Am vergangenen Muttertag verbrachte ich viel Zeit damit, mir alte Familienfotos anzusehen. Meine Mutter war sehr jung als sie starb. Das ist jetzt 40 Jahre her. Mir alte Fotos anzusehen und Erinnerungen zu wecken hilft mir, mich mit ihr verbunden zu fühlen. Ich sah ein Foto von meiner Mutter und mir, auf dem ich acht Jahre alt bin. Es war lustig. Wir hatten beide geschwollene Gesichter, weil wir gleichzeitig Mumps hatten. Ich fand ein Foto, auf dem drei Generationen zusammen sind: meine Mutter mit ihrer Mutter und mir als Kleinkind. Zum Muttertag teilte ich diese beiden Fotos auf Facebook, damit meine Freunde und Familie sie sehen können. Keins meiner Kinder lebt in meiner Nähe; ich hatte Vorfreude auf ihre Anrufe und es war schön, mit ihnen zu telefonieren. Es war ein tolles Wochenende, bis es Sonntagabend aus Strömen regnete. Innerhalb von 20 Minuten regnete es fast drei Zentimeter und Wasser sickerte in unseren Keller! Ich bin zwar dankbar dafür, dass unser Zuhause noch steht und der Strom nicht ausfiel, aber ich hätte meinen Muttertag lieber mit etwas anderem verbracht als meinen Hausrat vor den Fluten zu retten. Am Ende dieses Tages erinnerte ich mich daran zurück, als ich an einem Thanksgiving-Morgen meinen Küchenschrank öffnete, um mit dem Kochen anzufangen, und überall Kakerlaken waren.  Bevor ich also mit dem Kochen anfangen konnte, musste ich mich um die Herausforderungen mit den Kakerlaken kümmern. Ich möchte anmerken, dass ich nicht sicher bin, welcher Tag schlimmer war. Aber mich an den Tag zurückzuerinnern half mir, mit dem überfluteten Keller klarzukommen.

Familienfotos und Geschichten

Die Vergangenheit und wie andere mit ihr umgegangen sind, kann uns dabei helfen, mit der Gegenwart klarzukommen. Das Lieblingssprichwort meiner Mutter war: „Wenn du über eine Situation entweder weinen oder lachen kannst, ist lachen viel weniger chaotisch.” Ich denke oft in schwierigen Situationen daran. Ich konnte zwar nicht wirklich über unseren gefluteten Keller lachen, aber geweint habe ich auch nicht. Mein Vater gab mir einen guten Rat für Beziehungen, kurz bevor ich heiratete. Er sagte, wenn mein zukünftiger Ehemann etwas tut, was mich nervt, sollte ich darüber nachdenken, ob es mich auch in 50 Jahren noch nervt. Wenn ich denke, dass es das tut, sollte ich darüber sprechen. Wenn nicht, sollte ich es ignorieren. Ich habe länger gebraucht als ich eingestehen will, dem Rat meines Vaters zu folgen, aber die Dinge laufen besser, seit ich es tue. Wir können alle aus den Erfahrungen unserer Eltern, Großeltern und anderer älterer Generationen lernen.

Von den Herausforderungen unserer Vorfahren lernen

Mich erstaunt der Mut meiner Großeltern, die als Jugendliche aus Irland nach Amerika ausgewandert sind, um ein neues Leben zu beginnen. Ich wünschte, dass ich sie über diese Zeit in ihrem Leben ausgefragt hätte, wie es war und wie sie mit den Herausforderungen umgingen. Ich wünschte, ich hätte sie gefragt, wie sie mit der Großen Depression umgegangen sind, vor allem jetzt, wo unsere Wirtschaft so unsicher ist. Meine Eltern und Großeltern sind jetzt alle verstorben. Ich kann sie nicht mehr über ihre Erfahrungen fragen. Wenn du noch Eltern und Großeltern hast, stelle ihnen die Fragen, die du ihnen immer schon stellen wolltest. Hatten sie ähnliche Herausforderungen wie du? Und wenn ja, wie sind sie damit umgegangen? Warte nicht zu lange, um deine Fragen zu stellen, du weißt nicht, wann es zu spät sein könnte.

