Bevor ich heiratete, habe ich oft gehört, dass das erste Ehejahr das schwerste sei. Demgemäß habe ich wohl gerade das schwerste Jahr meiner Ehe hinter mir. Oft habe ich es aufrichtig genossen, mit dem Mann meiner Wahl verheiratet zu sein; aber trotzdem sehe ich natürlich, inwiefern man sich anpassen muss, wenn man das eigene Leben mit dem eines anderen in Einklang bringen möchte. Ich habe vieles gelernt, das vielleicht auch für den ein oder anderen hilfreich sein könnte, der die Tage bis zu dem einen großen Tag noch zählt. Ich glaube, dass denjenigen, deren erstes Ehejahr schon lange zurückliegt, vieles bekannt vorkommen wird. Aus der Perspektive von unzähligen Ehejahren, muten die Probleme Frisch-Verheirateter sicherlich fast schon amüsant an.

Lektion 1: Wie man einem Elch das Fell abzieht. Nein, natürlich nicht. Das habe ich zwar wirklich gelernt (das Bild unten wurde nur einige Stunden vor meinem ersten Jagderfolg geschossen), aber da diese Lehre vielleicht nicht ganz so allgemeingültig ist, lasse ich sie vielleicht besser weg. Sie hat aber mit der ersten Lektion zu tun:

1 Wir sind zwei sehr unterschiedliche Menschen

Das gilt für jedes Paar auf der Welt, das sich dazu entscheidet zu heiraten und es trifft auch auf uns zu. Würde ich mir etwa einfallen lassen, dass wir uns den Hintern am nördlichen Polarkreis abfrieren, um darauf zu warten einen Elch zu schießen? Wahrscheinlich nicht. Aber es war ein Abenteuer und etwas, worauf mein Mann sich sehr freute und eine Erfahrung, die ich mit ihm teilen wollte. Würde er hingegen sich aussuchen, zwei Wochen lang Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, sich Häuser aus dem 19. Jahrhundert anzuschauen und etwas über Geschichte zu lernen? Wahrscheinlich nicht. Aber es hat mir viel bedeutet, dass er mitkam, und er hat jeden Tag großen Wert darauf gelegt mir zu sagen, was ihm am jeweiligen Tag Spaß gemacht hatte. Findet hier einige Ideen für eine sinnvolle Freizeitgestaltung. 

verheiratet sein

Natürlich spielen Unterschiede zwischen zwei Menschen im alltäglichen Trott eine größere Rolle, aber im Endeffekt verhält es sich damit gleich: Indem wir Unterschiede akzeptieren, wird das Leben zu einem wundervollen Abenteuer. Ein Teil von mir ist ziemlich faul, ein anderer eher aktiv und, ehrlich gesagt, habe ich manchmal ganz schön die Nase voll davon, dass mein Mann immer etwas unternehmen muss. Aber ich habe es noch nie bereut, wenn wir Wandern, Radfahren, Spazieren oder Schwimmen gegangen sind, nachdem er mich dazu überredet hatte (und selbst als ich einmal  von einem Stachelrochen gestochen wurde, war ich froh, dass wir zum Strand gefahren waren anstatt zu Hause zu bleiben). Unsere jeweiligen Unterschiede sind eine Möglichkeit, uns gegenseitig herauszufordern und auf Gebieten Fortschritt zu machen, die ansonsten unberührt blieben. Das Geheimnis besteht darin, den anderen genug zu lieben, um auch einmal aus sich herauszugehen.

2 Es ist schön, wenn jemand an dich denkt

Ich erinnere mich daran, dass ich an einem besonders schlechten Tag – ich habe vergessen, was ihn so schlecht machte – nach Hause kam und mich aufs Sofa plumpsen ließ. Mein Mann war gerade in der Küche und merkte sofort, dass es ein schlechter Tag gewesen war. Aufmerksam fragte er mich: „Soll ich dir einen bengalischen Gewürztee machen und im Fernsehen Akte-X einschalten?” Meine Augen füllten sich mit Tränen, als ich das hörte, nicht weil es ein so schlimmer Tag gewesen war, sondern weil er genau wusste, was mir helfen würde.

Ein Privileg von Ehepartnern ist es, sich besonders tiefgründig kennenzulernen, aber es ist auch schön, wenn man weniger in die Tiefe geht – zum Beispiel, wenn man einfach wahrnimmt, wie sehr der andere Popcorn mag oder Käsekuchen oder Podcasts über das Leiten eines Unternehmens. Vielleicht hat das keine direkten Auswirkungen auf unsere Errettung, aber es fühlt sich so vertraut, sicher und liebevoll an, wenn an einen gedacht wird, man jemanden hat, der sich merkt, was man gerne mag und der einen so liebt, dass er einem das manchmal auch gibt.

