Monatelang fiebern viele Mormonen auf diese beiden Monate des Jahre hin: April und Oktober. Und wenn der eine Monat vorbei ist, freut man sich schon wieder auf den anderen. Und jeder weiß, was dann geschieht: April und Oktober sind Generalkonferenz-Zeit. Das war auch schon früher so.

Die Konferenzversammlungen waren allerdings nicht immer schon so gestaltet wie wir sie heute kennen. In den ersten Jahren nach der Gründung der Kirche wurden Generalkonferenzen oft mehr oder weniger spontan einberufen, je nachdem, wann es etwas gab, was besprochen werden musste. Es wurden auch Konferenzen einberufen, wenn es Probleme zu lösen gab oder neue Offenbarungen empfangen worden waren. Im Laufe der Zeit wurden die Konferenzen regelmäßiger. Und mit dem Anwachsen der Mitgliederzahl wurden sie immer mehr zu dem spirituellen Festmahl, wie wir es heute kennen.

Hier nun ein paar Dinge, die früher bei Konferenzen anders waren als heute.

1 Das Austeilen des Abendmahls

Die erste offizielle Konferenz der Kirche wurde nur wenige Monate nach Kirchengründung, am 9. Juni 1830, abgehalten. Die ersten Konferenzen ähnelten eher unseren heutigen Abendmahlsversamlungen mit Anfangslied, Austeilen des Abendmahls, Beamtenbestätigung und Belehrungen durch den Propheten. Obwohl diese Praktik mit steigender Mitgliederzahl abgeschafft wurde, gab es auch im letzten Jahrhundert noch einmal eine Konferenz mit Abendmahlsversammlung, während des 2. Weltkrieges: im Oktober 1942. In der zweiten Session der Generalkonferenz am Sonntagnachmittag wurde erst das Abendmahl ausgeteilt, dann eine Zeugnisversammlung abgehalten (Quelle in Englisch: Conference Report 10/1942, S. 76/77).

Abendmahl im Weltall

2 Bestätigung von Mitgliedern und Annehmen von Offenbarungen

Heutzutage werden Neugetaufte in den Gemeinden vor Ort als Mitglieder bestätigt – wäre es anders, würde das wohl sehr viel Zeit während der Versammlungen in Anspruch nehmen. Auch das wurde lange anders gehandhabt. Neben der Bestätigung Neugetaufter als Mitglieder wurden auch neue Offenbarungen von den Mitgliedern der Kirche offiziell angenommen und bestätigt. Von diesem Vorgehen stammt unser heutiges Verfahren der allgemeinen Zustimmung. Beispielsweise stimmten bei einer Konferenzversammlung die Mitglieder dafür, das „Buch der Gebote” zu veröffentlichen. Wendepunkt war April 1844; seither sind die Konferenzen weniger ein organisatorisches Treffen, sondern werden hauptsächlich für Unterweisung genutzt.

3 Abhalten eines Kirchengerichts

Ein weiterer Zweck, dem die ersten Konferenzen dienten, war es, die Heiligen zu vereinen und zu organisieren. Unter anderem wurde über Streitigkeiten und moralische Verfehlungen verhandelt; es wurden Exkommunikationen ausgesprochen, der Entzug des Gemeinschaftsrechts bei gewissen Vergehen und die Wiederaufnahme von (ehemaligen) Mitgliedern. Inzwischen kümmert sich ein eigenständiges Kirchengericht um diese säkularen und religiösen Anliegen und all das ist nicht mehr Teil der Generalkonferenzversammlungen.

4 Das Ankündigen von Besiedlungs- und Missionsaufträgen

Frühe Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage brechen auf eine Reise zu den Lamaniten auf.

Oft wussten die frühen Mitglieder der Kirche nicht, wenn sie eine Konferenz besuchten, wer von ihnen dazu berufen würde, ein neues Gebiet zu besiedeln oder auf Mission zu gehen; diese Aufträge wurden während der Konferenz verlesen. Außerdem wurde die Konferenz früher im Jahr abgehalten als das heute der Fall ist. Dadurch, dass die Konferenz bereits im September stattfand, hatten die Missionare, die von der Kanzel aus berufen wurden, ein bisschen mehr Zeit, bevor die winterlichen Stürme die Gebirgspässe abschnitten.