Was ist mit den Vorfahren, die schon lange verstorben sind? Wir können nach Dokumenten aus ihrem Leben suchen und nachdenken, wie die Informationen, die darin enthalten sind, uns dabei helfen können, mehr über sie zu erfahren. Mein Vater, wie viele Männer seiner Generation, diente im Zweiten Weltkrieg. Er war selten dazu bereit, über seine Erlebnisse zu sprechen. Es schien, dass die Erinnerungen zu schmerzhaft waren. Durch seine militärischen Entlassungspapiere erfuhr ich, dass er Heeresflieger war und die Flugzeuge instand hielt. Ich fragte mich, wie oft er trauerte, wenn einer seiner Freunde und Mitsoldaten nicht zurückkehrte, weil das Flugzeug abgeschossen wurde. Vielleicht kämpfte er als Überlebender mit Schuldgefühlen, weil sein Militärdienst ihn am Boden beschäftigte, während andere in der Luft ihr Leben gaben.

Von den Herausforderungen unserer Vorfahren lernen.

Mut für unser eigenes Leben schöpfen

Ein anderer Vorfahre von mir, Harmon Henry Miller, diente im Amerikanischen Bürgerkrieg. Ich forschte in den Aufzeichnungen des Bürgerkriegs und fand heraus, in welcher Militäreinheit Harmon diente. Ich fand ebenfalls den Bericht seiner Einheit und der Kämpfe, die sie austrugen. Einer dieser Kämpfe war die Schlacht in der Wilderness (Virginia), die der erste Kampf zwischen Lt. General Ulysses S. Grant und dem konföderierten General Robert E. Lee war. Dieser Kampf blieb unentschieden und keine Partei erzielte den Sieg. Es gab einen Waffenstillstand mitten im Kampf. Durch Kanonen und Musketen wurde ein Feuer ausgelöst, das gelöscht werden musste, weil Soldaten durch das Einatmen des Rauches bewusstlos wurden. Sie löschten die Flammen und kämpften weiter.

Eine weitere Zeit großer Herausforderungen in der Geschichte meiner Vorfahren ist die große irische Hungersnot zwischen 1845 und 1850. Aufgrund einer Braunfäule der Kartoffelernte verhungerten eine Million irische Bauern. Zwei weitere Millionen wanderten aus. Meine direkten Vorfahren überlebten und blieben während der Hungersnot in Irland. Ich lese zurzeit ein Buch über diese Hungersnot, um mehr darüber zu erfahren, was meine Vorfahren durchgemacht haben. Wir sind heutzutage wirklich mit dem Vorteil gesegnet, den Zugriff auf so viele Informationen über die Vergangenheit zu haben. Wir können Mut für unsere eigenen Herausforderungen finden, indem wir über die Herausforderungen lernen, mit denen unsere Vorfahren konfrontiert waren.


Über Christine Bell

Christine Bell betreibt seit fast 40 Jahren Ahnenforschung und freut sich über jeden ihrer Vorfahren, den sie findet. Sie arbeitet freiwillig für das FamilySearch Family History Center, wo sie anderen hilft, ihre Vorfahren zu finden. Sie hat sich zu der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage bekehrt und ist dankbar, ein Mitglied dieser Kirche zu sein. Sie ist Ehefrau, Mutter von sechs Kindern, Großmutter von sechs Enkelkindern und lebt derzeit im Westen der Vereinigten Staaten. Christine genießt es, Zeit mit ihrer Familie zu verbringen und Steppdecken für ihre Familie, Freunde und humanitäre Dienste der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage anzufertigen.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich auf ldsblogs.com unter dem Titel „Can I Pray for That?” veröffentlicht. Die Autorin ist Christine Bell. Übersetzt von Maren Leit.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

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