3 Es ist ein schreckliches Gefühl, falsch verstanden zu werden

Sich so gut zu kennen, kann auch ein Nachteil sein – es fühlt sich zum Beispiel furchtbar an, wenn etwas Falsches in etwas hineininterpretiert wird, was man getan hat, oder es missverstanden wird. Und damit meine ich nicht so etwas wie „Du erinnerst dich nicht mehr daran, dass ich Schokolade mag?” sondern eher: „Warum denkst du, dass ich nicht genug Verantwortungsgefühl besitze, die Rechnung von der Versicherung rechtzeitig zu bezahlen?”

Manchmal ist es ziemlich schwierig, dass immer jemand da ist und Einfluss auf das eigene Leben nimmt, den man aber nicht kontrollieren kann, wie man sich selbst kontrolliert. Du weißt einfach nicht, ob er an die eine wichtige Sache denken wird, weil du nicht in seinem Kopf steckst und sehen kannst, dass er heute schon drei Mal daran gedacht hat, auch wenn es von außen nicht den Anschein erweckt. Wichtig ist, dass man sich in Erinnerung ruft, weshalb man den anderen bewundert, welches Vertrauen man bisher aufgebaut hat – und dieses Vertrauen auch ausdrückt.

Robert D. Hales und seine Frau

Ich möchte, dass er an meine Stärken glaubt, so wie ich weiß, dass er möchte, dass ich an ihn glaube. Ich habe herausgefunden, dass man lieber mit dem Vertrauen falsch liegt als jemandem von vorn herein kein Vertrauen zu schenken. Zu wissen, wie es sich anfühlt, unterschätzt zu werden, ist Motivation genug, alles daranzusetzen, um den Partner zu verstehen und zu ermutigen.

4 In einem Streit geht es eigentlich nie um das, worum man streitet

Zu meiner Brautparty hat meine Tante mir ein Körbchen mit Kerzen geschenkt. Jeweils zwei hatten die gleiche Farbe. Zu jedem Paar gab es ein schlaues Gedicht, in dem bestimmt wurde, wann die Kerzen angezündet werden sollten: erster Valentinstag, erster Gast, erster Jahrestag usw. Es gab auch Kerzen, die nach dem ersten Streit angezündet werden sollten. Wir gewöhnten uns an, dass während einer angespannten Diskussion immer einer fragte: „Oh nein! Müssen wir jetzt die Streit-Kerzen anzünden?”

Bis jetzt haben wir sie noch nicht angezündet. Aber einmal kam es fast dazu – und es ging um etwas, was eigentlich gar nicht wichtig war.

Ich möchte behaupten, dass der Grund eines Streits eigentlich nie so einfach ist, wie es oberflächlich scheint – es geht nicht wirklich darum, ob die Klobrille hochgeklappt ist oder nicht, oder ob Senf in den Kühlschrank gehört; durch den Streit äußert sich vielmehr, dass man sich bestätigt, geborgen und verstanden fühlen möchte.

5 Denke nach, bevor du etwas sagst

Angesichts der Tatsache, dass die Aussagen, die man in einer Auseinandersetzung macht, oft nicht mit der tatsächlichen Meinung zu einem Thema übereinstimmen, ist es ratsam nachzudenken, bevor man etwas ausspricht. Ich kam einmal nach einem wirklich anstrengenden Tag und langer Fahrt nach Hause und musste feststellen, dass mein Mann unseren einzigen Wohnungsschlüssel verloren hatte. Ich hatte wirklich nur gerade genug Energie, mich in die Wohnung zu schleppen und auf dem Sofa zusammenzubrechen; der Gedanke daran, auch nur irgendetwas anderes tun zu müssen – vor allem ein Problem zu lösen – war furchtbar.

Mein Mann muss sich ändern!

Ich war müde und wütend und meine Gedanken waren nicht sonderlich nett und auch nicht realitätsnah, aber irgendwie konnte ich die mentale Kraft aufbringen, mich selbst zu fragen: „Ist es wirklich wichtig, jetzt mit ihm zu schimpfen und deine Meinung zu sagen, oder ist es wichtiger, dass er das Gefühl hat, dass er immer ehrlich zu dir sein kann, wenn etwas schiefgeht?”

