Als Musiker verbringe ich viel Zeit damit, Werbung für meine Musik und meine Videos zu machen – aber nichts davon ist damit vergleichbar, Werbung für meinen Glauben zu machen.

Vor ein paar Jahren saß ich in der Sonntagsschule der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Der Missionsleiter betrat mit ernster Miene den Raum. Er hatte eine Kiste Bücher Mormon dabei und gab jedem von uns ein Exemplar. Er forderte uns dazu auf, das Buch jemandem in der kommenden Woche zu geben und am folgenden Sonntag zu berichten, wem wir das Buch gegeben hatten.

Ich hatte in dieser Woche einen Auftritt mit meiner Band bei einer Wohltätigkeitsorganisation die sich „Treuhand des Prinzen” (The Prince’s Trust) nannte. Jedes Jahr werden bei dieser Veranstaltung die Leistungen der Kinder der Gegend gefeiert.

Während wir auf Tour waren, schlug jemand laut an meine Türe und jemand schrie: „Beeilt euch. Prinz Charles möchte alle treffen.”

Wir dachten, das sei ein Witz, da jemand in seiner Position eigentlich nicht zu der Veranstaltung erwartet wurde. Ich sah aus dem Fenster und sah einen Helikopter, der gerade landete, und dann Prinz Charles und seine Begleiter.

Wir zogen uns an und beeilten uns, zum Empfangsbereich zu gelangen, um Prinz Charles zu treffen. Jeder Engländer weiß, was man tut, wenn man ein Mitglied des Königshauses trifft. Frauen machen einen Knicks und Männer verbeugen sich, man spricht nur, wenn man angesprochen wird und man reicht nicht einmal die Hand, außer der andere tut es zuerst. So etwas wird jedem von Kind auf beigebracht.

Alex Boye Prinz Charles verbeugen

Als ich die Treppe hinunter rannte, hatte ich plötzlich das Gefühl, zurück nach oben gehen zu sollen, aber ich wusste nicht, warum. Ich rief meinen Bandmitgliedern zu, sie sollten vorausgehen und sich in die Reihe stellen und dass ich nachkommen würde. Ich ging in mein Zimmer, schaute mich um und fragte mich: „Und jetzt?” Dann sah ich das Exemplar des Buches Mormon, das der Gemeindemissionsleiter mir gegeben hatte. Ich schnappte es mir, steckte es in meine Gesäßtasche und beeilte mich, wieder nach unten zu kommen.

In der langen Reihe standen Köche, Putzleute und berühmte Persönlichkeiten und warteten darauf, dass Prinz Charles sie grüßte. Als ich dort stand und wartete, versuchte ich, mir etwas Geistreiches einfallen zu lassen, was ich sagen könnte, damit Prinz Charles mich niemals vergessen würde. Endlich war er bei mir angelangt und ich hatte einen völligen Aussetzer. Der tolle Kommentar, den ich mir überlegt hatte, war weg. Er ging höflich wie er war zur nächsten Person weiter. Der Moment war vorbei.

Als er zum Helikopter zurückging, um wieder wegzufliegen, hatte ich das starke Gefühl, dass ich Prinz Charles das Buch in meiner Tasche geben sollte. Ich fragte mich: „Wie schaffe ich das?” Er war weitergegangen und man darf seinen Platz nicht verlassen, bis er den Raum verlassen hat. Ich fragte mich, wie ich seine Aufmerksamkeit bekommen konnte, ohne respektlos zu wirken.

Also tat ich das Erste, was mir einfiel: Ich fing an mit den Armen zu winken, schrie nach Prinz Charles und verließ meinen Platz in der Reihe. Ich hatte es getan. Ich hatte drei Regeln gebrochen. Mir wurde plötzlich bewusst, was ich getan hatte und ich ging wieder an meinen Platz zurück und senkte peinlich berührt den Kopf.

Das Buch Mormon in vielen Sprachen.

Während ich immer noch den Kopf gesenkt hielt, tauchten plötzlich zwei große Füße vor mir auf. Ich schaute hoch und sah zu meiner Überraschung Prinz Charles. Ich versuchte mich zu fassen und sagte: „Im Namen meiner Kirche möchte ich Ihnen gerne etwas schenken.”

Als ich nach dem Buch hinter meinem Rücken griff, bekamen die Sicherheitsleute Panik, weil sie annahmen, ich würde etwas Gefährlicheres hervorholen. Es gelang mir, das Buch aus meiner Tasche zu holen und ich streckte es ihm entgegen – und brach die vierte Regel. Er schaute sich das Buch eine gefühlte Ewigkeit lang an und nahm es dann an sich.

Er schaute es sich an, hielt es vor seine Brust und sagte mir, dass das wohl eine interessante Lektüre werden würde.

„Das wird es”, sagte ich, „Vielleicht lesen Sie es im Helikopter auf dem Nachhauseweg.”

Er sagte mir, dass er das vielleicht tun würde. Dann ging er.

Die Journalisten bombardierten mich mit Fragen, weil sie wissen wollten, was ich Prinz Charles gegeben hatte. Ich sagte ihnen, dass es das Buch Mormon, ein weiterer Zeuge für Jesus Christus, gewesen sei und fing dann an, die erste Lektion im Fernsehen zu lehren.

Am darauffolgenden Sonntag bat uns der Gemeindemissionsleiter darüber zu berichten, was wir mit dem Buch Mormon getan hatten. Ich sagte, dass ich mein Exemplar Prinz Charles gegeben hätte, aber niemand glaubte mir.

An jenem Abend schaltete ich den Fernseher an und sah das Filmmaterial, in dem ich über das Buch Mormon sprach. Und sofort fing mein Telefon an zu läuten – es war der Gemeindemissionsleiter, der außer sich war. Ich denke, er fing an mir zu glauben.

Wer hätte jemals gedacht, dass jemand wie ich, der versucht, für seine Musik zu werben, mit Mitgliedern des Königshauses zusammenkommen würde und über seinen Glauben sprechen dürfte? Der Herr bedient sich gewöhnlicher Menschen, um ganz Außergewöhnliches zu erreichen.  Dank der Aufforderung unseres Gemeindemissionsleiters hatte ich den Mut, für meinen Glauben einzustehen und einem Mitglied des Königshauses ein wahrhaft königliches Geschenk zu machen.


Alex Boyé

Alex Boyé ist ein international bekannter Sänger. Er liebt das Evangelium, seine Familie und seine Musik. Auf Facebook finden Sie ihn unter www.facebook.com/alexBoyémusic.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 23.4.12  auf deseretnews.com unter dem Titel „Prince Charles and the Book of Mormon” veröffentlicht. Der Autor ist Alex Boyé. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

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