Christi kommt, in der Klasse vorherrscht?

Seine Gnade ist ausreichend

Indem sie sich auf die errettenden Prinzipien statt auf die historischen Details konzentriert, bewahrt sich die Kirche ihre ursprüngliche Mission, Menschen zu Christus zu bringen. Und auch die Generalautoritäten wurden einst von diesen freiwilligen Lehrern unterrichtet. Auch für sie gibt es keine besondere Ausbildung.

Die an höchster Stelle werden durch Offenbarung berufen, die auf der Würdigkeit des Individuums und dessen Bereitschaft (darunter auch Erfahrungen der Vergangenheit) beruht. Diese Berufungen haben nichts mit akademischen Errungenschaften zu tun oder damit, wie viel Einblicke jemand in die Geschichte der Mormonen hat. Die Führer sind nicht notwendigerweise besser über historische Themen informiert als andere Mitglieder. Die fehlende Ausbildung zu diesen historischen Themen garantiert vielmehr, dass nur wenige Mitglieder davon wissen.

Das Internet hat die Schatzkammern und Fenster geöffnet und Dinge beleuchtet, die einst verloren waren. Dabei wird der Kontext einer Information oft nicht automatisch gegeben. Kontext jedoch ermöglicht Interpretation – und Interpretation kann unterschiedlich ausfallen.

Leider schließen manche Mitglieder – die diese Informationen zum ersten Mal entdecken – daraus, dass sie „belogen” wurden, und diese neue Information enthüllt einen Mormonismus, den sie nicht kennen, der aber die geistigen Ansprüche der Kirche untergräbt.

Solche Reaktionen zu sehen ist traurig. Eine solche reflexartige Reaktion basiert

  1. eher auf Gefühlen als auf kritischem Denken,
  2. auf der falschen Annahme, dass Information bewusst zurückgehalten wurde und
  3.  auf der falschen Schlussfolgerung, dass A. diese neuen Einsichten automatisch Gegenargumente entkräften und B. Beweise, die für die Sichtweise der Kirche sprechen, diskreditieren und letztendlich ein geistiges Zeugnis für ungültig erklären.

Nicht all die Informationen, die wir im Internet finden, sind verlässlich. Wie können wir beurteilen, was stimmt?

Antworten aus dem Internet vertrauen. Wirklich?

Studium und Glaube

Religionswissenschaftler der Kirche Jesu Christi und Studenten freuen sich über Dokumente, die einst schwer von den besten Wissenschaftlern zu finden waren. Nichts, was diese gläubigen Gelehrten und Historiker gefunden haben, ist das Endgültige für die Kritiker. Betrachten wir historische Funde mit gläubigem Auge, helfen sie uns, die Menschen aus der Gründungszeit unserer wiederhergestellten Religion besser zu verstehen und zu verstehen, wie der himmlische Vater mit Männern und Frauen, die wie wir ganz menschlich waren, Wunder bewirkte.

Das Heilmittel für geistigen Abfall ist eine bessere Bildung.

Für diejenigen, die sich an Johns Stelle wiederfinden, die jemanden kennen, der das Gefühl hat, belogen worden zu sein, ist es wichtig, anzuerkennen, dass der Schmerz und die Sorge, die der andere fühlt, real sind. Es hilft nicht, dem Kummer und den Bedenken mit Verachtung zu begegnen. Wir können mitfühlend sein. Es ist zwar nicht die Schuld der Kirche, dass der geliebte Mensch nichts von einem Thema gewusst hat, aber es ist auch nicht seine Schuld. Für ihn sieht es vielleicht aus, als ob die Kirche gelogen hätte.

Darüber zu streiten bringt sicher nichts, da Streit vom Teufel kommt (3 Nephi 11:29).

Am besten ist es, mit aufrichtiger Liebe und indem man sich auf den Geist verlässt, zu zeigen, dass die Kirche nicht gelogen hat, da:

A. diese Themen in Veröffentlichungen der Kirche angesprochen wurden

B. der Studienplan (Sonntagsschule, FHV, Priestertumsklassen) sich darauf konzentriert, uns näher zu Christus zu bringen

C. es logische Antworten gibt und sich diese Themen erklären lassen, ohne dass der Wahrheitsanspruch der Kirche verloren geht.

Wenn wir erkennen, dass nur weil etwas weniger im Fokus stand, es nicht mit Unehrlichkeit gleichzusetzen ist, dann können wir unsere verletzten Gefühle, unsere Angst und mutmaßliche Untreue beiseite tun und uns für die wertvollen Einsichten, die mit dem erneuerten Interesse an der frühen mormonischen Geschichte kamen, öffnen. Dadurch können wir für die Einflüsterungen des Geistes empfänglicher werden, die bezeugen, dass Jesus Christus wahrhaftig diese Kirche führt.


Michael R. Ash

Michael R. Ash ist der Autor von Shaken Faith Syndrome: Strengthening One’s Testimony in the Face of Criticism and Doubt und Of Faith and Reason: 80 Evidences Supporting the Prophet Joseph Smith. Artikel von Mike wurden bereits im Ensign, im Sunstone Magazine, Dialogue: A Journal of Mormon Thought und in FARMS Review veröffentlicht. Mike arbeitet bei FairMormon und war als Kolumnist bei Deseret News für Mormon Times tätig.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und teilweise gekürzt. Er wurde ursprünglich am 10.3.15  auf mormonhub.com unter dem Titel „Healing When Trust is Broken with The Church” veröffentlicht. Der Autor ist Michael R. Ash. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

German ©2017 LDS Living, A Division of Deseret Book Company | English ©2017 LDS Living, A Division of Deseret Book Company  

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