5 Das Abhalten einer Konferenz am 6. April

Als die Konferenzen regelmäßiger abgehalten wurden, wurden ein paar der Versammlungen auf den 6. April gelegt – unabhängig davon, um welchen Wochentag es sich handelte. Davor wurden die Konferenzen vor allem dann einberufen, wenn sie notwendig waren, unabhängig von Monat und Tag. Die Konferenzen werden seit 1840 regelmäßig im April und Oktober abgehalten.

6 Ansprachen anderer Sprecher als Generalautoritäten und Beamter der Kirche

Früher sprachen auch Pfahl- und Missionspräsidenten sowie Vertreter der Vereinigten Staaten und der amerikanischen Pfadfindervereinigung bei den Versammlungen der Konferenz. Selbst ein Stabschef des amerikanischen Militärs hatte bereits Gelegenheit, von der Kanzel aus zu sprechen. Heute können wir uns ziemlich sicher sein, dass nur Generalautoritäten und Leiter der Hilfsorganisationen während der Versammlungen sprechen.  

7 Konferenzversammlungen außerhalb des Konferenzzentrums

Lds Tabernakel

Bevor es das Konferenzzentrum gab, wurde die Generalkonferenz an ganz unterschiedlichen Orten abgehalten, darunter beispielsweise in Fayette, New York, in Kirtland, Ohio und in Council Bluffs, Iowa; später auch in Logan und Provo, Utah. 1893 wurde eine ganz besondere Konferenz im Salt-Lake-Tempel abgehalten und dabei auch das Gebäude geweiht.

Viele Mitglieder erinnern sich noch an die Konferenzen im Salt-Lake-Tabernakel, wo sie von 1867 bis 2000 abgehalten wurden.

8 Öffentliche Berichte über die Ausgaben der Kirche

Seit 1908 gibt es eine Buchprüfungsabteilung, die Bericht über die finanziellen Angelegenheiten der Kirche erstattet. Im  Bericht, der während der Versammlung gegeben wurde, wurden normalerweise die Beträge genannt, die für verschiedene Bereiche ausgegeben worden waren, darunter Wartungs- und Gebäudekosten von Tempeln oder kircheneigenen Schulen. Außerdem wurde berichtet, wie viel vom Zehnten und anderen Spenden für Bedürftige verwendet wurden. Seit April 1959 wird nicht mehr Rechenschaft über einzelne Beträge abgelegt, sondern ein allgemeiner Bericht gegeben, in dem beispielsweise auch die Anzahl der Pfähle, Missionare und Tempel genannt wird.

9 Konferenzversammlungen, die länger als zwei Tage dauerten

Schaut man auf die Geschichte der Konferenzversammlungen zurück, lässt sich feststellen, dass sie früher drei Tage lang dauerten und dass manchmal ganze Sessionen einem bestimmten Thema folgten. 1867 stimmten die Mitglieder sogar dafür, die Versammlungen eine Zeit lang auf vier Tage auszuweiten. Seit 1977 gibt es nun die Konferenz an zwei Tagen: Samstag und Sonntag.

10 Ansprachen ohne Zeitvorgabe und ohne Notizen

In den frühen Versammlungen verließen sich die Sprecher nur auf göttliche Inspiration, die ihre Ausführungen leiten sollte. Die Anwesenden blieben so lange auf ihren Sitzen, bis die Sprecher all das gesagt hatten, was sie zu sagen hatten – ob das nun fünf Minuten oder eine Stunde und fünf Minuten dauerte. Als die ersten Konferenzen im Fernsehen übertragen wurden, wurden zeitliche Begrenzungen notwendig, damit die Sprecher nicht durch Pausen der Sendestationen unterbrochen wurden.


Der Beitrag wurde aus dem Englischen frei übersetzt. Er wurde ursprünglich auf ldsliving.com unter dem Titel „10 Things We Don’t Do in Conference Anymore” veröffentlicht. Die Autorin ist Jannalee Rosner. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.    

German ©2017 LDS Living, A Division of Deseret Book Company | English ©2017 LDS Living, A Division of Deseret Book Company  

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