Wir haben es alle schon getan. Du streitest mit deinem Ehepartner, bist frustriert und wütend und vielleicht dabei, zu unterliegen. Und es rutscht dir heraus: Du kramst wieder etwas hervor, was dein Partner bereits vor fünf oder zehn Jahren gesagt hat und von dem er/sie schon längst umgekehrt ist. Im gleichen Moment, in dem du es aussprichst, weißt du, du bist zu weit gegangen. Also wirst du entweder weich, nimmst alles zurück und entschuldigst dich, oder du wirfst noch einen wütenden Blick hinterher, weil du zu wütend bist – obwohl du weißt, dass du zu weit gegangen bist. Ups!

Immer wieder mit alten Kamellen aufzuwarten ist NICHT fair. Wenn mir etwas, was ich getan habe, aufrichtig leidtut, ich umkehre und mein Bestes tue, Unrecht wiedergutzumachen, sollte es Jahre später nicht wieder hervorgekramt werden – und das gilt für beide Seiten. Es ist nur dann ein fairer Streit, wenn man sich auf aktuelle Gegebenheiten beruft.

Streit passiert auch in den besten Ehen

Natürlich sollten wir gar nicht zanken und streiten, aber realistisch gesehen kenne ich kein einziges Ehepaar, dass nicht wenigstens ab und zu streitet. Es gibt dabei einen Unterschied zwischen Streit und Zerstörungswut. Gewalt ist NIE eine Option. Sucht euch SOFORT Hilfe, sollte es einmal dazu gekommen sein. Wartet nicht bis zum zweiten Mal.

Wir müssen uns entscheiden. Wollen wir wirklich rumschreien und einander anbrüllen, weil die Schmutzwäsche nun im Wäschekorb gelandet ist? Ein sanfter Wink mit einem Lächeln kann die Spannung immer etwas lösen. Es gibt einfach Dinge, die der Ehepartner niemals richtig machen wird – egal wie viele Jahre lang wir schon verheiratet sind. Wenn wir ehrlich danach suchen, werden wir solche Dinge auch bei uns selbst finden. Wir müssen uns überlegen, ob diese Dinge einen Kampf wert sind oder es vielleicht gar nicht so schwer ist, sie mit einem Lächeln zu ertragen. Die kleinen lästigen Dinge, die einen in den Wahnsinn treiben, sind vielleicht Dinge, die man vermissen wird, wenn der andere nicht mehr da ist.

Zum Beispiel hinterlässt mein Mann seit 37 ½ Jahren jeden Morgen einen Klecks Zahnpasta im Waschbecken im Bad. Am Anfang unserer Ehe trug ich Kontaktlinsen. Ich beugte mich über das Waschbecken, um am Morgen in den Spiegel zu schauen, wenn ich die Kontaktlinsen einsetzte, und hatte immer Zahnpasta auf meiner Bluse. Ihn sanft darauf hinzuweisen, funktionierte einfach nicht. Ich glaube, er weiß nicht einmal, dass er das tut. So lästig das für mich auch war, für mich war es nie wert, mich deswegen zu streiten. Es war einfacher, mir anzugewöhnen, mir ein Stück Toilettenpapier zu schnappen und den Klecks wegzumachen, bevor ich mit meiner Morgenroutine begann. Wenn mein Mann heute sterben würde, wäre das erste, was ich vermissen würde, sein morgendlicher Klecks Zahnpasta im Waschbecken. Außerdem wäre ich morgen früh sicher ein totales Nervenbündel, wenn dieses Klecksentfernen nicht mehr Teil meiner Routine wäre.

Es gibt eine Redewendung, die lautet: „Gehe niemals wütend ins Bett.” Für meinen Mann und mich hat es besser funktioniert, wenn wir erst einmal eine Nacht darüber geschlafen haben. Am Ende des Tages sind wir alle müde. Sich selbst damit zu quälen, wach zu bleiben, um ein Problem zu lösen, kann das Problem schlimmer machen als es ist. 90% von dem, was wir am Abend zuvor noch für desaströs hielten, war am Morgen gar nicht mehr so schwerwiegend. Manchmal konnten wir sogar darüber lachen.

