Sicherlich wirke ich von außen betrachtet nicht besonders typisch für ein Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Ich bin eine Schriftstellerin und schreibe Horrorbücher, ich habe nur ein Kind und mein Haus sieht ständig katastrophal aus. Wenn jemand herausfindet, dass ich Mormone bin, sagen sie nicht: “Ach, das dachte ich mir schon. Du wirkst wie ein Mormone.” Sie schauen mich meist mit großen Augen an und sagen: “Wusste nicht, dass sie Leute wie dich überhaupt rein lassen!”

Ja, in der Tat: Sie lassen auch Leute wie mich rein.

Ich möchte nun nicht versuchen, eure Seele zu retten oder euch irgendeinen Quatsch mit Soße zu verkaufen. Ich möchte euch die nackte Wahrheit sagen (wie ich sie sehe). Vielleicht werdet ihr besser verstehen, warum Mormonen tun, was sie tun, wenn ihr die Geheimnisse der Kirche kennt.

1. Mormonen unterziehen ihre Kinder einer Gehirnwäsche

Schriftenstudium mit der Familie

Schon von ganz jungen Jahren an werden den Kindern Grundsätze der Kirche beigebracht, die dafür sorgen, dass sie die Realität völlig anders sehen, als die meisten Menschen um sie herum. Ihr glaubt mir nicht? Fragt irgendein Kind etwas über Gott oder Kirchenlehre und ihr erhaltet jedes Mal die gleiche abgedroschene Antwort.

Ein Beispiel:

Frage: “Was können wir tun, wenn wir verwirrt sind, um die richtige Entscheidung zu treffen?”

Antwort: “Sich selbst darüber Gedanken machen, in den Schriften lesen, beten, in die Kirche gehen, auf den Heiligen Geist hören.”

Frage: “Wie können wir Jesus Christus besser kennen lernen?”

Antwort: “Sich selbst darüber Gedanken machen, in den Schriften lesen, beten, in die Kirche gehen, auf den Heiligen Geist hören.”

Okay, man kann sich über den Wert dieser abgedroschenen mormonischen Antworten streiten, aber untersuchen wir ihre Vielseitigkeit mal etwas genauer:

Wie können wir Gott näher kommen? Wie können wir Antworten auf die Fragen des Lebens finden? Wie können wir positive Beziehungen zu anderen pflegen? Wenn man irgendeine religiöse Person auf der Welt fragen würde – selbst Leute, die nicht Mormonen sind – würden sie wahrscheinlich sagen, dass die Mormonenkinder-Antworten in den meisten Fällen zu Frieden und Verständnis führen. Natürlich haben sie auch ihren Wert.

Wir unterziehen unsere Kinder generell regelmäßiger Gehirnwäsche und uns selbst eigentlich auch. Wenn wir ihnen zum Beispiel das Alphabet beibringen und sie lehren, bis 20 zu zählen. Wenn wir uns aber den großen Prüfungen im Leben gegenübergestellt sehen, zu Zeiten, wo es einfach ist, vom Weg abzukommen und die Hoffnung aufzugeben, dann sind diese Antworten diejenigen, die uns als Anker dienen können und uns wieder Hoffnung machen und Verzweiflung vertreiben können. Auf einen guten Gott im Himmel zu vertrauen, der uns nur das ertragen lässt, was gut für uns ist und wir überwinden können, würde allen Menschen in Zeiten der Not Rückhalt und Zuversicht geben.

2. Frauen und Männer werden NICHT gleich behandelt

Respekt vor der Ehe

In der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage werden Frauen und Männer nicht gleich behandelt. Die Männer haben kirchliche Führungspositionen inne, vor allem die Instandhaltung von Gebäuden, finanzielle Berichtsführung und repräsentative Aufgaben. Frauen wird Verantwortung über Frauen und Kinder gegeben und darüber, dafür zu sorgen, dass die Männer ihre Aufgaben erledigen.

Außenstehende denken manchmal, dass die Kirche Frauen erniedrigt, weil sie Frauen nicht die Rolle von Patriarchen, Bischöfen und Priestern überträgt. Diese Leute fordern, dass Frauen, um gleichberechtigt zu sein, die genau gleichen Rollen haben sollen wie Männer.

Leider gehen diese Individuen von der ein oder anderen falschen Annahme aus:

A) Fair bedeutet gleichberechtigt.

B) Die einzige Art, das menschliche Recht auf Freiheit zu bewahren, besteht darin, dass vollständige Gleichheit herrscht.

In der Kirche Jesu Christi werden Frauen und Männer nicht gleich behandelt. Ganz wie in einer Ehe hat jeder eine unterschiedliche Rolle und Verantwortung. Und in jedem Haushalt gibt es eine eigene Version dieser Rollen-/Geschlechterverteilung. In meinem Haus bringt mein Mann den Müll raus und ich tue neue Mülltüten in die Mülleimer. Nicht weil er besser ist als ich, oder weil ich ein größeres Verantwortungsbewusstsein als er habe. Sondern weil es auf diese Weise besser funktioniert.

Im Haus des Herrn betreuen Frauen Kinder, kümmern sich um andere Frauen, sorgen für Musik, unterrichten und predigen von der Kanzel. Männer taufen, geben Segen und werden Bischöfe, Patriarchen und dienen in anderen Rollen des Priestertums. Nicht deswegen, weil ein Geschlecht mehr wert oder besser qualifiziert wäre. Es gibt einfach eine Rollenverteilung, um die Organisation eines funktionierenden Haushalts zu gewährleisten.