Ich entschied mich also nichts zu sagen. Und wisst ihr was? Es stellte sich heraus, dass der Schlüssel nur ganz weit unten in seinem Rucksack war; wir konnten also nach nur wenigen Minuten ins Haus gehen. Das Ganze hätte dazu führen können, dass unser Vertrauen in einander geschwächt worden wäre; schlussendlich war die Konsequenz nur, dass ich zehn Minuten später ins Bett konnte.

Wenn man wütend auf jemanden wird, den man liebt, lohnt es sich, bevor man etwas sagt, einen Moment innezuhalten, um sich in die Lage des anderen zu versetzen und zu überlegen, ob der Grund wirklich wichtig genug ist, um einen Streit zu beginnen.

6 Die Bedeutung von Ritualen in der Ehe

Laut einem Sprichwort bleiben Paare, die zusammen beten, auch zusammen, und das stimmt (auch wenn mein Mann gerne sagt, dass immer er mit Beten an der Reihe zu sein scheint…). Ich denke aber, dass es auch großen Spaß macht, andere Routinen und Rituale als Paar zu entwickeln. Beispielsweise gehen wir jeden Sonntagabend nach dem Essen zusammen spazieren. Es regt nicht nur die Verdauung nach einem sonntäglichen Festmahl an, sondern hilft uns auch, ein kleines „Auswertungsgespräch” zu führen. Wir haben diesen Moment geschaffen, um über alles zu sprechen, was besprochen werden muss – friedlich und ruhig – und ehrlich und offen Dinge zu diskutieren, die ausgesprochen werden müssen. Ich liebe diese Spaziergänge. Ich hoffe, dass wir diese Tradition auch noch in ferner Zukunft aufrecht erhalten können.

Wenn wir als Paar gemeinsam etwas unternehmen und Zeit für uns und unsere Beziehung schaffen, führt das zu Einigkeit. Wenn wir einig sind, unterstützen und verteidigen wir einander und wenn wir das tun, wachsen wir gemeinsam.

7 Gemeinsame Ziele

Wundermittel in der Ehe

Aus einer Laune heraus spendierte ich meinem Mann zu Weihnachten zwei Wochen Boxtraining und als er schließlich Zeit hatte, es zu nutzen, hatte ich mir das gleiche gegönnt. Es freut ihn, wenn wir gemeinsame Interessen haben, und auch mich (auch wenn es manchmal mit Anstrengung verbunden ist), aber es ist etwas ganz Besonderes, etwas Neues gemeinsam lieb zu gewinnen. Wir lieben Boxen. Wir gehen zu zwei Boxsäcken, die nebeneinander hängen, und motivieren uns gegenseitig, härter zu arbeiten und besser zu werden. Zur Zeit lernen wir zusammen Spanisch und es ist bueno. Wir sprechen auf Anfängerniveau Spanisch, aber dass wir zusammen daran arbeiten, motiviert mich weit mehr, als wenn ich es alleine täte.

All das sind eher Hobbys, aber sie schaffen die Basis dafür, auch in wichtigeren Dingen auf das Leben hinzuarbeiten, das wir zusammen haben wollen: uns gesund ernähren, in Form sein, Geld sparen, unsere beruflichen Ziele erreichen. Wir sind uns gegenseitig rechenschaftspflichtig (und versuchen, nicht zu grummeln, wenn der andere einem ab und zu einen Schubs in die richtige Richtung gibt) und helfen einander zu wachsen. Feuer hat zwar die Eigenschaft zu läutern, aber auch Wärme zu spenden.

8 Wie schön, den besten Freund immer bei sich zu haben

Wir waren erst ein paar Monate verheiratet, als wir wandern waren und zufällig ein Seil fanden, das wir zum Schaukeln verwendeten. Der Abend war sowieso bereits wunderschön, goldener Sonnenuntergang und Blätter, die sich rot färbten. Es war ein Moment voll neugieriger Entdeckung und romantischer Spontanität, wie ich dort unter den Bäumen mit meinem besten Freund schaukelte. Plötzlich dachte ich bei mir: „Wie schön es doch wäre, wenn er nachher noch vorbeikommen könnte, um mit mir einen Film anzuschauen. Ich sollte ihn einladen.” Und dann erinnerte ich mich daran, dass wir das gleiche Zuhause hatten! Er wird immer da sein, und ich habe auf Dauer einen Freund, mit dem ich zahllose Abenteuer erleben kann. Er ist immer eingeladen und ich auch.


Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 27.10.16  auf ldsmag.com unter dem Titel „Eight Lessons I Learned From the Hardest Year of Marriage” veröffentlicht. Die Autorin ist Mariah Proctor. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

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