Viel Liebe und Selbstlosigkeit

Uns gegenseitig zu beschimpfen ist einfach unakzeptabel! Wir sind mit einer wunderbaren Person verheiratet, die wir offensichtlich einmal lieben gelernt haben. Wenn wir dem Selbstwertgefühl unseres Partners schaden, würdigen wir unsere Liebe herab und rauben auch uns selbst ein Stück Lebensqualität. Eine Ehe kann nur erfolgreich sein, wenn sie mit Liebe und einem Maß an Selbstlosigkeit geführt wird. Denken wir daran, dass es in jedem Streit zwei Perspektiven gibt. Ein wenig Ruhe und Reflektion kann uns helfen, die Realität unseres Partners besser zu verstehen, auch wenn wir persönlich anderer Meinung sind.

Vergessen Sie bei Streit in der Ehe nicht die schönen tiefen Gefühle, die sie für einander haben.

Mit anderen schlecht über den Partner zu sprechen ist nie angebracht. Unser Ehepartner sollte unser bester Freund sein, und beste Freunde hintergehen einander nicht. Loyalität ist in einer guten Ehe zwingend erforderlich. Wenn etwas gesagt werden muss, müssen wir geduldig den richtigen Moment abwarten, um mit unserem Partner darüber zu sprechen und auf keinen Fall mit dem Nachbarn, einem Arbeitskollegen, einem Freund oder dem Sitznachbarn in der Kirche.

Vor den Kindern streiten – das ist eine schwierige Angelegenheit. Die meisten Menschen würden sagen, dass es immer falsch ist, vor den Kindern zu streiten. Ich behaupte, dass es falsch ist, heftigen Streit vor den Kindern auszutragen. Wenn wir nie vor den Kindern streiten, wachsen sie mit der Vorstellung auf, dass Verheiratete nie streiten. Und wenn sie selbst dann eines Tages heiraten, sind sie desillusioniert. Kindern müssen sehen, dass Ehepaare streiten und dass sie Lösungen finden. Sie sollten nicht heiraten und dann beim ersten Streit das Gefühl haben, dass sie auf ganzer Linie versagt haben. Unsere Kinder müssen lernen, wie man sich entschuldigt.

Die Ehe ist es wert

Es gibt etwas, was mein Mann tut, wenn er weiß, dass ich immer noch zu wütend bin, um mit ihm zu sprechen, aber es an der Zeit ist, sich wieder zu vertragen. Wenn wir im Auto sind, zeigt er einfach auf etwas Interessantes und wechselt das Thema. Wenn wir zu Hause sind, läuft er durch das Zimmer und beginnt ein Gespräch über etwas völlig anderes. Wenn wir im Bett sind, lässt er mir ein bisschen Zeit und legt dann seine Hand auf meinen Arm oder meine Hüfte. Ich weiß, dass er dann weiß, dass ich noch wütend bin, aber dass der Streit vertagt werden muss, bis wir uns wieder beruhigt haben.

Manche Themen müssen diskutiert werden, und dafür reichen nicht bloß 10 Minuten. Wenn es ein echtes Problem gibt, nehmt euch Zeit dafür, ohne die Kinder, und diskutiert – und fangt mit einem Gebet an. Ich wünschte, wir hätten das schon vor langer Zeit erkannt. Wenn man eines Sinnes und eines Herzens ist und man die Hilfe des Himmels hat, ist es um so Vieles einfacher, Erfolg zu haben.

Ich will euren Tag damit nicht ruinieren, dass ihr nun darüber nachdenkt, wie man lernt effektiv mit seinem Ehepartner zu streiten. Daher höre ich nun auf und möchte nur noch sagen, dass eine Ehe es wirklich wert ist.


Tudie Rose

Tudie Rose hat vier Kinder und zehn Enkelkinder in Sacramento, Kalifornien. Ihr könnt ihr auf Twitter unter @TudieRose folgen. Sie schreibt einen Blog, der unter http://potrackrose.wordpress.com zu finden ist. Sie hat mehrere Artikel für Familius geschrieben. Einen ihrer Aufsätze findet ihr auf Englisch auf familius.com.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 27.6.2014  auf ldsblogs.com unter dem Titel “The Fair Fight in Marriage” veröffentlicht. Die Autorin ist Tudie Rose. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

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