Dies bedeutet nicht, dass Frauen keine Führungspositionen in der Kirche Jesu Christi innehaben. Sie leiten die Frauenhilfsvereinigung, die größte und älteste Frauenorganisation der Welt. Sie leiten die Primarvereinigung, die Organisation für die Kinder und sie leiten die Organisation der ‘Jungen Damen’, eine Gemeinschaft von Mädchen im Alter zwischen 12-18 Jahren. In jedem dieser Bereiche sind wir darauf angewiesen, dass Frauen Führungspositionen einnehmen, leiten und lehren. Ihre Stimmen werden gehört und das, was sie leisten ist für Menschen überall auf der Welt unglaublich wertvoll.

3. Mormonen glauben nicht an einen Moralischen Relativismus

Urknall oder nicht Urknall?

In der Physik gibt es Gesetze. Unabänderliche Gesetze, die sich nicht ausschalten lassen. Die Schwerkraft verändert sich und reagiert auf Gegebenheiten, aber sie hört nie auf zu wirken. Aktionen verwenden Energie und führen zu entsprechenden Reaktionen. Dies ist überall gültig, egal wo man in unserem Universum hinschaut.

Als Heilige der Letzten Tage glauben wir, dass auch Gottes Gesetze unabänderlich sind. Wir glauben, dass das Universum auf dem Konzept von Glauben, Liebe und Taten aufgebaut ist. Wir glauben, dass Licht und Dunkelheit völlig gegensätzlich und zugleich in jedem Menschen vorhanden sind. Wir glauben, dass die Fähigkeit, zwischen diesen gegensätzlichen Kräften zu entscheiden (“der freie Wille”), das wertvollste Geschenk auf diesem Planeten ist und dass Gott sich nicht einmischen wird, wenn wir unsere Fähigkeit [richtig zu handeln] durch unsere täglichen Entscheidungen unter Beweis stellen.

Es gibt zweierlei Arten von Entscheidungen: die, die Gott in den Mittelpunkt stellen (oder die Liebe) und die, die uns selbst in den Mittelpunkt stellen (oder den Egoismus). Egoistische Entscheidungen (der “iß, trink und sei glücklich-Plan”) werden unserem angestammten Zweck im Leben nicht gerecht und wenn wir alle einmal tief in uns hinein hören, wissen wir das auch ganz genau. Unser eigenes Vergnügen steht dabei im Mittelpunkt, und dies führt schlussendlich zu persönlichem Elend. Ich spreche nicht über eine Feuergrube mit einem gehörnten Teufel und seiner monströsen Gabel in der Hand. Ich spreche über endloses Bedauern. Über tiefe Verbitterung. Über verzehrende Selbstvorwürfe. Dieses Elend sind die Früchte die wir ernten werden, wenn wir unsere eigenen Wünsche über Gottes Gesetz der Liebe stellen.

Gott-fokussierte Entscheidungen helfen uns dabei, uns darin zu verbessern, andere wahrhaft zu lieben. Diese Entscheidungen führen zu einem größer werdenden Licht, zu Güte und der Fähigkeit, anderen zu helfen. Diese Entscheidungen führen zu wahrer Freiheit. Nicht die Freiheit, immer den ganzen Mist zu tun, den wir tun wollen. Das ist die Definition von Freiheit, die in der Welt vorherrscht, und diese “freien” Menschen sind oft sehr unglücklich. Nein, das Rechte zu wählen hilft dir, so viel Gutes zu tun, das Liebe und Güte in die Welt bringt, wie du möchtest. Es führt zu beständigem inneren (und äußeren!) Frieden und Freude.

Und daher können wir nicht auf der Seite einer Welt stehen, die sagt, dass es in Ordnung ist, alles zu tun, was man tun möchte. Es ist nun einmal so, dass wir nicht wissen, wem unsere Entscheidungen schaden und wir möchten oft Dinge, die uns kurzfristige Befriedigung bringen und selten die, die uns auf lange Zeit Freude bringen werden. Obwohl es uns nicht so vorkommt, als ob unsere eigennützigen Entscheidungen irgendjemanden verletzen, wissen wir nicht, welche Auswirkungen sie auf unsere Zukunft, unsere Ehe, unsere Kinder oder Enkelkinder haben werden.

Aber Gott weiß es. Und deswegen hat er uns weise Werkzeuge an die Hand gegeben (Schriften, Gewissen, guten Ratschlag, und was-auch-immer-es-ist-das-dir-sagt-dass-man-keine-Babys-stehlen-soll), die uns helfen sollen, Entscheidungen aus Liebe zu treffen. Ist es dabei so falsch, sein Herz zu reinigen und regelmäßig seinen Verstand (Gehirn) zu waschen?

Aus tiefstem Herzen und mit himmlischen Plätzchen

Mormonen sind nicht dazu da, dass du dich schlecht fühlst. Wir applaudieren uns nicht selbstgefällig, wie erstaunlich wir sind oder bemitleiden dich und andere, weil ihr nicht so gut seid, wie wir es sind. Wir klopfen nicht an Türen, weil wir die Mitgliedszahlen steigern wollen oder wir damit irgendein Wettrennen gewinnen können.

Wir erzählen den Menschen, was wir wissen, weil wir davon überzeugt sind, dass es langfristige Freude bringt. Wir glauben daran, dass uns die Gesetze von Gott als Richtlinien gegeben wurden, so dass wir Glück in dieser Welt und in der nächsten finden können. Das ist alles, was wir wollen: es mit Leuten wie dir zu teilen. Alles, was wir wollen, ist, unsere Geheimnisse preiszugeben und anderen die Gelegenheit zu geben, diese Geheimtipps für sich selbst auszuprobieren.

Und natürlich backen wir auch unglaublich gute Plätzchen.

Mormonen backen die besten Kekse.


Dieser Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt von Kristina Vogt. Das Original von Willow Becker findest Du auf weirdlittleworlds.com.

Mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage findest Du auf der offiziellen Website mormon.org.